ARD blamiert sich mit Vulkan-Special

Ein 45 Minuten-Special nach der "Tagesschau": Mit dem Extra-Stück "Im Schatten des Vulkans" wollte die ARD am Montagabend punkten und erreichte genau das Gegenteil. Denn statt das Thema des Tages aufzugreifen, verzettelte man sich im Nebensächlichen und Altbekanntem. Statt auf den in allen Medien heißdiskutierten Konflikt um die Lockerung des Flugverbots und deren Risiken einzugehen, interviewte die NDR-Redaktion den eigenen Wetterfrosch. Eine öffentlich-rechtliche Blamage zur besten Sendezeit.

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Die scharfe Kritik der Pilotenvereinigung Cockpit, die vor einem "Fliegen um den Preis der Sicherheit" gewarnt und den Behörden vorgeworfen hatte, die Verantwortung für mögliche Zwischenfälle "auf dem Rücken der Piloten auszutragen", fand in dem ARD-Extra überhaupt nicht statt. Auch die Tatsache, dass das Flugverbot gelockert wurde, bevor überhaupt meteorologische Messwerte von Wetterballons vorliegen, löste offenbar keinen Recherche-Impuls aus – ebensowenig die schon groteske Anordnung, dass Jets nach Sichtflugregeln gesteuert werden sollen.
Jörg Handwerg, Sprecher von Cockpit, sagt dazu: "Entweder ist es sicher zu fliegen oder nicht. Das ist doch ein Rumgeeiere, keiner will Verantwortung übernehmen." Auf solche O-Töne wartete man im Vulkan-Special vergeblich. In der von Susanne Stichler moderierten Sendung war stattdessen viel Vulkan und Asche zu sehen – die üblichen, seit Tagen bekannten Themen. "Nicht ganz aktuell" sagt Handwerg zurückhaltend über den Beitrag und nimmt den Sender in Schutz: "Da ging am Ende wohl die Zeit aus."
Eine vertane Chance, den öffentlich-rechtlichen Qualitätsanspruch beim Nachrichtenthema Nummer eins zu untermauern. Entsprechend mau fiel die Quote aus. Im Gegensatz zu den kompakten ARD-"Brennpunkten" war "Im Schatten des Vulkans" ein Abschalter. Lediglich 2,95 Millionen Zuschauer oder 9,4 Prozent des Gesamtpublikums verzeichnet die Quotenstatistik; die "Tagesschau" hatte unmittelbar davor noch 5,4 Millionen Zuschauer und 19,4 Prozent.
Dennoch mussten ARD-Zuschauer am Montagabend auf das aktuelle Thema in der Hintergrundberichterstattung nicht ganz verzichten. Cockpit-Sprecher Handwerg war Gast bei "Beckmann", und für diese Sendung lief es denn auch sehr ordentlich: Mit 12,8 Prozent verzeichnet die Talkshow den höchsten ARD-Marktanteil des gesamten Abends ab 20.15 Uhr.

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