Kritik: „Der letzte Bulle“ & „Danni Lowinski“

Am Montagabend startet Sat.1 den nächsten Versuch, mit deutschen Serien zu punkten. Das Duo, das der Sender ins Rennen schickt, ist allerdings nicht ganz neu. Produziert wurden die Serien nämlich schon von August 2008 bis April 2009. Nach über einem Jahr hat man nun den Montagabend als Sendeplatz auserkoren. Doch was taugen die Serie um einen aus dem Koma aufgewachten Polizisten und eine Anwältin für kleine Leute? MEEDIA hat sich die ersten Episoden angeschaut und klärt auf.

Anzeige

"Der letzte Bulle", Sat.1, montags, 20.15 Uhr:

Henning Baum, u.a. bereits bekannt aus der früheren Sat.1-Serie "Mit Herz und Handschellen", spielt den Ruhrpott-Polizisten Mick Brisgau, der nach einer schweren Verletzung mehr als 20 Jahre im Koma lag. Nach seinem überraschenden Aufwachen kehrt er in den Dienst zurück, wo er sich mit einem nervenden Partner, einer Psychologin und den modernen Ermittlungsmethoden herumschlagen muss, während er sich zu seiner Frau zurücksehnt, die längst mit einem anderen Mann – leider dem Gerichtsmediziner – zusammen ist.

Die erste Folge der Serie erzählt die Vorgeschichte nicht sehr detailreich, nach einer kurzen Szene mit dem Aufwachen aus dem Koma geht es direkt in die Gegenwart und zum ersten Fall für Brisgau. An Realismus sollte der Zuschauer dabei nicht zu sehr denken, schließlich ist es wohl ausgeschlossen, dass jemand kurz nach einem 20-jährigen Koma wieder topfit seinem Job als Polizisten nachgeht. Wie auch immer: Brisgau ermittelt, fällt dabei als Macho, Chauvi und Sprücheklopfer auf, zeigt in den Sequenzen, in denen er in seinem Pensionszimmer in Erinnerungen aus seinem alten Leben schwelgt, aber auch weiche Seiten.

Eine gewichtige Rolle spielt in "Der letzte Bulle" die Musik. Mithilfe zahlreicher Hits aus den Achtzigern will man den Zuschauer immer wieder daran erinnern, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Polizisten handelt. Doch diese Musik erzeugt dabei eher eine Ton-Bild-Schere, schließlich spielt die Serie doch nicht wie die grandiose britische Serie "Life on Mars" in der Vergangenheit, sondern in der Gegenwart. Nur der Kommissar stammt eben nicht aus dem Jetzt. Doch auch ohne die Musik wirkt "Der letzte Bulle" durchgängig etwas altmodisch, sodass der Gegensatz zwischen dem Mann aus den Achtzigern und der Gegenwart des 21. Jahrhunderts nicht so richtig auffällt und der "Koma-Kommissar" kein echter Fremdkörper in seinem Umfeld ist.

Zusammenfassend ist "Der letzte Bulle" aber immerhin eine halbwegs unterhaltsame und dank des Hauptdarstellers Henning Baum auch immer wieder charmante Krimiserie, der man ruhig eine Chance geben kann. Ein großer Publikumserfolg wird sie aber wohl kaum werden, dafür ist sie zu gewöhnlich und blass.

"Danni Lowinski", Sat.1, montags, 21.15 Uhr:

Daniela Lowinski ist eine Außenseiterin in der Rechtsanwalts-Branche. Sie war früher Friseurin, hat auf dem Abendgymnasium Abitur gemacht und anschließend Jura studiert. Nachdem der Bewerbungsmarathon kein Glück bringt und sie in allen Kanzleien nur Absagen bekommt, beschließt sie, sich auf ungewöhnlichem Wege selbstständig zu machen. Sie stellt einen Tisch in ein Einkaufszentrum und bietet Rechtsberatung für einen Euro pro Minute an. Klare Sache, dass keine Millionäre zu ihren Klienten gehören und sie stattdessen zur Anwältin der kleinen Leute wird.

Comedyfrau Frier spielt die Rolle der Anwältin ordentlich, nur ab und zu etwas zu klamaukig. "Danni Lowinski" ist trotz der Hauptdarstellerin keine Comedyserie, sondern eine Anwaltsserie, in der es durchaus auch ruhige und emotionale Momente gibt. Anzulasten ist der Serie das ab und zu etwas fehlende Tempo. Zudem sind die Geschichten, die erzählt werden, etwas zu alltäglich. So kümmert sich Lowinski in der ersten Folge um eine von Reichen abgezockte Haushaltshilfe und in der zweiten Episode um einen alleinerziehenden Vater, dem das Sorgerecht entzogen werden soll.

Dass die Serie einige Zeit in den Sat.1-Regalen lag, bevor sie nun gesendet wird, zeigt sich sehr anschaulich in der zweiten Episode, in der Lowinskis Vater aus der Zeitung vorliest: "Mit Tim Borowski haben die Bayern einen ähnlichen Spielertypen wie Michael Ballack eingekauft". Borowski spielte ab Sommer 2008  nur ein Jahr lang bei den Bayern und kehrte im Sommer 2009 zu Werder Bremen zurück.

"Danni Lowinski" ist zwar ordentliches Fernsehen, doch in die Geschichte wird die Serie sicher nicht eingehen. Zu oft gab es seit "Liebling Kreuzberg" schon ähnliche Serien mit Anwälten kleiner Leute. Dieser Reihe von Serien kann "Danni Lowinski" nichts Bedeutendes hinzufügen. So reicht es nur für eine halbwegs kurzweilige Stunde Fernsehen, die es gegen die Konkurrenz aber schwer haben wird.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige