Investiert Springer in Aust-Projekt?

Mit dem Projekt eines neuen Nachrichtenmagazins könnte Stefan Aust kurz vor dem Durchbruch stehen. Wie der Branchendienst Turi2 am Freitagnachmittag berichtet, bestätigten sowohl der Springer-Konzern als auch der Schweizer Verlag Ringier Gespräche über ein Investment. Sollte der Ex-Spiegel Chefredakteur weitere Geldgeber neben der WAZ-Gruppe gewinnen, stünde dem Start nichts mehr im Wege. Springer-Sprecherin Edda Fels bezeichnete das Projekt unter dem Arbeitstitel "Die Woche" als "interessant".

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Auch bei Ringier bescheinigte man der Entwicklung, sie sei "äußerst professionell aufgezogen". Beide Verlage betonten aber auch, dass eine Entscheidung über den Einstieg noch nicht gefallen sei. Bereits seit einigen Monaten sind Redakteure und Mitarbeiter in einem Bürokomplex am Hamburger Fischmarkt damit beschäftigt, Dummys zu erstellen. Diese Entwicklung wird von der WAZ finanziert, die das auf 30 Millionen Euro jährlich bezifferte Finanz-Risiko aber nicht alleine tragen will.
Die auch als "Gegen-Spiegel" gehandelte Zeitschrift würde den "großen Drei" unter den aktuellen Magazinen Konkurrenz machen – aufgrund der angespannten Lage im Werbemarkt eine für die Wettbewerber hochproblematische Konstellation. Bereits im vergangen Jahr hatten Spiegel, Stern und Focus rund 20 Prozent an Anzeigenerlösen verloren. 2010 werden es wohl weitere zehn sein.
Offen ist, ob das von Aust konzipierte neue Nachrichtenmagazin am Montag erscheinen und damit vor allem Konkurrenz für Spiegel und Focus sein wird, oder ob es donnerstags gegen den Stern positioniert wird. Im Vorfeld war spekuliert worden, dass es sich bei der Entwicklung um eine Mischung aus Focus und Stern handele.
Interessant ist dabei auch der Arbeitstitel "Die Woche". Denselben Namen trug auch die in den 90er Jahren gegründete und später eingestellte Zeitung von Manfred Bissinger. Sollte das Magazin zeitnah gelauncht werden, will die Redaktion in die Hauptstadt wechseln. Aust hatte allerdings dementiert, dass es für den Fall einer Übernahme des kriselnden Nachrichtensenders N24 durch ihn und den N24-Geschäftsführer Torsten Rossmann zu Synergien zwischen Zeitschrift und TV-Aktivitäten komme.
Update (Sa. 17. April):
In einer Vorabmeldung berichtete der Spiegel, dass Ringier nicht mitmachen will. Zudem will die WAZ, nach Informationen des Hamburger Nachrichtenmagazins, nur noch einen Minderheitsbeteiligung an der neuen Zeitschrift halten.
Auch bei Burda stellte Aust sein Projekt offenbar vor. Laut Spiegel fanden die Verantwortlichen in München das Projekt aber wohl nicht für überzeugend.
Die Entscheidung über mögliche Investoren scheint zu drängen. Denn laut Spiegel endet der WAZ-Entwicklungsauftrag an Aust in wenigen Wochen.

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