Bauer muss Top-100-Siegel überarbeiten

Ein Gerichtsurteil, zwei Sichtweisen: Am gestrigen Montag verhandelte das Landgericht Hamburg über eine einstweilige Verfügung der G+J-Vertriebstochter Deutscher Pressevertrieb (DPV) gegen den Bauer Verlag. Wie ein Gerichtssprecher gegenüber MEEDIA bestätigte, wurde Bauer verboten, 26 Zeitschriftentitel mit dem bisherigen Top-100-Siegel auf der Titelseite zu vertreiben und/oder vertreiben zu lassen. Der Verlag kündigte daraufhin an, das Siegel zu überarbeiten und "für den Endverbraucher noch deutlicher zugestalten".

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Zudem verbot das Gericht Bauer die Presse-Grossisten dazu aufzurufen, die mit den Siegel abgebildeten Zeitschriften möglichst in Vollsicht und prominent zu zeigen und auszulegen. 

"Wir haben in der Sache in beiden Punkten gewonnen", kommentierte ein DPV-Sprecher gegenüber MEEDIA. "Bauer darf nach dem Urteil die Presse-Grossisten nicht dazu aufrufen an der Aktion teilzunehmen."

Aber Bauer sieht in dem Gerichtsbeschluss durchaus Positives. In einer Pressemitteilung heißt es, dass man sich "gegen den Wettbewerber Gruner + Jahr in einer wichtigen Frage durchgesetzt" habe: "Demnach ist die erfolgreiche Aktion ‚Top 100 Titel‘ im Einzelhandel zulässig. Gruner + Jahr scheiterte mit dem Versuch, der Bauer Media Group zu verbieten, die Einzelhändler zur Umsetzung der Top 100 Aktion im Einzelhandel aufzurufen."

In der einstweiligen Verfügung berief sich die DPV auf "wettbewerbsrechtliche Gründe". Die G+J-Tochter argumentierte, dass das neue Bauer-Siegel Kiosk-Kunden in die Irre führen könnte. Denn die Umsatzbedeutung der einzelnen Titel entspreche nicht der jeweiligen Presseverkaufsstelle. Bauer reagierte – und änderte sein Logo: Seitdem firmiert die Bauer Media Group als Absender, und die IVW taucht als Quelle des Einzelhandels-Umsatzes nicht mehr auf, sondern der Fachdienst DNV, der vor ein paar Wochen ein entsprechendes Umsatzranking veröffentlicht hat.

Der Hamburger Verlag führte das Top-100-Siegel Anfang März ein. Die Bauer Media Group will damit die Kiosk-Performance ihrer Hefte stärker vermarkten. Seitdem prangt auf 25 Heften ein grünes Güte-Siegel, das die jeweilige Zeitschrift als eine der 100 – damals noch laut IVW – umsatzstärksten im deutschen Einzelhandel identifiziert. "Für unsere Titel gilt die Maßgabe, dass nur diejenigen Produkte am Markt erfolgreich sein werden, die von der konsequenten Orientierung an den Bedürfnissen der Leser bestimmt sind", sagte Verlagschefin Yvonne Bauer zum Siegel-Start gegenüber MEEDIA.

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