WDR lässt sich vom Kulturrat schmeicheln

Der Dokumentarfilmer Thomas Frickel übt in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung scharfe Kritik an einer Publikation, die der WDR beim Deutschen Kulturrat über sich selbst in Auftrag gegeben hat. Das Werk mit dem Titel "Der WDR als Kulturakteur - Anspruch - Erwartung – Wirklichkeit" sei eine "oberflächliche Lobhudelei". Kritische Fragen blieben unbeantwortet und würden als subjektive Einzelmeinung übergangen. Die Publikation soll knapp 100.000 Euro gekostet haben.

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Frickel kritisert in seinem Gastbeitrag auch die Rolle des Kulturrats, der eine Dachorganisation von Kulturverbänden und Institutionen ist, die selbst von Aufträgen des WDR abhängig sind.  Das Vorgehen der Autoren nähre "den Verdacht, sie – und mit ihnen der Deutsche Kulturrat – könnten vom WDR als PR-Agentur instrumentalisiert worden sein".
Die Untersuchung legt die "Absolution für das Gesamt-Bukett seiner Kultur-Aktivitäten" (Frickel) auf nicht weniger als 464 Seiten dar. Kritische Stimmen kämen in der Publikation zwar zu Wort, würden aber als subjektive Einzelmeinungen abqualifiziert. So wird von namhaften Produzenten und Regisseuren, u.a. Edgar Reitz, moniert, dass die Honorare für Kulturschaffende sei Jahren nicht gestiegen seien, dass eine eigene Handschrift bei Kulturbeiträgen unerwünscht sei und die Einschaltquote als Maß aller Dinge gelte.
Laut FAZ werden solche Einwürfe als "subjektive Einzelmeinungen" bezeichnet, bei denen viel Enttäuschung mitschwinge, ohne die Kritik inhaltlich anzugehen. Dabei wird auch Fricke nicht bestritten, dass der WDR ein wichtiger Akteur im Kulturleben in Nordrhein-Westfalen ist. Bei 1,4 Mio. Euro Jahresbudget sei das auch nicht anders zu erwarten. Fricke: "Natürlich bereichert er das kulturelle Leben des Landes, und natürlich sendet er Kulturbeiträge ohne Ende – vor allem, wenn der zugrundeliegende Kulturbegriff – wie in der Kulturrats-Studie – auch Popmusik, Karneval, Vorabendserien und Comedy-Sendungen einschließt."

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