WePad macht Apple heftig Konkurrenz

Mit einer offenen Plattform, offenem Vertrieb und Schnittstellen aller Art gegen das iPad: Das WePad eines Berliner Unternehmens scheint eine Alternative zu Apples Tablet-PC zu sein. Jetzt wurde es vorgestellt - zum Laufen aber in der Öffentlichkeit noch nicht gebracht. MEEDIA erklärt die Details, die Chancen und Risiken der deutschen Entwicklung, die bald unter anderem mit den Verlagen Gruner + Jahr und Ringier als erste Medienpartner gegen das gehypte Produkt aus dem Silicon Valley antritt.

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Helmut Hoffer von Ankershoffen übt sich ganz bewusst in coolem Understatement. Der Geschäftsführer des WePad-Entwicklers, dem Berliner 180-Mann-Betrieb Neofonie, sagt: "Das iPad wird seinen Markt finden – mit oder ohne uns." Und, ja, natürlich habe seine Firma mit dem Zeitpunkt des WePad-Launches auf den Hype um Apples iPad gewartet, denn: "Jetzt erklärt Apple allen, was ein Tablet-PC ist." In diese Masche passt dann auch, dass von Ankershoffen über sein Produkt gar nicht sagt, es wäre ein iPad-Killer oder so was ähnliches. Das wäre schließlich "vermessen" und "albern". Und doch ist klar, die Jungs von Neofonie wären genau das gerne: Die, die bald "The book of Jobs" (The Economist) auf dem Gewissen hätten.

Ob es soweit kommt? Äußerst fraglich. Immerhin konnte oder wollte Neofonie auf der ersten Pressekonferenz zu seinem neuen Produkt alles außer ein funktionsfähiges Gerät präsentieren. Nur ein WePad überhaupt hatte der Chef den eigenen Angaben zufolge im Gepäck – zum Anfassen, nicht zum Spielen. Statt mit einer Live-Vorführung zu glänzen, spielte Neofonie bloß Aufnahmen ab. Da kommen freilich Zweifel auf, wie serientauglich das Produkt überhaupt schon ist. Und doch: Von Ankershoffen kündigte für diesen Mai zunächst eine "große Roadshow" an, auf der "ausgewählte Journalisten" erste Geräte testen könnten, bevor im Juli einige Kunden in den Genuss kommen sollen. Die große Verkaufsoffensive folge dann im August.

Noch mindestens ein paar Wochen also bleibt das WePad für Medien wie Konsumenten pure Theorie. Die jetzt bekanntgegebenen Eckdaten aber hören sich durchaus vielversprechend und im Kampf gegen das iPad äußerst durchdacht an. Das WePad soll nämlich nicht nur ohne Einschränkungen auf alle Apps zurückgreifen können, die eigentlich auf Googles Android-Plattform zugeschnitten sind. Vor allem soll das WePad komplett auf Linux aufgesetzt werden. Damit seien "der Kreativität von Programmierern keine Schranken gesetzt". Ein frei wählbarer Experten-Modus ließe sogar Technik-Fans tiefgreifende Veränderungen des Betriebssystems zu.

Das ist zweifellos ein Plus, wo doch auf Apples iPad derzeit weder im Browser noch in den Apps Module laufen, die auf Flash basieren – und das obwohl inzwischen auch viele Videos im Netz auf diesem Standard aus dem Hause Adobe laufen. Zumindest die Vorführung ließ erahnen, dass das WePad multimediale Webseiten problemloser wird anzeigen können als Apples Kleinstcomputer. Im Gegensatz zum iPad soll das WePad außerdem Adobes Air-Technologie unterstützten, auf dem immer mehr kleine internetaffine Programme basieren. Vor allem aber laufen den Angaben zufolge alle Linux-Programme, darunter Bildbearbeitungen und StarOffice. Anders als das iPad dürfte das WePad damit tatsächlich auch für das Business interessant werden. Der Geschäftsführer kündigte schon mal an, es gebe bereits etliche Großbestellungen dieser Art in Zehntausender-Stückzahlen. Private Kunden sollen vom 27. April an Geräte vorbestellen können.

Clever kommt auch die Zusammenstellung der Hardware daher: Der fest installierte Speicher der Geräte, der je nach Modell 16 bis 32 Gigabyte umfasst, kann den Plänen zufolge problemlos mit einer SD-Karte erweitert werden – Austausch großer Dateien mit anderen Geräten, PCs, Kameras und Handys inklusive. Anders als die erste Generation des iPad verpassten die WePad-Entwickler ihren Modellen zudem gleich eine Webcam und – zum Anschluss diverser verbreiteter Geräte – auch zwei reguläre USB-Ports. Während das Display beim WePad 11,6 Zoll umfasst, sind es beim iPad 9,7 Zoll. Das aber muss kein Vorteil für den Berliner Wettbewerber sein: Das iPad mit dem kleineren Bildschirm läuft den Angaben zufolge zehn, das WePad indes nur sechs Stunden – und schneidet so auch im Vergleich mit vielen aktuellen Netbooks fast schon erschreckend schlecht ab.

Wirklich spannend dürfte der Vertrieb des WePads werden. Die Geräte – die separat von allen Partnerangeboten zwischen 449 Euro (16 GB, W-Lan) und 569 Euro (32 GB, W-Lan, UMTS, GPS und Full-HD-Ausgang) – kosten sollen, wird es von Ankershoffen zufolge auch in Kombination unter anderem mit Mobilfunkverträgen geben oder aber auch mit Verlags-Angeboten. Bereits im Vorfeld war bekannt, dass der Stern ein eMagazin für das WePad entwickelt hat, das seine eReader-Plattform auch an andere Plattformen anpasst, wie das Web oder aber das iPad. Zusammen mit den WePad-Details präsentierte der Neofonie-Geschäftsführer noch einen zweiten Partner: Ringier werde in einem ersten Schwung die Schweizer Illustrierte und das in Deutschland erscheinende Cicero in einer "WeMagazine"-Variante vertreiben.

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