Fragezeichen um die Wunderloop-Pleite

Die plötzliche Zahlungsunfähigkeit des Targeting-Spezialisten Wunderloop hat die Online-Werbebranche überrascht und irritiert. Wunderloop galt als Vorzeige-Unternehmen mit guter Technik und beeindruckender Kundenliste. Auch das Joint Venture AdAudience von G+J EMS, IP Deutschland, SevenOne Media und Tomorrow Focus setzt auf Wunderloop. Darüber hinaus arbeiten Interactive Media, AOL und die Bauer Media Group mit der Software. Rund um die Pleite tun sich viele Fragen auf.

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Wegen der plötzlichen Insolvenz von Wunderloop ist man in den Häusern, die die Technik der Hamburger einsetzen, hochnervös. Offiziell gibt es beruhigende Stellungnahmen. Frank Herold, der von IP Deutschland kommende Geschäftsführer von AdAudience sagt, so lange gewährleistet sei, dass Kampagnen zuverlässig ausgeliefert werden, würde man weiter mit Wunderloop zusammenarbeiten. "Wir gehen derzeit davon aus, dass Wunderloop zeitnah ein Konzept umsetzt, das die Zukunft des Unternehmens sicherstellt", so Herold gegenüber MEEDIA. Ins gleiche Horn stößt Arne Wolter, Geschäftsführer von G+J EMS, die ebenfalls an AdAudience beteiligt sind: "Für das aktuelle Tagesgeschäft hat die Insolvenz erst einmal keine Auswirkungen."

Hinter vorgehaltener Hand äußern Mitarbeiter der an AdAudience beteiligten Häuser aber sehr wohl Sorge, wie es mit dem Joint Venture weitergehe, falls mit Wunderloop das technische Rückgrat ausfalle. Das ganze ist ein Szenario, mit dem offenbar niemand gerechnet hatte. Die Insolvenz kam wie aus heiterem Online-Werbehimmel. Die Folgen der Wunderloop-Pleite könnten noch weit über das Verlags- und TV-Joint-Venture AdAudience hinausgehen.

Auch der Telekom Online-Vermarkter Interactive Media setzt Wunderloop-Technik ein, ebenso die Bauer Media Group und AOL. Große Teile der Online-Werbung in Deutschland werden mit Hilfe von Wunderloops Software ausgeliefert. Der Branchenriese United Internet Media wollte seine hauseigene Targeting-Technik TGP mit der von Wunderloop sogar verschmelzen und sich über die Muttergesellschaft an der Firma beteiligen. Wunderloop-CEO Torsten Ahlers sagte gegenüber Medien, dass auch die Telekom über ihre Beteiligungstochter T-Ventures Interesse an einer Beteiligung habe. Bei T-Ventures will man sich dazu grundsätzlich nicht äußern. In Medien ist zu lesen, eine Beteiligung neuer Investoren hänge nur noch an der Zustimmung des Kartellamts. Doch das ist offenbar falsch. UIM-Sprecherin Nadja Elias gegenüber MEEDIA: "Die Beteiligung von United Internet an Wunderloop war und ist nicht Gegenstand kartellrechtlicher Prüfungen." Elias betont aber, dass es nach wie vor Ziel von UIM sei, die eigene Targeting-Software TGP im deutschen Markt zu öffnen. "Dazu sind wir auch für weitere Gespräche mit wunderloop offen." Auch eine mögliche Beteiligung von T-Ventures oder einer anderen Telekom-Tochter wird in den laufenden Verfahren des Kartellamtes nicht gelistet.

Es bleiben viele Fragezeichen bei der plötzlichen Insolvenz von Wunderloop. Warum waren die bisherigen Investoren Klaus Hommels, Michael Kleindl sowie die Hexal-Gründer Andreas und Thomas Sprüngmann nicht bereit, die überschaubare Zwischenfinanzierung von gut einer Mio. Euro zu leisten? Warum geht einem Unternehmen mit derart beeindruckendem Kundenstamm wie Wunderloop so plötzlich und unerwartet das Geld aus? Warum ist die Beteiligung von United Internet, die bereits im Herbst vergangenes Jahr angekündigt wurde, noch immer nicht vollzogen? Woher kommen die falschen Verweise auf kartellrechtliche Probleme, obwohl die Beteiligungen offenbar dem Kartellamt gar nicht zur Prüfung vorliegen?

Ahlers und sein Team stehen unter Druck, möglichst schnell neue Investoren und eine tragfähige Finanzierung zu präsentieren, damit seine Kunden nicht noch nervöser werden als sie es ohnehin schon sind. Neben einem Einstieg bereits der bereits gehandelten strategischen Investoren UIM und T-Ventures steht plötzlich auch ein Verkauf der Wunderloop-Technik zur Debatte. Doch an wen, welche Ziele verfolgt ein potenzieller Käufer und was bedeutet dies für laufende Verträge? Die beteiligten Firmen und Wunderloop-Kunden dürften mit Argusaugen die weiteren Vorgänge bei der einstigen Vorzeigefirma beobachten.

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