Anzeige

Die Probleme mit Social Payment

Mikro-Bezahlsysteme im Web wie Flattr oder Kachingle gelten als Chance, wie das leidige Problem mit dem Finanzieren von inhaltlich getriebenen Websites in den Griff zu bekommen ist. Das Prinzip: Nutzer können monatlich einen festen Betrag zahlen und verteilen damit ihre monetäre Gunst auf alle möglichen Websites, die sie mögen und regelmäßig besuchen. Das Problem: Kaum jemand macht mit. Die erfolgreichste Website bei Kachingle zählt gerade mal 59 finanzielle Unterstützer weltweit.

Anzeige

SteveOuting.com ist ein Blog, das sich wie viele viele andere mit Medien- und Web-Themen befasst. Das Blog ist seit November 2009 bei Kachingle angemeldet und hat seitdem 59 Unterstützer, Kachingler, gefunden, die es mit "Social Cents" finanziell unterstützen. In fünf Monaten entspricht das einem Geldbetrag von 113 Dollar. Selbst ein rechter Schmalhans könnte davon nicht seinen Lebensunterhalt
bestreiten. Das Modell von Kachingle ähnelt dem ähnlicher Startups wie PayMeCredit oder Flattr, das von dem PirateBay-Gründer Peter Sunde gegründet wurde. Alle diese Anbieter gehen davon aus, dass es auf der einen Seite die Inhalte-Anbieter gibt, die das Problem haben, ihre Sites zu refinanzieren. Auf der anderen Seite stehen die Leser, die ihre Lieblingssites gerne unterstützen würden. Nun muss man in der Web2.0-Logik nur beide Seiten verknüpfen und schon hat man ein ideales ökonomisches Biotop modernen Zuschnitts. Soweit die Theorie. Die Idee hat nur den einen Schönheitsfehler: Sie funktioniert nicht.
Die Zahlen, die zum Beispiel Kachingle ausweist, sprechen Bände. Die paar Handvoll Unterstützer, die sich weltweit bereit erklärt haben zu zahlen, reichen bei weitem nicht aus. Es geht hier schlicht um allzu menschliches Verhalten beim Bereitstellen öffentlicher Güter. Und nichts anderes ist eine offen zugängliche Website. Ich kann die Vorzüge der Website nutzen, ganz egal ob ich mich irgendwo anmelde und regelmäßig Geld überweise oder nicht. Außerdem scheint die Bindung der Nutzer an einzelne Weblogs weitaus geringer zu sein, als mancher Blogger es vielleicht gerne hätte. Viel Traffic kommt von Google oder Aggregatoren. Solche Gelegenheitsleser werden aber kaum gleich zahlen wollen.
Für private Blogger mögen diese Defizite noch zu verschmerzen sein. Wer als Hobby bloggt, mag Flattr oder Kachingle kurz ausprobieren und kann das Experiment jederzeit auch wieder beenden. Professionelle Journalisten oder Medienunternehmen können das Prinzip aber schon per Definition nicht in ihre Kalkulation einbeziehen. Die Kosten für professionelle Inhalte-Produktion bleiben nämlich immer gleich oder steigen. Sich beim Lebensunterhalt oder dem Firmen-Umsatz von der Zahl-Gefälligkeit der Community abhängig zu machen, wäre fatal.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige