Neue Fronten auf dem Agenturmarkt

Die bedrohliche neue Allianz aus ddp und DAPD macht es möglich: Nach nicht einmal einem halben Jahr bilden sich neue Fronten im Wettbewerb der Nachrichtenagenturen heraus. Wie MEEDIA erfuhr, löst die Deutsche Presse-Agentur (dpa) den Deutschen Depeschendienst (ddp) als Foto-Lieferanten der internationalen AFP-Dienste ab. Dieser Schritt könnte vor allem eines sein: Der Beginn einer neuen Zusammenarbeit, um im Ringen mit ddp/DAPD zu bestehen.

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Bereits mit der Übernahme des bisherigen deutschen AP-Dienstes vom ddp in Dezember samt Lizensierung des weltweiten AP-Bildmaterials für den hiesigen Markt war klar, dass sich das Fotoangebot der AFP neu aufstellen muss. Aus dem ddp wurde mit seiner neuen Schwester, die inzwischen DAPD heißt, ein Konkurrent der Franzosen. Bisher griff der internationale AFP-Fotodienst im Wesentlichen auf ddp-Material zurück, wenn es darum ging, Bilder aus Deutschland zu liefern. Ein großflächiges Netz aus eigenen Fotografen fehlte AFP hierzulande – weil bisher nur die weltweiten Dienste überhaupt Bilder im Angebot haben, nicht aber der deutsche Dienst von AFP.

Die bisherige Kooperation zwischen AFP und ddp läuft Ende Mai aus. Folglich suchte die Pariser AFP-Zentrale nach einem neuen Partner. Drei Optionen wurden nach MEEDIA-Informationen geprüft: der Aufbau eines eigenen Fotografenteams, die Kooperation mit vielen kleinen regionalen Bildagenturen und freien Fotojournalisten und ein Lizenzvertrag mit einer nationalen Agentur. Letzteres ist es nun geworden, wie die dpa auf MEEDIA-Anfrage bestätigte. Erst einmal nur bis Anfang 2011 wird also der internationale Fotodienst der AFP auf das Angebot des dpa-Bildfunks zurückgreifen. Beide Agenturen wollen in dieser Zeit testen, was passt – und dann gegebenenfalls einen langfristigen Vertrag abschließen.

Bei der dpa ist von einem vorsichtigen Versuch die Rede, die Zusammenarbeit mit der AFP wieder aufzunehmen. Die war einst recht groß. So machten sich beide Dienste einander zugänglich: dpa-Leute in Paris konnten den französischen AFP-Ticker auswerten und AFP-Reporter, die für den französischen Dienst aus Berlin schrieben, den deutschen Basisdienst der dpa. Im europäischen Foto-Verbund EPA tauschten neben anderen Diensten auch AFP und dpa fleißig ihr Material aus. Bei alledem kam jedoch letztlich zu Reibereien. Die dpa vermutete, neben den Korrespondenten des französischen AFP-Angebots habe auch der hart konkurrierende deutsche AFP-Dienst systematisch nachgesehen, was dpa macht und sein eigenes Angebot optimiert – was AFP dementiert. Und aus der EPA verabschiedete sich das AFP-Fototeam bereits vor gut fünf Jahren, um eigene Wege zu gehen. Die Kooperationen waren damit dahin.

Jetzt hat sich die dpa indes auch die Möglichkeit gesichert, beim AFP-Fotodienst punktuell nach Material zu fragen, sollte es im eigenen Netz eine Lücke gegeben. Ein systematischer Rückfluss an Fotos von AFP zu dpa ist aber zunächst nicht geplant. Denkbar aber ist durchaus, dass der vorerst äußerst eingeschränkte Zugriff auf AFP-Fotos für die dpa bei einer Verlängerung großzügiger vereinbart wird.

All das dient freilich vor allem einem Interesse: Dem Kampf gegen die neue Agentur-Allianz aus ddp und DAPD. Deren Geschäftsführer Peter Löw und Martin Vorderwülbecke wollen bekanntlich die dpa "verzichtbar" machen und haben in diesem Frühjahr zudem Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt, weil sie die staatlichen Abos des AFP-Dienstes seitens des französischen Staates für rechtswidrige verdeckte Subventionen halten – sie machen knapp 40 Prozent des Jahresbudgets der französischen Agentur aus. Die Fronten haben sich also nicht nur neu gebildet. Sie verhärten sich auch.

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