Anzeige

re:publica: Jarvis stellt die Penis-Frage

Jeff Jarvis ist die Barbara Schöneberger der Tech-Szene. Die stets gutgelaunte Hamburgerin moderiert alles mit viel Charme und Spaß weg. Organisatoren machen nichts falsch, wenn sie sie buchen. Bei dem US-Experten ist es dasselbe. Es lohnt sich immer, ihn einzukaufen. Jarvis begeistert mit dem richtigen Mix aus Witz und Kompetenz. Bei der re:publica in Berlin zeigte der Amerikaner allerdings zusätzlich noch eine bislang weniger bekannte Emotion: Leidenschaft.

Anzeige

Jeff Jarvis ist die Babara Schöneberger der Tech-Szene. Die stets gutgelaunte Hamburgerin moderiert alles mit viel Charme und Spaß weg. Organisatoren machen nichts falsch, wenn sie sie buchen. Bei dem US-Experten ist es dasselbe. Es lohnt sich immer, ihn einzukaufen. Jarvis begeistert mit dem richtigen Mix aus Witz und Kompetenz. Bei der re:publica in Berlin zeigte der Amerikaner allerdings zusätzlich noch eine bislang weniger bekannte Emotion: Leidenschaft. 
Die dreitägige Blogger-Konferenz steht in diesem Jahr unter dem Motto "nowHere“. Vor vier Jahren fing alles noch klein in der Kalkscheune in Berlin-Mitte mit 700 Teilnehmern an. Mittlerweile braucht das Event drei Locations und acht Bühnen, um die rund 160 Stunden Programm mit 250 Sprecherinnen und Sprechern zeitgleich abzuspulen. Mit rund 2.500 Besuchern gehen die Macher von Netzpolitik.org und Spreeblick.com von einer absoluten Rekordbesucherzahl aus. Zu den Keynote-Speakern gehören so bekannte Köpfe wie die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel, Peter Glaser, der den Kongress eröffnen durfte, und eben Jeff Jarvis.
Im vergangen Jahr tourte der US-Amerikaner noch mit seiner Standard-Buchpräsentation "Was würde Google tun?" durch Europa. In Berlin kehrte er nun mit einem neuen Thema zurück: dem deutschen Paradoxon. Es besagt, dass man sich hierzulande "nackt in die Sauna setzt und jedem seine Geschlechtsteile zeigt", aber Angst vor einem Google-Auto habe, das Straßenzüge mit angezogenen Menschen fotografiert.
Mit solchen Beispielen bringt Jarvis schnell einen Saal zum lLchen und zeigt so anhand eines vermeintlich lustigen Beispiels, dass die Zeit des Privaten vorbei ist. "Die Deutschen sprechen zuviel über Privacy, aber zu wenig über die Vorteile von Öffentlichkeit."
Anhand eines ernsten Beispiels kann Jarvis den Vorteil einer radikalen Offenheit erklären: "Ich hatte Prostatakrebs und bloggte darüber. Nichts ist privater als Krankendaten und der eigenen Penis." Pause, vereinzeltes Lachen. Dann fragt der Professor: "Warum habe ich das getan? Ich habe unglaublich viel zurückbekommen. Infos, Unterstützung und ich traf so Menschen, die dasselbe erlebt hatten und mir deshalb unendlich viel helfen konnten."
Jarvis‘ Schlussfolgerung ist die Aufforderung, möglichst viele – seien es noch so private – Informationen zu teilen. Zeitgleich sieht er den freien Informationsfluss und eine möglichst transparente Öffentlichkeit immer stärker bedroht. "Wir müssen das Öffentliche verteidigen." Sein Aufruf: "Die Öffentlichkeit gehört der Öffentlichkeit und die muss um die Öffentlichkeit kämpfen."
Zum Schluss wandte sich der bekennende "Apple-Fan-Boy" noch kurz dem iPad zu. Für Jarvis steht das neue Tablet, genauso wie das iPhone für den Kampf zwischen offenen (Android) und geschlossenen (Apple) Systemen. Zudem kann er keinen "Sinn in dem iPad erkennen". Vielmehr sieht Jarvis in dem neuen Gadget einen Rückschritt. "Beim iPad geht es nicht mehr um Kreation, sondern nur noch um Konsum." Diese Phase der Mediennutzung "hatten wir doch schon längst hinter uns gelassen."

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige