Google-CEO: „Zeitungen sind unersetzlich“

In einer Rede vor der American Society of News Editors hat Googles CEO Eric Schmidt ein flammendes Plädoyer für den Tageszeitungs-Journalismus gehalten. "Wir haben ein Problem mit dem Geschäftsmodell, wir haben kein Problem mit den Nachrichten", sagte er. Schmidt zeigte sich sicher, dass Zeitungen wieder Geld verdienen können, aber vor allem mit Online-Werbung und veränderten Abo-Modellen. Nicht ganz uneigennützig bot Schmidt den Verlegern dabei die Hilfe von Google an.

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Der Internet-Konzern arbeite an neuen Wegen, wie man Anzeigen und Inhalte für Nutzer zuschneiden könne, sagte er. Den Journalismus, wie ihn Tageszeitungen bieten, bezeichnete er als "unersetzlich" und eine "Kunst". Schmidt selbst erklärte, täglich drei verschiedene Zeitungen zu lesen. Seine Zuhörer dürften diese Worte genauso goutiert haben, wie einen Seitenhieb des Google-Chefs auf Blogs. Wer den Wert von Zeitungs-Redakteuren jemals in Frage stellen sollte, müsse nur einen Blick auf die Blog-Welt werfen, soll Schmidt laut dem Online-Magazin Politico gesagt haben. Schmidt: "Qualitäts-Journalismus wird triumphieren."

Er gab den Verlegern dann auch gleich ein paar, freilich eher unverbindliche Ratschläge, wie dieser Triumph zu erreichen sei. Man solle Inhalte personalisieren und verstärkt über mobile Geräte verbreiten, sagte Schmidt. Beides nicht gerade brandneue Erkenntnisse. Was künftige Erlösmodelle betraf, so versprach Schmidt "neue Formen, Geld zu verdienen, werden sich entwickeln". Wie, das ließ er offen.

Schmidt bemühte sich aber, die positiven Seiten des Internets für die Zeitungs-Industrie zu betonen. Journalisten hätten mehr Leser als je zuvor und mehr Quellen als jemals zuvor. Es gebe neue Formen des Geschichtenerzählens und irgendwann auch neue Formen Geld zu verdienen. Nachrichten-Websites sollten laut Schmidt Technologie dazu verwenden, um vorherzusagen, was Nutzer künftig lesen wollen. Google könne solche Technik zur Verfügung stellen und auch ermitteln, warum bestimmte Inhalte vielleicht kein Publikum finden.

Zeitungen sollten laut Schmidt anfangen, die Arbeitsweise von Google nachzuahmen: "Viel ausprobieren, sehr früh und sehr oft." Zeitungshäuser sollten Daten sammeln und Entscheidungen treffen, die auf harten Daten basieren. Herauszufinden, mit welchem Mix aus Werbung, Gratis-Inhalten, Bezahl-Inhalten und Abo-Modellen man zum Erfolg kommt, das sei eine Gleichung, die sich nicht leicht lösen lasse, so Schmidt. Der Google-Chef appellierte an die Experimentierfreudigkeit der Verleger: "Fakt ist, es gibt keine einfachen Antworten auf diese Fragen. Wenn sie die Antworten wirklich finden wollen, müssen sie Experimente wagen."

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