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WSJ-Chef schimpft auf New York Times

Der Ton im so genannten Zeitungskrieg in New York wird schärfer. Das Wall Street Journal (WSJ) greift mit einem neuen, umfangreichen Lokalteil die New York Times an. WSJ-Chefredakteur Robert Thomson nutzte die Gelegenheit, um über die Konkurrenz herzuziehen. Die Zeitung würde "social activist journalism" betreiben und sei so verknöchert wie die Bourgeoisie. Thomsons Verbal-Attacken haben einen realen Hintergrund. Das WSJ ist seit kurzem die auflagenstärkste Zeitung der gesamten USA.

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Laut den neusten Auflagenzahlen hat das WSJ mit einer Auflage von knapp über zwei Millionen die USA Today als größte Zeitung der USA abgelöst. Außerdem ist das Wall Street Journal die einzige Zeitung der Top 25 in den USA mit steigender Auflage. Die Auflage des WSJ stieg minimal um 0,5 Prozent. Die der New York Times fiel um 8,5 Prozent. Vor diesem Hintergrund müssen die Lästereien von WSJ-Chef Thomson besonders schmerzen. Er bezeichnete die New York Times als ein Relikt eines journalistischen Elite-Denkens. Thomson: "Wer Sozialaktivist sein will, der sollte zu Amnesty International gehen." Eine Anspielung auf die traditionell linksliberale Haltung der New York Times.

Im Hintergrund schwelt ein Konflikt zwischen dem Verleger des Wall Street Journal, Rupert Murdoch, und der Eigentümer-Familie der New York Times, den Sulzbergers. Beobachter der New Yorker Medienszene gehen davon aus, dass die Lokaloffensive des WSJ weniger kühlen geschäftlichen Überlegungen geschuldet ist, sondern es sich vielmehr um eine Privatfehde zwischen Murdoch und den Sulzbergers handelt. Das wird von Les Hinton, dem Chef des WSJ-Verlags Dow Jones gegenüber dem britischen Guardian bestritten. Den neuen Lokalteil zu starten, sei eine rein geschäftliche Entscheidung gewesen, sagte er. Nicht ohne doch noch eine Spitze hinterherzuschießen: "Zu sehen, wie die alte graue Lady versucht zu tanzen, war nur ein angenehmer Nebeneffekt." Old Gray Lady ist der Spitzname der New York Times.

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