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Wie die CIA die Medien manipulieren will

Schon wieder sorgt ein brisantes Dokument auf dem Enthüllungs-Portal Wikileaks für Diskussionen. Nach dem Schock-Video, das zeigte, wie US-Soldaten Zivilisten im Irak aus der Luft erschossen, macht nun ein als vertraulich eingestuftes Strategiepapier der CIA die Runde. Dabei geht es um Maßnahmen, die die "kriegsmüde" Bevölkerung europäischer Bündnispartner von der Wichtigkeit des Afghanistan-Einsatzes überzeugen sollen. Grünen-Politiker Malte Spitz sieht nun die Bundesregierung in der Pflicht.

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Spitz, Mitglied des Grünen-Bundesvorstandes, fordert von der Regierung Merkel, "eine neutrale Berichterstattung über das Vorgehen in Afghanistan sicherzustellen und auch den USA deutlich zu machen, dass weder Einmischungen durch selektive Informationen noch manipulative Bearbeitung von Personen geduldet wird." Darüber hinaus sei es nicht neu, dass Regierungen darauf bedacht sind, ausländische Medien zu beeinflussen, so Spitz "die Qualität, die durch die Veröffentlichung auf Wikileaks dokumentiert wird, aber schon".
Im vertraulichen vierseitigen Schreiben redet die CIA-Unit Red Cell nicht lang drumherum. Das Ziel ihrer PR-Offensive wird schon in der Überschrift klar formuliert: "Afghanistan: Die Aufrechterhaltung der westeuropäischen Unterstützung für den NATO-Einsatz- Warum es nicht reicht, sich auf die Gleichgültigkeit zu verlassen." Das besagte Strategie-Papier wurde am 11. März dieses Jahres aufgesetzt und stammt von der so genannten "Roten Zelle" der CIA, also der Abteilung, die für "alternative Lösungsansätze" verantwortlich ist.
Das eigentlich streng geheime Dokument enthüllt eine penibel auf Deutschland und Frankreich zugeschnittene Public-Relations-Strategie. Es werden Studien vorgelegt, deren Ergebnisse die USA missmutig gestimmt haben dürften, denn daraus lässt sich eindeutig ablesen, dass ein Großteil der Deutschen den Afghanistan-Einsatz als "Verschwendung öffentlicher Mittel" ansieht. Die CIA äußert sich in dem "Red Cell Special Memorandum" besorgt über das schwindende Verständnis der deutschen Bürger für den ISAF-Einsatz: "Sollte es zu einem blutigen Sommer in Afghanistan kommen, könnte die passive, ablehnende Haltung der Deutschen und Franzosen gegenüber dem ISAF-Einsatz in aktive, politisch schwerwiegende Feindlichkeit umschwingen."
Weiter heißt es: "Der Optimismus der Afghanen bezüglich der Fortschritte im eigenen Land muss verstärkt betont" werden um Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Einsatzes aus dem Weg zu räumen. Besonders pikant: Auch die Ängste der Deutschen sollen PR-strategisch genutzt werden. So müsse man deutschen Kriegs-Kritikern vermitteln, dass im Falle eines Abzugs aus Afghanistan, der internationale Drogenhandel Überhand nehmen würde. Des Weiteren müsse Deutschland dann mit einer Flüchtlingswelle aus Afghanistan rechnen und mit erhöhter Terrorgefahr im eigenen Land.
Als idealer Transporteur der PR-Inhalte könnte "die afghanische Frau dienen, um die stabilisierende Rolle der ISAF zu verdeutlichen." Diese könnte aus persönlicher Erfahrung sprechen und besonders authentisch ihre Angst vor den Taliban vermitteln. Bestenfalls sollten solche Testimonials afghanischer Frauen auf einem Programm gesendet werden, dass einen "überdurchschnittlichen Anteil weiblicher Zuschauer" hat.

Die PR-Strategie der CIA lautet demnach in Kurzform: Den gefährlichen Kriegseinsatz als humanen "Stabilisierungsakt" schönzeichnen und gleichzeitig negative Folgen eines Afghanistan-Abzugs möglichst dramatisch darstellen. Das Informationsportal "The Intelligence" spricht in diesem Zusammenhang von einer "Gehirnwäsche-Aktion". Laut Tagesschau.de lehnte die CIA selber bisher jede Stellungnahme ab.
Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes verloren 43 deutsche Soldaten ihr Leben. Eine aktuelle Forsa-Umfrage belegt, dass 62 Prozent der Deutschen einen sofortigen Abzug aus Afghanistan begrüßen würden. Nie zuvor fand der Afghanistan-Einsatz in Deutschland so wenig Unterstützung wie derzeit.

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