re:publica 2010: Klassentreffen der Blogger

Heute ist es so weit: Bereits zum vierten Mal findet die re:publica in Berlin statt. Wenn man der Aufgeregtheit in Twitter Glauben schenken darf, ist die dreitägige Internet-Konferenz das Highlight des Jahres - was nicht zuletzt daran liegt, dass die re:publica eine Veranstaltung der Blogger und nicht führender Dot.coms oder Technologiekonzerne ist. Im Zeitalter des digitalen Überangebots im Echtzeitweb geht es dieses Jahr vor allem um Selbstfindung, wie schon das Motto der Veranstaltung suggeriert: "nowhere".

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Heute ist es soweit: Bereits zum vierten Mal findet die re:publica in Berlin statt. Wenn man der Aufgeregtheit in Twitter Glauben schenken darf, ist die dreitägige Internet-Konferenz das Highlight des Jahres – was nicht zuletzt darin liegt, dass die re:publica eine Veranstaltung der Blogger und nicht führender Dot.coms oder Technologiekonzerne ist. Im Zeitalter des digitalen Überangebots im Echtzeitweb geht es dieses Jahr vor allem um Selbstfindung, wie schon das Motto der Veranstaltung suggeriert: "nowhere".

Am Anfang war der Tagebucheintrag. Bereits aus der Antike sind Notizen über Marktpreise, Wasserstände und Wetterverhältnisse überliefert. Mehr als zwei Jahrtausende später hat die Gattung nichts an ihrer Relevanz eingebüßt – im Gegenteil: Thomas Mann tat es, Max Frisch tat es, Martin Walser tut es bis heute – und mit ihm selbst die junge Schriftstellergarde um Clemens Meyer.

Keine Frage: Die Selbstbespiegelung ist eine beliebte literarische Tradition, die in den vergangenen zehn Jahren durch den Siegeszug des Internets eine ganz neue Relevanz erfahren hat: Die Blogs (Kurzform des ‚Web-Logs‘, deutsch: Internet-Tagesbuch), sind zum eigenen Genre herangewachsen, das den Journalismus gehörig aufgemischt hat.

Zumindest in USA, wo Tech-Blogger Robert Scoble oder Blog-Aggregatorin Arianna Huffington zum Wirtschaftsfaktor geworden sind. In Deutschland – lange Zeit nichts. Natürlich, es gab die "Blogbar" und ihren streitbaren Macher Don Alphonso, es gab Popkultur-Blogs wie "Spreeblick" und Medienblogs wie Stefan Niggemeiers "Bildblog". Und es gab die unendlichen Kleinod-Versuche "jenseits von Relevanz und Reichweite", wie etwa der Hamburger Blogger André Krüger seinen eigenen Anspruch beschreibt.  

Generation Twitter und Foursquare: Selbstmitteilung 2.0

Dann kam die zweite Welle der selbstreflexiven Mitteilungsform in der Internet-Ära. Sie kam mit der Verbreitung der Smartphones und vor allem des Mikroblogging-Dienstes Twitter. Eigentlich war Twittern das neue Bloggen. Was vorher in langen Beiträgen in den Weiten des WWW ohne Leser unterging, konnte plötzlich verbreitet werden – als Link oder vor allem aber als eigene Kunstform.

Diese 140 Zeichen wurden schnell zum inoffiziellen Wettkampfterrain unter Möchtegern-Harald-Schmidt-Sprücheschreibern. Vor allem aber ist es seit iPhone und Foursquare die schnellste und direkteste Mitteilungsform: "Hallo Welt, hier bin – und das denke ich gerade". Ein Tagebucheintrag mit Standordbestimmung, gesendet an alle Freunde aus meinen Netzwerken und Leser, die mir folgen wollen – das Echtzeitweb ist längst Alltag geworden.     

Echtzeit-Overkill: "Wir befinden uns im Jetzt und Hier – und Nirgendwo"

Dass diese Form der allgegenwärtigen Kommunikation zum Overkill führen kann, wird allseits beklagt – weitermachen trotzdem alle. "Wir befinden uns im Jetzt und Hier – und Nirgendwo", bringt Johnny Häusler von "Spreeblick" die Kommunikations-Herausforderung unser Tage auf den Punkt: "Wir befinden uns ’now here‘ ebenso wie ’nowhere‘."

Das ist dann auch das Motto der mit Spannung erwarteten Internet-Konferenz re:publica, die von Häusler mitorganisiert und heute bereits zum vierten Mal in Berlin abgehalten wird. Mehr als 2500 Teilnehmer werden diesmal erwartet, die den 164 Veranstaltungen mit rund 160 Stunden Programm auf bis zu acht Bühnen parallel lauschen werden.

Reiz der re:publica "Man kennt die Leute, aber man hat sie noch nie wirklich gesehen"

250 Sprecher aus über 30 Staaten haben sich angekündigt, um über die verschiedene Facetten der digitalen Welt zu diskutieren – darunter etwa Jeff Jarvis, Miriam Meckel und Peter Glaser.

Vor allem ist die re:publica mit ihren erschwinglichen Eintrittspreisen von 90 Euro für drei Tage jedoch so etwas wie ein Get-Together der Social Network-Freund- und -Bekanntschaften: "Man kennt die Leute, aber man hat sie noch nie wirklich gesehen. Das macht den Reiz aus", erklärt Mitbegründer Markus Beckedahl gegenüber Zeit Online. Das Klassentreffen der Blogger hat eben seine eigenen Regeln.

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