Relaunch: Abendblatt wird Tagesmagazin

Ein weiterer Baustein der 3.0-Strategie des Chefredakteurs: Ab Montag erscheint das von Claus Strunz verantwortete Hamburger Abendblatt in einer überarbeiteten Version. Klarer, übersichtlicher und geordneter soll die Regionalzeitung daherkommen und zudem mehr Tiefgang und Meinung sowie eine bessere Orientierung über die Metropolregion bieten. Äußere Erkennungszeichen sind das durchgängig sechsspaltige Layout sowie die Aufwertung der Kultur, die nun auf Kosten von Sport und Vermischtem ein eigenes Buch erhält.

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"Online steht, was passiert, im Print steht, was es bedeutet" – nach dieser Devise soll die Redaktion künftig Nachrichten und Themen sortieren und die verschiedenen Kanäle "bespielen". Ziel ist es, das Abendblatt zum "Tagesmagazin" zu machen, das einerseits hintergründig informiert, andererseits aber auch eine diskussionsfreudige Meinungsplattform ist. Auch wenn mit dem Relaunch ausdrücklich kein Auflagenziel verknüpft ist, soll der Relaunch die zuletzt überproportional sinkenden Verkäufe stabilisieren. Verlagsgeschäftsführer Frank Mahlberg ist überzeugt: "Das Abendblatt hat kein Lesermarkt-Problem, ganz im Gegenteil." Und er verweist darauf, dass man die Vertriebserlöse durch Copypreis-Erhöhung im ersten Quartal 2010 gegenüber dem Vorjahr sogar steigern konnte: "Das Hamburger Abendblatt ist wirtschaftlich kerngesund."

Dennoch steht mit dem Relaunch auch die Gewinnung neuer Leser auf dem Strategiepapier. So soll Haushalten, die das Abendblatt noch nicht abonniert haben, die erste Ausgabe kostenlos ins Haus gebracht werden, "damit die sich selbst ein Bild machen können" (Mahlberg). Im Fokus stehen dabei die Neu-Hamburger: rund 45.000 Haushalte mit insgesamt 100.000 Menschen siedeln sich jedes Jahr in der Metropole und der unmittelbaren Umgebung an – High Potentials für die Abo-Generierung.
Überzeugt werden sollen die Leser durch eine Zeitung, die moderner daherkommen soll als Wettbewerber. Geblieben sind Logo und die Sonderfarbe Grün. Doch bei den Details gibt es etliche optische Reformen. Die Schriften sind neu, die Teaser-Kästen unter dem Abendblatt-Schriftzug auf Seite eins sind verschwunden, was dem Logo mehr Präsenz und einen eleganteren Eindruck macht. Die tägliche Kolumne "Menschlich gesehen" wurde von unten links nach ganz oben befördert. Ab sofort, so das Verdikt der Chefredaktion, erhalten Kommentierungen und Kolumnen einen noch höheren Stellenwert. Schon auf der Seite 2 findet sich ein ausführlicher Meinungs- und Analyse-Teil.

Größter Gewinner des Relaunches ist die Kultur, die künftig ein eigenes Buch bekommt, das in der Abfolge an dritter Stelle erscheint. Politik, Hamburg, Kultur und Wirtschaft – das sind die Schlüsselressorts des neuen Abendblatts. Sport und Vermischtes sollen vom Umfang her gleich bleiben, müssen sich aber mit hinteren Plätzen in der Heftstruktur vorlieb nehmen.
Zum Relaunchtermin startet auch eine große Serie. Unter dem Motto "Kinder in Hamburg" werden Redakteurinnen und Redakteure über vier Wochen lang aus ihrem eigenen Leben berichten, flankiert von Service-Rubriken zu den jeweiligen Themen.

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