Sat.1 plant Koch-Casting und „Landlust-TV“

Im Münchner Café Reitschule hat ProSiebenSat.1 Vorstand und Sat.1-Chef Andreas Bartl verkündet, wie er den schwächelnden Sender wieder auf Kurs bringen will: Mit neuen Spielshows, Comedy und viel Infotainment soll Sat.1 künftig als Familiensender die Zielgruppe der 30 bis 59-Jährigen ansprechen. Sogar ein Revival der legendären Talkshow "Talk im Turm" steht mal wieder im Raum. Wirklich konkret sind aber u.a. die Koch-Castingshow "Masterchef" und "Das Landmagazin". Eine Art Landlust-TV.

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Offenbar will Bartl dabei den Print-Boom der Zeitschrift Landlust ins TV übersetzen. "Das Landmagazin" beschäftigt sich mit allem, was das Landleben angeblich so lebenswert macht. Flankiert wird das Magazin von "Unser Traum vom Bauernhof" – eine Doku-Reality-Show, bei der Städter auf einen Bauernhof verfrachtet werden und sich dort bewähren müssen.

Ein Reizthema greift Sat.1 mit dem so genannten Medicaltainment auf. In der Show "Diagnose Hoffnung" werden echte Patienten mit besonderen Krankheitsbildern vorgestellt, die von einem Kamerateam begleitet werden. Dabei soll bei der Auswahl der Fälle besondere Sorgfalt an den Tag gelegt werden und es sollen nur positive Fälle gezeigt werden. Kritik an dem Format dürfte trotzdem programmiert sein.

Noch mehr Infotainment: Barbara Eligman und Wigald Boning werden durch eine Show mit dem Arbeitstitel "Die Insider" führen, in der der menschliche Körper erklärt wird. Bei "Forever young – der Rentnerchor" soll ein Promi-Musiker einen Chor aus betagten Herrschaften zusammenstellen.

Große Hoffnungen setzt Bartl offenbar in eine Koch-Casting-Show mit dem Arbeitstitel "Masterchef". Eine Jury, wahrscheinlich aus prominenten Löffelschwingern, kürt dabei in bewährter Manier den besten Koch. Geplant ist die Show für den Sommer.

Ein weiteres heißes Show-Eisen glaubt der Sender mit "Mein Mann kann" im Feuer zu haben. Das Ganze ist eine Eigen-Entwicklung des Senders, für die man sich auch Hoffnungen auf eine internationale Vermarktung macht. Fünf Frauen spielen an einem Pokertisch und setzen das "Können" ihrer Männer ein. So kann eine Frau beispielsweise den Einsatz bieten, dass ihr Gatte drei superscharfe Chilischoten verzehren kann. Das Gebot kann dann von den anderen überboten werden und schließlich müssen die Herren zur Tat schreiten.

In Sachen Sport stehen die Übertragungen der Uefa Champions League an. Oliver Pocher moderiert zwei Sondersendungen zur Fußball-WM in Südafrika, die "Pochers Sommermärchen" heißen und Johannes B. Kerner bekommt mit einer "ran"-Fußball-Talkshow mehr zu tun.

Die ersten Zeichen der Sat.1 Runderneuerung gibt es bereits ab kommender Woche zu sehen. Dann startet die Fiction-Serie "Der letzte Bulle" und die Comedy Reihe "Danni Lowinski" mit Annette Frier. Mit ihr und Cordula Strathmann soll es auch eine neue Improvisations-Comedy geben. Arbeitstitel: "Wir müssen reden".

Neue Folgen der bewährten Reihen "Pastewka" und "Ladykracher" mit Anke Engelke stehen auch auf dem Programm. Sowohl mit Bastian Pastewka als auch mit Anke Engelke sei man außerdem in Gesprächen für weitere Projekte.

Am 30. April startet die Freitagabendshow "Die perfekte Minute" mit Ulla Kock am Brinck. In der Adaption der internationalen Show "Perfect Ten" müssen Kandidaten innerhalb einer Minute kleine Kunststückchen möglichst perfekt über die Bühne bringen. Die Show soll auch dem bislang glücklosen Oliver Pocher mit seiner Late-Night-Show endlich zu besseren Quoten verhelfen. Überhaupt sei der Audience Flow etwas, an dem man arbeiten müsse, bekannte Bartl. Bei "Kerner", der mit seiner Infotainment-Show quotentechnisch auch katastrophal gestartet war, sieht Bartl mittlerweile immerhin einen positiven Trend.

Als wäre das alles nicht genug, basteln die Sat.1-Macher noch an einem Live-Comedy-Format aus München und an einer Wiederbelebung von "Talk im Turm". Mit welchem Moderator und wann und wie – das steht noch nicht fest. Bartl sagte, er wolle sich Zeit lassen mit dem Format.

An großen Film-Events stehen "Die Wanderhure" mit Alexandra Neldel auf dem Zettel und die Verfilmung des Bestsellers "Die Säulen der Erde". Außerdem wird es einen neuen Tag mit US-Serien geben. Eingekauft sind die neue Reihe "Navy CIS Los Angeles" und neue Folgen von "Criminal Minds".

Andreas Bartl hat viel vor mit Sat.1. Dass es zuletzt nicht optimal lief, gab er offen zu: "Bei Sat.1 fehlt der Glanz, den der Sender früher verbreitet hat." Die Primetime sei eine Baustelle, Formate, die das Image eines Senders prägen, würden fehlen. Er habe sich darum zunächst mit der "Entschlüsselung der Marken-DNA" von Sat.1 befasst. Entschlüsselt hat er, dass er Sat.1 als Familiensender zwischen RTL und ProSieben positionieren will. Wo RTL vielleicht einen Tick zu laut daherkomme, will Sat.1 künftig die familientaugliche Alternative sein. Bartl: "Wir hatten ein schweres Jahr 2009 aber jetzt haben wir die Reset-Taste gedrückt." Es war nicht das erste Mal, das bei Sat.1 auf Reset gedrückt wurde. Sendetermine für die meisten der neuen Formate stehen noch nicht fest. Auch die Namen der meisten Sendungen sind noch Arbeitstitel und können sich ändern.

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