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Bauer UK: Ärger bei Musik-Magazinen

Misstöne bei Bauers Musikmagazinen in Großbritannien. Bauer Media verlegt dort die Musikzeitschriften Q, Kerrang! und Mojo. Laut einem Bericht des Guardian haben nun rund 200 freie Mitarbeiter der Titel in einer Petition angedroht, die Arbeit niederzulegen. Grund: Bauer fordert von Freien die Unterzeichnung von neuen Arbeitsverträgen. Die Vermarktungsrechte würden damit komplett auf den Verlag übergehen, das Risiko von Rechtskosten würde an Fotografen und Autoren hängenbleiben.

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Q, Kerrang! und Mojo sind drei etablierte und geachtete Institutionen der britischen Musikpresse. Q deckte alle wesentliche Aspekte moderner Pop- und Rockmusik ab. Mojo ist eher älter positioniert und befasst sich mit klassischer Rockmusik, Kerrang! ist eine Hardrock- und Heavy-Metal-Zeitschrift. Alle drei Titel werden zu einem großen Teil mit den Werken von freien Autoren und Fotografen bestückt. Bisher gab es keine bis sehr liberale Urheberrechtsregelungen. Das Copyright für Texte und Fotos blieb bei den Autoren und Fotografen.

Dies soll künftig anders werden. Bauer Media verlangt in neuen Arbeitsverträgen, dass das Copyright und exklusive, internationale Vermarktungsrechte auf den Verlag übergehen. Das Risiko von Rechtskosten im Falle von Klagen würde aber in vollem Umfang bei den Autoren und Fotografen bleiben. Der Guardian zitiert den Mojo-Mitarbeiter Angus Batey mit einem Beispiel, was dies bedeuten könnte: "Q kann einen Fotografen zu U2 schicken, die Bilder drucken und sogar für Merchandise-Artikel, wie T-Shirts, verwenden, die vor U2-Konzerten verkauft würden. Würde die Band dann wegen Copyright-Verletzungen klagen, müsste der Fotograf für die Kosten beider Parteien aufkommen."

Stuart Williams, Director der Music and Film Division von Bauer Media, hält dagegen und betont, dass der Verlag sich in der Vergangenheit stets hinter seine freien Mitarbeiter gestellt habe. Auch bei verlorenen Prozessen habe man die Rechtskosten voll übernommen. Die neue Klausel soll den Verlag aber vor "schlampigem Journalismus" schützen. Solche Freistellungs-Klausen sind im Buch-Geschäft bereits gang und gäbe, im Magazin-Journalismus allerdings ein Novum. Angeblich arbeiten bereits viele englische Verlage an ähnlichen neuen Regeln wie Bauer Media.

Laut Bauer-Mann Williams geht es bei den neuen Rahmenbedingungen vor allem darum, das Geschäft erweitern zu können. So sei es wegen fehlender Copyright-Regelungen bisher unmöglich, zum Beispiel von Q internationale Ausgaben herauszubringen. Auch die Weiterverwendung von Inhalten auf neue Ausgabe-Geräte wie das iPad könnte eine Rolle spielen. Angeblich plant Bauer, die neuen Regeln auch bei anderen Magazinen in Großbritannien, wie Grazia oder FHM, einzuführen. Laut Verlag sind längst nicht alle Unterzeichner der Petition tatsächlich regelmäßige Mitarbeiter bei den Bauer-Musikzeitschriften. Viele hätten die neuen Regeln zudem schon unterzeichnet und man sei zuversichtlich, weiterarbeiten zu können. Das Ultimatum für die Unterschrift lief Ende vergangener Woche aus. Rock-Fotograf Kevin Westenberg sagte zum Guardian: "Entweder man unterschreibt und ist ein Sklave – oder man unterschreibt nicht." Das letzte Wort in der Auseinandersetzung ist wohl noch nicht gesprochen.

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