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„Das Abendblatt ist eine Norddeutsche“

Frischzellenkur für das Hamburger Abendblatt: Mit einem umfassenden Relaunch soll Springers ertragsstarke Metropolzeitung für die Zukunft fit gemacht werden. Neues Layout, mehr Meinung und Tiefgang lautet dabei die Devise von Chefredakteur Claus Strunz. Ab Montag startet mit dem überarbeiteten Abendblatt auch die aufwändige Serie "Kinder in Hamburg", mittels derer neue Käuferschichten gewonnen werden sollen. Der 43-Jährige Blattmacher spricht im MEEDIA-Interview über die Ziele des Relaunches.

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Was war Ihr Motiv bei der Neugestaltung?
Der Relaunch ist ein weiterer Schritt im Rahmen der Strategie Abendblatt 3.0, die Zeitung auf allen Kanälen zu bespielen und damit langfristig ein Markenabo zu schaffen. Wir haben die traditionellen Elemente behutsam modifiziert und der Zeitung, die künftig durchgängig  im Sechs-Spalten-Layout erscheint, eine klare Struktur und Gliederung gegeben.
Wie grenzen Sie die Zeitung vom Web-Portal Abendblatt.de ab?
Online steht, was passiert, im Print steht, was es bedeutet.
Seit langem verzeichnet das Hamburger Abendblatt eine stetig sinkende Auflage.  Kann der Relaunch das ändern?
Wir relaunchen nicht, um die Auflage ins Plus zu drehen, sondern um eine erfolgreiche Traditionsmarke weiterzuentwickeln. Wir wollen neue Leser für das Abendblatt begeistern und haben vor allem die Zukunftszielgruppe der Neu-Hamburger im Fokus. Jedes Jahr siedeln sich rund 45.000 Haushalte mit rund 100.000 Menschen neu in der Stadt und der Umgebung an.
Was bietet das Abendblatt den potenziellen Neu-Käufern?
Mit dem Relaunch entwickelt sich die Printausgabe zum Tagesmagazin. Als erste Regionalzeitung präsentiert das Hamburger Abendblatt schon auf der zweiten Seite einen ausführlichen Meinungs- und Analyseteil, wird analytischer und geht schneller in die Tiefe.
Man sagt Ihnen nach, dass Sie das Abendblatt qualitativ auf Augenhöhe mit FAZ und Süddeutscher sehen. Ist das nicht etwas verwegen?
Ich habe nie behauptet, dass wir die Süddeutsche des Nordens schaffen werden. Angesichts dessen, was das Abendblatt kann und leistet, lohnt es sich aber, dies auch mal zu benennen. Natürlich ist das Abendblatt eine ‚Norddeutsche‘ – auch mit Blick auf den wirtschaftlichen Erfolg. Wir sind von der journalistischen Qualität und Relevanz her das im Norden, was die FAZ im Rhein-Main-Gebiet und die Süddeutsche im Süden ist.
Wie haben die Testleser die Relaunchseiten beurteilt?
Die Leserreaktionen auf das Relaunch-Konzept waren äußerst positiv. Aber die Leute haben uns auch kritisches Feedback mit auf den Weg gegeben, das wir in der neuen Zeitung umgesetzt haben.
Wie sehen Sie denn die generelle Situation auf dem Zeitungsmarkt?
Viele Printtitel haben selbst ihren Teil dazu beigetragen, dass ihr Image heute so old-fashioned ist, indem sie heute die Nachrichten mit der Überschrift von gestern verbreiten.
Auch das Abendblatt hat nicht überall den besten Ruf und wird als "Alte Tante" verspöttelt.
Das Image "Alte Tante" Abendblatt ist doch ein Kompliment. Wir wollen aber nicht nur die Freunde der alten Tante, sondern auch die der jungen Cousinen erreichen.
Die Kultur bekommt nun ein eigenes Buch. Ist Ihnen das Thema besonders wichtig?
Hamburg ist eine große und wie ich finde bedeutende Kulturstadt. Wir haben uns hier klar positioniert: Kultur ist uns extrem wichtig und bekommt mit dem Relaunch ein eigenes Buch als Bühne für unsere renommierten Kulturredakteure. Das Abendblatt definiert sich so: Wir sind die große Hamburger und norddeutsche Zeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft.
Der Relaunch ist für Sie ein Meilenstein. Was kommt danach?
Nach der Neuordnung des Newsrooms, dem Online-Relaunch mit Einführung des Abo-Modells bei Abendblatt.de und der Neugestaltung der Printausgabe ist das übergreifende Markenabo-Versprechen die zentrale Aufgabe.

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