Juute Idee: Janze B.Z. auf berlinerisch

Zum ersten Mal seit ihrer Gründung im Jahr 1877 erscheint die B.Z. komplett in Berliner Mundart. "Klingt ein bisschen verrückt, ist es auch", schreibt Reporter Oliver Ohmann. Damit auch die zugezogenen Kollegen an der Ausgabe mitarbeiten konnten, wurden ihre Texte aus dem Hochdeutschen übersetzt. Die Titelgeschichte dreht sich um die Polizisten-Verpflegung am 1. Mai. "Nur olle Stullen für unsere Bullen. Keene warme Vaflegung am 1. Mai weil de Julaschkanonon-Firma den Vatrach mit de Polizei kündichte."

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Bei den Übersetzungen ließ sich die Redaktion von drei Experten beraten: Dem Dialekt-Forscher Prof. Dr. Norbert Dittmar von der Freien Universität Berli, der  Bestseller-Autorin Sabine Thiesler (u.a. „Drei Damen vom Grill“, „Tatort) und von dem Autor Karl-Heinz (Kalle) Scherfling (u.a. Kommödchen, Dieter Hallervordens „Spotlight“, Asterix-Übersetzung ins Berlinische).

Einfach wird der heutige Zeitungskonsum allerdings nicht. Denn der Dialekt lässt sich nur schlecht lesen. Das weiß auch Chefredakteur Peter Huth. Im Editorial heßt es unter der Überschrift "Liebe Leserin, Lieba Lesa" heißt es: "Da isse. Eene janze B.Z., die berlinat. Wat wa hia publizian, det is aba eijentlich wat füa di Oojen." Der Tipp an die Leser: Die Artikel einfach laut vorlesen. "Nich im stillen Kämmerlein. Natürlich voa Publikum."
Die Überschriften lassen bereits darauf schließen, dass die drei Berater ganze Arbeit geleistet haben. So "analysiat" Michel Friedman: "10 Jahre macht Merkel de CDU. Wat hat se jetan?". Oder über die neue Ostsee-Pipeline: "Schrödas lange Leitung jeht an Start." 

Mit der Berliner Schnauze-Ausgabe lässt sich fast schon ein springerinterner Trend erkennen. Denn eine der ersten Amtshandlungen des damals neuen Chefredakteurs des Hamburger Abendblatt, Claus Strunz, war es, mehr hamburgische Begriffe ins Blatt zu bringen. Sich selbst bezeichnet die B.Z. als "Berlins jrößte Zeitung". Im Gesamtverkauf kommt das Boulevard-Blatt auf 167.335 Exemplare. Innerhalb der vergangen fünf Jahre verlor die Kaufzeitung damit 18 Prozent ihrer Auflage. Das Minus in den vergangen zwölf Monaten lag bei vier Prozent. Die Berliner-Ausgabe wird jedoch sicherlich zu den bestverkauftesten Exemplaren des Jahres werden.

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