re:publica 2010: Von Trollen und Penissen

Erster Tag der Internet-Konferenz re:publica in Berlin. Wenn sich 2500 Teilnehmer aus der Dot.com-Branche versammeln, um über die neusten Web-Trends zu diskutieren, sollte eine Voraussetzung erfüllt sein: Das Netz steht. Stand es aber nicht, der WLAN-Spot war über weite Strecken unbenutzbar. Andere Kuriositäten: Jeff Jarvis spricht über Penisse und Privatheit, Sascha Lobo über den Umgang mit Trollen. Eine Twitterlesung gab es auch noch. Die Randnotizen der re:publica 2010.

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Erster Tag der  Internet-Konferenz re:publica in Berlin. Wenn sich 2500 Teilnehmer aus der Dot.com-Branche versammeln, um über die neusten Web-Trends zu diskutieren, sollte eine Voraussetzung erfüllt sein: Das Netz steht. Stand es aber nicht, der WLAN-Spot war über weite Strecken unbenutzbar. Andere Kuriositäten: Jeff Jarvis spricht über Penisse und Privatheit, Sascha Lobo über den Umgang mit Trollen. Eine Twitterlesung gab es auch noch. Die Randnotizen der re:publica 2010.
Es war alles angerichtet. Ganze Blogger-Busse rollten von Hamburg nach Berlin,  2500 Teilnehmer wurden erwartet, um an 165 Veranstaltungen mit rund 160 Stunden teilzunehmen. Dumm nur, wenn dann die Grundausstattung nicht funktioniert: Das versprochene WLAN fiel fast den ganzen Tag über aus.
Dank iPhone und Surfstick wurde trotzdem gezwitschert, was der Akku hergab. "Sehe ich das richtig? Ihr hackt alle stumm in eure Handys, während vorne einer erzählt, wie kommunikativ ihr seid?", brachte ein Teilnehmer die vermeintliche Essenz des Kommunikations-Events auf den Punkt – natürlich selbst via Twitter. "Hunderte Schwervernetzte", kommentierte ein anderer mit gewissem Wortwitz.

Typisch deutsch:  Jeff Jarvis erklärt das Penis-Paradoxon
Für zitierfähige Akzente sorgten indes auch die Referenten selbst. "Germans care deeply about the privacy of everything but their private parts", erklärte des Headliner der Veranstaltung, Jeff Jarvis. Oder andersherum formuliert: Nackt in der Sauna sitzen und jedem seine Geschlechtsteile zeigen, damit haben wir kein Problem – wohl aber Angst vor einem Google-Auto, das Straßenzüge mit angezogenen Menschen fotografiert.
Welche realen Probleme durch öffentliche Präsenz entstehen können, machte Alpha-Blogger Sascha Lobo am Abend im bemerkenswerten Vortrag "How to survive a shitstorm" deutlich. Lobo, der in den vergangenen Jahren durch gewagte Auftritte und mediale Omnipräsenz zur Social Media-Ikone aufgestiegen war, thematisierte erstmals öffentlich die Kehrseiten des Ruhms. 

Sascha Lobo: Vom Umgang mit Trollattacken
Das Berliner Internet-Urgestein demonstrierte zwar lässig, wie er mit gezielten Attacken von anonymen Internet-Gegnern, den Trollen, umzugehen weiß, ein seltsamer Beigeschmack blieb jedoch. Lobo, der noch im Sommer als glänzender Vodafone-Werbeträger auffiel, lauert im Winter im Treppenhaus seiner Wohnung Trollen auf, die ihm Klingelstreiche spielen und aufs Übelste beschimpft haben. Das Ergebnis sind Trollfotos
Die Episode ist war lustig erzählt, ein gewisser Untertton der Bitterkeit über die gezielten anonymen Pöbel-Attacken war jedoch herauszuhören. Dass Lobo eigentlich Kommunikations-Techniken im Umgange mit dem „Shitstorm“ erläuterte, geriet da zur Nebensache, auch wenn der 34-Jährige in seinem launigen Vortrag die Lacher auf seiner Seite hatte.

Gelacht um des Lachens Willen wurde in der abschließenden Twitterlesung dann auch wieder. Ein regelrechtes Twitter-Allstar-Team, ergänzt um Jeff Jarvis, Thomas Knüwer und Sascha Lobo selbst, rezitierte vor einem dankbaren Publikum Kleinod-Versuche auf 140 Zeichen und rehabilierte sich damit für das Debakel der Lesung auf der Next im vergangenen Jahr.  

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