Geo relauncht und startet Epoche Edition

Relaunch ist nicht gleich Relaunch: Wo manche mit großem kreativen Schwung Hand anlegen, um Zeitschriften ein gleich erkennbares neues Layout oder Heftkonzept zu verpassen, sind andere bedächtiger und eher auf langfristige Wirkung der Veränderungen aus. Für die zweite Variante steht das neue Geo, das Chefredakteur Peter-Matthias Gaede jetzt in Hamburg vorstellte – ein Relaunch quasi aus der Tiefe des Raums. Auch eine neue Extension ist zu vermelden: am 14. April startet das Kunstmagazin Geo Epoche Edition.

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Zweimal jährlich soll die Zeitschrift über die Geschichte der Kunst erscheinen, die in geradezu üppiger Ausstattung daherkommt, bei Gruner + Jahr ein weiterer Neustart in diesem Jahr. Großfomatig, in bestem Druck und 132 Seiten in einer Papierstärke, die andere nur fürs Cover bereithalten. Die von Epoche-Chefredakteur Michael Schaper verantwortete Extension befasst sich zum Start mit dem Barock und vermittelt das damalige Weltbild, Sittengerüst und Lebensgefühl zuallererst anhand von Gemälden der großen Künstler, die auf längeren Bildunterschriften erklärt und eingeordnet werden. Lediglich drei lange Lesestücke gibt es, alles andere ist Geschichte zum sinnlichen Blättern – vom Konzept her eine Art View für die Zeit vor der Fotografie. 15,90 Euro ist der für ein Magazin rekordverdächtige Preis, 40.000 Exemplare beträgt die Druckauflage des anzeigenfreien Heftes. Das Thema der zweiten, im Herbst erscheinenden Edition steht auch schon fest: Impressionismus.
Neben der Edition ging es aber vor allem um das neue Geo. Zwar erzielte die Gruppe 2009 das zweibeste Ergebnis seiner Geschichte, dennoch ist die Auflage des Flaggschiffs zuletzt leicht rückläufig gewesen. "Wir wollen großzügig bleiben, was die Qualitäten von Geo betrifft", erklärte Chefredakteur Peter-Matthias Gaede die Philosophie des Relaunches, "aber wir müssen auch jede einzelne von ihnen überdenken."
Das man hierbei auf viele Verbesserungen im Detail setzte, ist bereits am Claim des Heftes zu erkennen. Wo es früher um "Das neue Bild der Erde" ging, heißt es nun: "Die Welt mit anderen Augen sehen." So soll verdeutlicht werden, dass sich Geo vom  Erkunden der Erde zum Magazin für Kosmopolitisches entwickelt hat. Dieser Wandel ist nun auch redaktionell Programm. Gaede nannte die neuen Prioritäten: "Öko-Kompetenz ohne Nachhaltigkeitsgeschwurbel, angreifender bei der Themensetzung, kantiger, mehr Ordnung, mehr Schwerpunkt." Geschichten über harte Stoffe wie Tierhandel oder Medikamentenfälschung sollen künftig eine gewichtige Rolle spielen. Ein Beispiel dafür ist auch der düstere Aufmacher des neuen Geo: "So operiert die Holzmafia – die dunklen Machenschaften der Regenwaldplünderer."
Durch solche Reizthemen kommt Geo aktueller, investigativer und aufmerksamkeitsstärker daher, was sicher eine interessante Innovation ist, die sich auch im Einzelverkauf auszahlen könnte. Im Zuge der Veränderungen wurde auch der Hefteinstieg komplett überarbeitet, von einem "Boulevard netter Nichtigkeiten" (Gaede) zu einem "unterwegs in der Welt". Relevanz und Aussagekraft sind hier die Kriterien der Schnipsel des globalen Geschehens, eine, so Gaede, "Gratwanderung zwischen Konkretem und Abstraktem". Die Rubrik Geokosmos ist eine Art good news, bad news einer zunehmend instabilen Globalisierung, bei der das Magazin vor allem darauf Wert legt, die Welt im Großen wie im Kleinen auch mit den Augen der anderen sehen zu können.
Als Erklärmagazin hat Geo immer schon darauf gepocht, die maßgeblichen W-Fragen zu stellen. Eine Weiterentwicklung dieser Denke, die mit dem Relaunch stärker akzentuiert wird, ist die Bereitschaft, den Konflikt auch mit den eigenen Denkmustern und denen der Leser zu führen. Dafür steht das Geoforum, in dem es im neuen Heft unter der Headline "Warum Haustierfreunde keinen Grund haben, auf die Fahrer großer Limousinen zu schimpfen" darum geht, dass Tierhaltung eine "geradezu extravaganter" ökologischer Luxus sei. Hier will Gaede Debatten führen, durch "qualifizierte Provokation" Denkanstöße liefern.
Neu gestaltet ist auch die Wissensrubrik Geoskop, die unterhaltender, frischer und pointierter wirkt und von "nettem Nonsens" über interessanten Facts bis hin zu eindrucksvollen Fallgeschichten ein Sammlung an News to use bietet. Auch dem Team ist eine Seite gewidmet, unter "Gesichter von Geo" erscheint künftig jeweils eine persönliche Kolumne von Redaktionsmitarbeitern, dazu gibt es unter "Reporter unterwegs" mehr Stories behind the Stories in Kurzform zu lesen.
Aber auch der Mensch da draußen in der Welt, um den es irgendwie bei Geo ja immer geht, bekommt einen festen Platz im Blatt: Unter "Weltbürger" stellt die Redaktion künftig ganz bewusst "No names" per Interview vor, wie diesmal einen jungen palästinensischen Friseur als "Einer von 6,848 Milliarden".
Als dauernde Verpflichtung, "offen für Veränderungen sein, neu hinzusehen" und dabei "Bewusstsein für das Bedrohte und Erhaltenswerte zu schaffen", beschreibt Chefredakteur Gaede im Relaunch-Editorial sein Ziel und das Erfolgskonzept von Geo. Er meinte es mit Blick auf eine zunehmend bedrohte Welt. Als Motto für die kriselnde Zeitschriftenbranche würde diese Sichtweise wohl ebenso gut passen.

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