Umfrage: die iPad-Pläne der Verlage

Das lange erwartete iPad ist, zumindest in den USA, da und die Euphorie war groß. Bei deutschen Verlagen ist mittlerweile eine gewisse Nüchternheit eingekehrt. Zwar werden iPad und Co. weiter als große Chance für den digitalen Vertrieb wahrgenommen, man ist aber auch bemüht, zu hohe Erwartungen zu dämpfen. Das zeigt eine MEEDIA-Umfrage bei führenden Verlagshäusern. Die Befragten betonen auch, dass sie plattformunabhängig Inhalte entwickeln wollen. Sprich: Man will nicht von Apple abhängig sein.

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"Wir fokussieren uns nicht allein auf das iPad. Wir verfolgen derzeit eine Tablet-Strategie, bei der das iPad nur ein Teil davon ist", sagt beispielsweise Dr. Silke Springensguth, Geschäftsführerin der DuMont Net. Bei DuMont erscheinen u.a. die Berliner Zeitung, die Frankfurter Rundschau, der Kölner Stadt-Anzeiger und der Express. Der Verlag will seine Zeitungen "in einer Tablet-Version auf den Markt bringen und zu vernünftigen Abo-Preisen dem Endkunden anbieten. Wir halten nichts davon, mögliche iPhone Apps mal eben für das iPad umzusetzen, um dann wertvolle News für 1,59 Euro im Monat an den Markt zu bringen." Auch solle nicht einfach der Web-Auftritt kopiert werden. Sie sehe das iPad als einen weiteren Zwischenschritt in der Evolution der Zeitung, so Silke Springensguth. Ihre Hoffnung in Bezug aufs iPad: "Von den Tablets erhoffen wir uns, neue Zielgruppen zu erreichen, die die Zeitung derzeit nicht abonniert haben. Der leichte digitale Vertriebskanal macht unsere Zeitung auch für die Personen interessant, zu deren Lebenssituation die Lieferung einer Papierausgabe in den Briefkasten nicht passt."

Ganz unverbindlich sagt Thomas Scharfstädt, Sprecher der Verlagsgruppe Handelsblatt (Handelsblatt, WirtschaftsWoche): "Wir arbeiten derzeit an möglichen Applikationen für das iPad wie auch an Apps für das iPhone. Derzeit steht für uns jedoch die Beobachtung der Marktentwicklung im Vordergrund." Grundsätzlich sehe die VHB aber in iPad und iPhone "große Chancen für unsere Marken".

Bei Gruner + Jahr legt Pressesprecher Christian Merl Wert darauf zu betonen, dass die Verlagstochter Deutscher Presse Vertrieb (DPV) an einem Endgeräte-unabhängigen Online-Kiosk arbeitet: "Diese Entwicklung ist daher auch in keiner Weise auf das WePad (deutsches Konkurrenzprodukt zum iPad, Anm.d.Red.) beschränkt. Es geht uns vielmehr darum, eine Plattform zu entwickeln, auf der User digitale Inhalte von vielen unterschiedlichen Verlagen und Medienmarken in einem gemeinsamen Umfeld finden und kaufen können." Kurzfristige Schnellschüsse und reine PDF-Lösungen würden die Nutzer auf den neuen Tablets auf Dauer nicht begeistern, ist man sich bei Gruner sicher. Das ist ein kleiner Seitenhieb gegen Axel Springer, wo man sehr schnell zum Start des iPad mit dem iKiosk ein Programm zum Vertrieb von PDF-Ausgaben der Welt-Gruppe an den Start gebracht hat. "Der Mehrwert gegenüber den bisherigen Online-Angeboten wird für den User entscheidend sein. Von daher werden wir erst dann unsere Inhalte auf dem iPad anbieten, wenn unsere Angebote diesen Mehrwert auch bieten können", so G+J-Sprecher Merl zu MEEDIA.

Bei G+J geht man davon aus, dass in den nächsten Monaten weitere Tablet-Computer von verschiedenen Herstellern auf den Markt gebracht werden. Auch dort will man dann mit den Zeitschriften des Hauses präsent sein. Merl: "Im Unterschied zu iPhone und Co. können hier gerade hochwertige Magazine wie der Stern ihre Essentials, wie Bilderstrecken und vieles mehr, besser zur Geltung bringen."

Die Bauer Media Group zählt neben Springer zu den deutschen Verlagshäusern, die bereits zum Start mit einer iPad-App dabei sind, der TV Movie HD App. "Die TV Movie HD App ist für die Bedienung und Navigation auf dem iPad optimiert und profitiert dabei von den einzigartigen Vorteilen und der langjährigen Erfahrung der TV Movie iPhone App", sagt Andreas Schoo von der Geschäftsleitung der Bauer Media Group. Er sieht im iPad "neue, großartige Möglichkeiten für unsere Branche." Die Aufgabe von Medienunternehmen werde es nun sein, Erfahrungen zu sammeln und attraktive Inhalte zur Verfügung zu stellen, die die neuen Potenziale nutzen. "Neben TV Movie HD auf dem deutschen Markt werden wir kurzfristig auch an unseren internationalen Standorten USA und GB erste Applikationen für das iPad launchen", so Schoo.

Erfahrung zu sammeln ist auch für Ulrich Hegge, Geschäftsführer des Media Innovation Lab bei Burda wichtig. "Es wird verschiedene Angebote für diverse Betriebssysteme und mobile Geräte geben", sagt er. Ebenso wichtig wie die Erfahrungen sei aber auch, dass von Anfang an eine Chance bestehe, bei ausreichender Reichweite skalierbare Erlöse in einem überschaubaren Zeitraum zu generieren. Welche Titel und Services Burda aufs iPad bringen will, soll erst bei der jeweiligen Veröffentlichung bekanntgegeben werden. Langfristig schwebt Hegge eine "Multi Channel- und Multi Device-Strategie" vor. Seine Hoffnungen in Bezug auf das iPad: "Das Ermöglichen einer steilen Lernkurve, was die journalistische Erzählweise und passende Services, die Produktion der Inhalte und das Nutzer-Interface für diesen Gerätetyp angeht. Ansonsten: Bei ausreichender Verbreitung der Geräte spannende und lukrative digitale Ergänzungen unseres klassischen Geschäfts.
Konkrete iPad-Pläne hat bereits der Condé Nast Verlag in München. Im Juni soll eine iPad-App der hauseigenen Mode-Bibel Vogue an den Start gehen.

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