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Imposanter Relaunch von BusinessWeek

Es kommt nicht häufig vor, dass man im Internet-Zeitalter Positives über Print-Produkte berichten kann. In den USA ist gerade das traditionsreiche Wochenmagazin BusinessWeek als Bloomberg Businessweek (BB) neu an den Start gegangen – und der Relaunch des 80 Jahren alten Wirtschaftsblattes beeindruckt. BB zeigt, wie die Zeitschrift der Zukunft aussehen könnte: "more news for shorter attention spans" und "multiple entry points" heißen die Stichworte, mit denen das neue Bloomberg-Blatt punktet.

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Es kommt nicht häufig vor, dass man im Internet-Zeitalter Positives über Print-Produkte berichten kann. In den USA ist gerade das Wochenmagazin BusinessWeek als Bloomberg Businessweek (BB) neu an den Start gegangen – und der Relaunch des 80 Jahren alten Wirtschaftsblattes beeindruckt. BB zeigt, wie die Zeitschrift der Zukunft aussehen könnte: "more news for shorter attention spans" und "multiple entry points" heißen die Stichworte.
Den Wirtschaftsmagazinen geht es auch in den USA ziemlich schlecht. Condé Nast hat im letzten Jahr seine ambitionierte Neugründung Portfolio einstellen müssen und bei diesem Abenteuer mal eben rund 150 Mio. Dollar in den Sand gesetzt. Fortune hat jüngst seine Erscheinungsweise von 25 auf 18 Ausgaben zurückgenommen, Forbes kommt nur noch 20 statt 24mal. Und beide Titel schreiben tiefrote Zahlen. Wie natürlich auch das Wochenmagazin BusinessWeek, das allein im letzten Jahr rund 60 Mio Dollar verloren hat.
Aber all das hat die Financial News Company von Michael Bloomberg nicht davon abhalten können, im Herbst letzten Jahres das ehemalige McCraw-Hill-Flaggschiff zu kaufen. Der offizielle Kaufpreis betrugt 5 Mio. Dollar, aber in Wirklichkeit war die Übernahme deutlich teurer, denn Bloomberg hat auch für Altschulden und Pensionszusagen geradestehen müssen. Insider meinen, der Spaß hätte eher 50 Mio. Dollar gekostet.

Aber das ist Kleingeld für ein Unternehmen, das in den Zeiten des Börsenbooms Milliarden verdient hat. Bloombergs Rendite soll viele Jahre lang 35 Prozent betragen haben. Heute liegt der Umsatz bei 8 Mrd. Dollar. Längst ist das 1981 gegründete Unternehmen mehr als nur eine reine Finanzdaten-Agentur. Zum Konzern gehören inzwischen ein Fernsehsender sowie Radio- und Internet-Aktivitäten. 

Seit 2001 ist Firmengründer Michael Bloomberg im Tagesgeschäft nicht mehr aktiv. Der Verleger, der 85 Prozent der Anteile hält, hat sich einen neuen Job gesucht, der ihm mehr Öffentlichkeit und mehr Schlagzeilen garantiert. Er ist Bürgermeister von New York geworden und damit Nachfolger vom legendären Rudolph Giuliani. 

Das Ego von Bloomberg war es auch, das sein Unternehmen dazu verleitet hat, BusinessWeek zu kaufen. Schon der neue Name ist vielsagend. Aus BusinessWeek wurde Bloomberg Businessweek und die Ambitionen des "kleinen Mike" sind riesengroß. Er will aus seinem Kauf "the most influentail business magazine in the world" machen. 

Dafür hat er kräftig Geld in die Hand genommen und dem Magazin gegen den allgemeinen Branchentrend 25 Prozent mehr Heftumfang spendiert. Und der Relaunch wird mit einer gewaltigen Werbekampage begleitet. Slogan: "The new Bloomberg Businessweek. Reimagined. Redesigned. Reinvented".

Viel beeindruckender aber als das viele Geld und die großen Worte ist das Produkt, das es seit dem Wochenende überall in den USA zu besichtigen gibt: BusinessWeek hat eine Formel gefunden, die auch im Internet-Zeitalter funktionieren könnte.

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Auf den ersten Blick gibt es im Magazin unendlich viele Geschichten. Man hat das Gefühl, man bekommt reichlich Text für sein Geld. Die Heftstruktur wirkt deutlich kleinteiliger als man das früher von erfolgreichen Zeitschriften gewohnt war.

Chefredakteur Josh Tyrangiel: "We basically have 50 Percent more stories. It was about creating an architecture for really delivering a lot of information in a way that people can navigate quickly."

Das Magazin ist zweigeteilt: im vorderen Teil gibt es 6 Kapitel mit jeweils vielen kleinen Stories, im hinteren Teil – "Features" genannt –  dominiert analytischer Background. Eine Story lautet dabei "Apple’s Endlessly Expanding Universe" und hat gewisse Parallelen zu der aktuellen Spiegel-Titelgeschichte.

Auffallend ist, dass bei kurzen Artikeln die Vorspänne durch "Bullet Points" ersetzt werden. So will man den Leser schneller in eine Story ziehen. "Multiple entry points" nennen das die Verantwortlichen.

Interessant ist auch, wie zurückgenommen das neue Design daherkommt. Das Erscheinungsbild ähnlich dem englischen The Economist. Tyrangiel: "The design doesn’t dominate. The story is what’s important".

Deutsche Blattmacher sollten sich die neue Bloombergs BusinessWeek kommen lassen. Es lohnt sich.

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