Der Kinderkanal lästert über „DSDS“

VDZ-Geschäftsführer Wolfgang Fürstner lieferte in der SZ ein neues Beispiel für die schizophrene Haltung der Verlage zu Apple. Einerseits attestierte er dem iPad eine "erotische Kraft". Andererseits beschwerte er sich über den App Store. Axel Springer schickte dem Bildblog teure Abmahnungen ins Haus. Dass das neue Magazin von Stefan Aust kommt, wurde diese Woche immer wahrscheinlicher. Und der Kika lästerte über "DSDS". Dabei sind beim Kinderkanal auch nicht alle Sendungen ganz hasenrein.

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Das Verhältnis deutscher Verleger zur Firma Apple ist von einem Hang zur Schizophrenie geprägt. Einerseits sind alle hellauf begeistert, rennen mit iPhones rum und lassen Apps im Dutzend entwickeln. Andererseits wird geschimpft über die Quasi-Monopolstellung der Kalifornier, die undurchsichtigen Zugangsbeschränkungen zum App Store und die saftigen Provisionen. Diese Woche hat sich Wolfgang Fürstner, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), in der Süddeutschen Zeitung in der Sache zu Wort gemeldet. Einerseits attestiert er dem iPad von Apple eine "geradezu erotische Kraft" andererseits singt er das bekannte Verlags-Mantra von der "Endkundenbeziehung".
Die Lieblings-Argumentation der Verlage gegen Apple geht ungefähr so: Wenn wir (die Verlage) supertolle Produkte für iPad und Co. entwickeln sollen, dann müssen wir das Ohr ganz nah bei der Zielgruppe haben. Dann dürfen die bösen Apple-Leute nicht die Kundendaten aus dem App Store vorenthalten. Mit den Worten Fürstners: "Verlage müssten ihre Endkundenbeziehungen weiter pflegen können, sie müssen ihre Zielgruppen kennen und ansprechen können, und sie müssen ihre Leser kennen, um Inhalte auf diese Leser zu konzentrieren und zu justieren."
Jetzt mal im Ernst: Wie hat man sich das vorzustellen? Was wissen die Verlage denn so alles von ihren Lesern, wenn diese die Zeitschrift ganz banal am Kiosk kaufen? Und wenn sie ein Abo eingehen, was weiß der Verlag dann über den Abonnenten? Er kennt die Adresse, die Bankverbindung, vielleicht noch die Telefonnummer. Wie man mit diesen Daten Inhalte auf die Leser hin justieren will, erscheint schleierhaft. Was man damit natürlich machen kann: Abonnenten mit Telefon-Werbung belästigen, gekündigten Abos hinterhertelefonieren, Leuten unaufgefordert Werbepost ins Haus schicken. Aber das meinen die Verlage doch ganz bestimmt nicht, wenn davon gesprochen wird "Inhalte auf den Leser zu konzentrieren und zu justieren"…

Ach, Abmahnungen. Jetzt hat also der Axel Springer Verlag das Bildblog abgemahnt. Etwas über 2.400 Euro soll es die Bildblogger kosten, dass ihnen eine kleine Nachlässigkeit durchgerutscht ist. Aber gab es da nicht diesen führenden Springer-Journalisten, der vor einiger Zeit mit so einem schrillen Blog den ganzen Juristen- und Abmahnwahn der Medien vorgeführt und angeprangert hat? Wie hieß der noch gleich? Auch egal. Das Kurzzeitgedächtnis im Web-Zeitalter ist nicht mehr das beste. Man fragt sich allerdings schon, was Springer mit solchen Aktionen wie der Bildblog-Abmahnung bezweckt. Ein bisschen mehr Souveränität würde dem Großkonzern gut zu Gesicht stehen.

Wo wir gerade bei Souveränität sind, bzw. dem Fehlen derselben: Wenig souverän zeigte sich in dieser Woche der Kika. Der öffentlich-rechtliche Kindersender konnte es sch nicht verkneifen, eine unglückliche Spitze gegen RTLs "Deutschland sucht den Superstar" abzufeuern. In der Wissenssendung "pur+" sollten die "dümmsten Tiere" vorgestellt werden. Aber bevor ein Affe kam, der sich den Finger in den Popo steckte (Bildungsauftrag), zeigt man "aus Versehen" einen kurzen Ausschnitt aus "DSDS" mit einem Bohlen-Spruch. Wie lustig, lieber Kika. Natürlich ist "DSDS" unter dem Gesichtspunkt der Menschenwürde fragwürdig usw. Aber ihr solltet auch mal einen Blick ins eigene Programm werfen. Mit "Dein Song" hat der Kika nämlich auch schon eine eigene Kinder-Casting-Show im Programm gehabt. Von unsäglichen Reality-Dokus für Kinder wie "Von 5 auf 2", bei der Schulversager im gebührenfinanzierten Kinderprogramm öffentlich vorgeführt werden, ganz zu schweigen. Also: Lieber mal das eigene Programm entrümpeln, bevor man mit dem Stinkefinger auf die bösen Privaten zeigt.

Jetzt sieht alles danach aus, als ob das neue Magazin von Stefan Aust irgendwann in diesem Jahr kommt. Und das wäre eine sehr gute Nachricht. Bei allen berechtigten Zweifeln am Gelingen eines solchen Projekts – die Branche hätte endlich mal wieder eine echte neue Zeitschrift, die etwas bewegen will. Kein One-Shot, kein zaghafter Ableger, kein Hochglanz-Lifestyle-Dingsbums, das ein bis zweimal im Jahr erscheint. Kein Produktfriedhof, der sich in vorauseilendem Gehorsam den Anzeigenkunden unterwirft. Der Versuch, ein Magazin für alle Medienkanäle von Grund auf zu entwickeln, eine etwas leichtgewichtigere Variante vom Spiegel mit neuen Ideen und hochwertigen Inhalten – das hätte doch was. Das Aust-Magazin ist sicher das spannendste Print-Projekt in diesem Jahr.

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