Trip: große Klappe mit was dahinter

Zum Start seines Männermagazins Trip verspricht Neuverleger Thomas Garms ein "rebellisches, mutiges, ehrliches" Heft, das sich neben Magazinen wie Neon, 11 Freunde und Cicero einreihen soll. Eine gewagte Aussage, wenn man nur das Cover mit 08/15-Nacktmodel betrachtet. Doch der ehemalige Men's Health- und Hörzu-Chef ist ein alter Print-Kenner, der weiß wie es geht: Trip überzeugt - weniger mit außergewöhnlichen Layout-Ideen, dafür aber - ganz altmodisch - mit guten Stories. Große Klappe mit was dahinter.

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132 Seiten ist der deutsche Ableger des brasilianischen Erfolgs-Magazins dick, davon sind 18 Seiten mit Anzeigen bestückt – und zwar ganzseitig. Eine etwas magere Auslese für einen Marktneuling. Dennoch könnten potenzielle Anzeigenkunden auf den Plan gerufen werden, wenn sie das neue Heft in den Händen halten. Denn es verspricht durchaus mehr Qualität als das Cover andeutet.

Die erste große Geschichte handelt von dem Fotografen Martin Schoeller, der mit seinen Promi-Star-Aufnahmen von George Clooney, Clint Eastwood oder Angelina Jolie mittlerweile zu den Gefragtesten seines Berufes gehört. Es ist ein detailliertes Porträt des Deutschen, das von seinem Freund und Trip-Autor Jörg Heuer geschrieben wurde. Auch wenn eine journalistische Distanz damit nicht immer eingelöst wird, gehört der elf Seiten lange Artikel zu den stärksten des Heftes. Auch die Idee, eine Reportage über das Treffen mit dem Ecstasy-Erfinder Sasha Shulgin im Heft zu platzieren, ist ein Lob wert.

Garms hatte angekündigt, dass Trip zwar Erotikstrecken zeigen werde, dabei aber auf "schwülstige Dekoration" verzichte und dafür die Natürlichkeit mit einer "erotischen Attitüde" vermittelt werde. Die erste nackte Frau im Heft kommt aber wenig natürlich daher: auf Seite 20 in der Rubrik Parade wird das "legendärste Puff der Republik", das Sudfaß in Frankfurt, vorgestellt und entsprechend bebildert. Aber das sei nur am Rande erwähnt.
Dem Titelmodel, die brasilianische Newcomerin Karen Junqueira, wird auf Seite 44 die erste Erotikstrecke gewidmet. Auf elf Seiten sieht man viel nackte Haut auf ästhetisch-unverbindlichen Fotos. Ganz nebenbei auf einer Seite wird auch noch die Geschichte hinter dem Körper erzählt. Der Anspruch auf Natürlichkeit wird eingelöst. Die zweite Strecke ab Seite 92, bei der aus der Foto-Community Flickr die besten Bilder unter dem Suchnamen "Trip Girl" veröffentlicht wurden, wird dem ebenfalls gerecht. Auch wenn das Motto "Sex sells" zwar immer den Verkauf von Männerzeitschriften ankurbelt, könnte Trip auch ohne diese obligatorischen Nackt-Strecken auskommen. Das wäre mal eine Rebellion für ein Männermagazin, mutig wäre der Schritt ebenso.

Was in einem echten Männermagazin nicht fehlen darf, ist eine Sport-Geschichte. In der aktuellen Ausgabe ist es eine Strecke über den hundertsten Geburtstag des FC St. Pauli. Als Autor verpflichtete Garms einen echter Kenner des Sujets: den ehemaligen Pauli-Profi Markus Lotter, der mittlerweile Sportchef der Berliner Zeitung ist. Der Text ist gut, das Layout allerdings nur – wie im ganzen Heft – Stangenware.

Denn das ist das Problem von Trip: Die Geschichten sind stark, die Ideen gehen auf, doch die Optik lässt zu wünschen übrig. Vor allem im Layout ist der Neuling noch weit von seinen gewünschten Regalnachbarn Neon, 11 Freunde und Cicero entfernt. Inhaltlich hat sich Trip bereits auf den Weg gemacht, die Distanz zu seinen Vorbildern zu verringern – wenn auch in Trippelschritten.
Trip kostet 4,80 Euro und erscheint 12 Mal im Jahr. Die Startauflage beträgt 100.000 Exemplare. Am 29. April kommt das Heft erstmals in den deutschen Handel.

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