Murdoch-Sohn wütet in Western-Manier

Während seinem Vater Rupert Murdoch ein dickes Fell nachgesagt wird, neigt James Murdoch, Europa-Chef der News Corp., zu emotionalen Reaktionen: Der "Times"-Verleger ist wutentbrannt in den Newsroom des Konkurrenzblatts Independent gestürmt, um den Chefredakteur wegen eines Werbeslogans zur Rede zu stellen. Zeugen fühlten sich an einen Western-Showdown erinnert: "Das war wie in Dodge City." Schon der Einstiegssatz des Eindringlings war mafia-filmreif: "What are you fucking playing at?”

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Der Independent hat seinen Relaunch nach der Übernahme durch den russischen Oligarchen Alexander Lebedew mit einer Serie flotter Slogans begleitet, von den einer lautet: "Rupert Murdoch won’t decide this election. You will." Dass Murdochs Medien-Imperium die bei den anstehenden Unterhaus-Wahlen die Konservativen stützt, ist kein Geheimnis.
James Murdoch sah aber offenbar das ungeschriebene Gesetz verletzt, dass Medien sich nicht auf der Ebene der Verleger und Besitzer angreifen. In Begleitung seiner Top-Managerin Rebekah Brooks rauschte er ohne Anmeldung ins Independent-Gebäude, um Chefredakteur Simon Kelner zu finden. Wie der Guardian mit deutlichem Vergnügen berichtet, fühlten sich andere Zeugen an Mafia-Filme erinnert: "Es war so bizarr. Er wirkte wirklich bedrohlich. Wir alle kennen diese Situation: ‚Der Chef hat gehört, dass sie etwas über ihn gesagt haben, dass ihm gar nicht gefällt."
Murdochs Eingangsfrage lautete: "What are you fucking playing at?” Der erschütterte Kelner dirigierte die Besucher eilends in sein Büro, das Murdoch und Brooks nach 20 Minuten wieder verließen. Stellungnahmen von Independent oder News Corp. erfolgten nicht.

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