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IVW: Zeitungsauflagen auf neuem Tiefpunkt

Die Auflagenkrise der Tageszeitungen verschärft sich: Keine einzige der ca. 40 wichtigsten Regionalzeitungen konnte im ersten Quartal 2010 ihre IVW-Zahlen bei den Abos und im Einzelverkauf verbessern. Ähnlich das Bild bei den überregionalen Blättern: Nur die Süddeutsche Zeitung konnte hier zulegen, alle anderen büßten Käufer ein. Besonders bitter sah es im ersten Quartal für das Handelsblatt und die FTD aus, bei den Regionalzeitungen gab es vor allem in Berlin ein fettes Minus.

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Beginnen wir unsere traditionelle Reise durch die Zeitungs-Auflagen wie immer in Berlin. Die Bundeshauptstadt wird auch immer mehr zur Hauptstadt der Zeitungskrise. So verloren die großen fünf Blätter allesamt zwischen 4,5% und 7,7% ihrer Vorjahres-Verkäufe. Eine bittere Entwicklung ohne positive Ausnahme. Zwar bauten Berliner Zeitung, Tagesspiegel und Berliner Morgenpost jeweils über 5.000 sonstige Verkäufe ab, doch auch ohne diese Maßnahme lägen alle drei Titel deutlich im Minus. Besonders bitter ist die Lage diesmal beim Berliner Kurier, der 7,4% seiner verkauften Auflage einbüßte und im für Boulevardblätter besonders wichtigen Einzelverkauf sogar um 10,3% nach unten fiel.

Nicht ganz so dramatisch, aber dennoch eindeutig ist die Lage in den anderen fünf östlichen Ländern. Hier gab es Auflagen-Verluste von 1,7% bis 4,0%. Relativ glimpflich davon gekommen sind mit dem Minus von 1,7% die Ostsee-Zeitung und die Leipziger Volkszeitung, am deutlichsten verloren haben die Freie Presse (-3,3%), die zur WAZ gehörende Zeitungsgruppe Thüringen (-3,5%) und die Mitteldeutsche Zeitung (-4,0%). Hier der Blick auf den ersten Teil unserer Auflagen-Reise:

Etwas besser sieht es im Norden der Republik aus. Auch hier gibt es zwar überall nur Verlierer, doch die Nordwest-Zeitung/Zeitungsregion Nordwest büßte beispielsweise nur 0,2% ein. Auch der Weser-Kurier (-0,8%), die Neue Osnabrücker Zeitung, die Lübecker Nachrichten und die Kieler Nachrichten verloren weniger als 2%. Die sh:z aus Flensburg gewann auf den ersten Blick sogar an Auflage, allerdings kam das Auflagen-Plus von 3,9% einzig durch die Übernahme der Elmshorner Nachrichten zustande. Ohne die 9.925 Verkäufe des Blattes läge auch die sh:z im Minus.

Kompliziert wird die Lage in NRW. Hier gibt es oberflächlich betrachtet einen großen Gewinner und einen großen Verlierer. Die Rheinische Post büßte demnach fast 27.000 Verkäufe (7,0%) ein, die Zeitungsgruppe Münsterland gewann 20.510 (9,8%) hinzu. Der Grund ist bei beiden Entwicklungen der gleiche: Das Bocholter Borkener Volksblatt wechselte die Fronten und wird seit dem ersten Quartal 2010 nicht mehr zur Rheinischen Post, sondern zur Zeitungsgruppe Münsterland hinzugerechnet. Ohne die 23.527 BBV-Verkäufe läge auch die ZGM im Minus, die Rheinische Post hätte ohne den Abgang ebenfalls verloren, allerdings natürlich nicht so heftig. Ein heftiges Minus muss hingegen erneut die WAZ erdulden: Weitere 46.310 Käufer kehrten den Blättern der Mediengruppe den Rücken – ein drastischer Verlust von 5,4%. Die WAZ führt die Verluste zum Teil auch auf das Schließen der Lokalausgaben in Soest, Hilden und Werl zurück. Doch auch ohne diesen Sondereffekt hätte es ein deutliches Minus gegeben.

Weiterhin am besten sieht es für die Zeitungsbranche im Süden Deutschlands aus. So gibt es mit der Rhein-Zeitung aus Koblenz (-2,5%) und dem Duo Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten (-3,9%) nur zwei Kontrahenten in unserer Übersicht, die mehr als 2% verloren haben. Die Südwest Presse büßte hingegen nur 0,9% ein, der Münchner Merkur 1,0%. Die Schwäbische Zeitung gewann bei der Gesamtauflage sogar, doch betrachtet man nur die härteren Auflagenteile Abos und Einzelverkauf, dreht die Entwicklung auch hier ins Minus. Der Grund für das Gesamt-Plus: Die Schwäbische Zeitung hat die sonstigen Verkäufe um etwa 2.600 Exemplare angehoben.

Von den Regionalzeitungen zu den überregionalen Titeln. Hier gab es den einen, eingangs erwähnten echten Gewinner des Quartals: Die Süddeutsche Zeitung gewann 839 Käufer hinzu, ein Mini-Plus von immerhin 0,2%. Zwar verlor man bei den Abos 0,2%, doch der Einzelverkauf rettete mit einem Zuwachs von 4,2% die Gesamtzahl ins Positive. Das Plus der taz ist hingegen kein hartes Plus, sondern kam durch 834 zusätzliche sonstige Verkäufe zustande. Ohne diese Maßnahme läge die taz – wenn auch nur minimal – im Minus.

Unschön sieht es für die F.A.Z. aus: So gab es nur durch 6.400 zusätzliche Bordexemplare ein recht geringes Gesamtminus. Die Abos gingen aber um 2,0% zurück, der Einzelverkauf sogar um 5,3%. Deutliche Minuszeichen müssen die Springer-Blätter Bild (-4,5%) und Welt/Welt kompakt (-4,8%) verkraften. Das Welt-Duo verlor vor allem im Einzelverkauf dramatisch. Dort ging die Auflage um 14,8% zurück. Die Verlierer des Quartals heißen allerdings Handelsblatt und FTD. Zwar sehen die Entwicklungen der beiden Blätter im Gesamtverkauf sehr unterschiedlich aus, doch das liegt vor allem am FTD-Zuwachs bei sonstigen Verkäufen und Bordexemplaren. In den für alle Zeitungen wichtigsten Auflagenkategorien Abo und Einzelverkauf verloren beide Blätter heftigst: Dem Handelsblatt gingen 7,8% der Abonnenten und 13,3% der Kiosk-Käufer abhanden, der Financial Times Deutschland sogar 7,9% der Abonnenten und 15,9% der Einzelverkäufe.

Bei den Wochenzeitungen sieht es wieder einmal etwas besser aus als bei den Tageszeitungen – zumindest bei drei Titeln. So verlor Die Zeit zwar diesmal, aber nur 0,5%, Welt am Sonntag und Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung gewannen hingegen echte 0,1% und 1,9%. Bei der Welt am Sonntag kam das allerdings durch einen etwas seltsamen Abo-Zuwachs von 91,2% zustande. Wo die neuen 25.000 WamS-Abonnenten plötzlich herkommen, weiß wohl nur der Axel-Springer-Verlag. Großer Verlierer ist der Rheinische Merkur, der vor allem bei den Abos 25,5% verlor.

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