Drastischer Gewinneinbruch bei Ringier

Der Einbruch im Werbemarkt hat beim Schweizer Medienkonzern Ringier die Bilanz kräftig verhagelt. Wie das Unternehmen mitteilte, betrug der Umsatz 2009 erreichte 1,3 Milliarden Schweizer Franken (rund 1,18 Millarden Euro) und ging damit 240 Mio. Franken zurück. Das Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen (EBITDA) fiel um 50 Mio. Franken geringer aus als im Vorjahr und erreichte 70,8 Millionen Franken (49,4 Millionen Euro). Der Gewinn nach Steuern schrumpfte auf bei 17,2 Mio. Franken (12 Mio Euro).

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Im ebenfalls durchwachsenen Geschäftsjahr 2008 hatte der einst hochprofitable Konzern (Blick, Schwizer Illustrierte) noch 62,2 Mio. Franken Gewinn gemacht (43,4 Mio Euro). Nach Angaben des Medienhauses mit Sitz in Zürich konnte die Gewinnschwelle nur durch "die energisch durchgeführten Sparprogramme" gehalten werden. Dank der "konsequenten Positionierung in den digitalen Wachstumsmärkten" habe das vierte Quartal zudem "bereits erste Aufwärtstendenzen" erkennen lassen. Zudem seien die Marktanteile gleich geblieben oder sogar noch ausgebaut worden.
Das in zehn Ländern Europas und Asiens tätige Medienunternehmen erwirtschaftete 2009 insgesamt 15,6 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr. Dem Umsatzrückgang von 9,5 Prozent im Schweizer Markt stehen zum Teil massive Umsatzeinbrüche in den osteuropäischen Staaten gegenüber. Einen zusätzlichen negativen Einfluss auf das Ergebnis hatten die schwachen Währungen der Länder Osteuropas. Insbesondere in Tschechien und der Slowakei hat dieser Faktor die ansonsten guten Resultate geschmälert.
Die digitalen Erlöse liegen mit 112,3 Millionen Franken unter dem Vorjahr (130,5 Mio.), die Erlöse der einzelnen Produkte konnten allerdings fast durchwegs gesteigert werden. So entwickelte sich Blick.ch, mit 17,5 Millionen Besuchern allein im Dezember, zum meistbesuchten Newsportal der Schweiz und erwirtschaftete einen Gewinn. Der Anteil am Gesamtumsatz nahm auf 8,7 Prozent zu.
Der Cashflow lag 2009 bei 93,8 Millionen Franken und damit 53 Millionen oder 36,2 Prozent hinter dem Vorjahr – vor allem bedingt durch das unter Druck stehende operative Ergebnis, aber auch durch niedrigere Abschreibungen im Osteuropa-Geschäft (hier wurden im Vorjahr einige ausserordentliche Abschreibungen getätigt, zum Beispiel Schliessung Ukraine).
In der Schweiz und in Deutschland generierte Ringier 2009 einen Umsatz von 825.3 Millionen Franken. Dazu trug das Verlagsgeschäft von Ringier Schweiz und Deutschland mit 548.9 Millionen und Ringier Print Schweiz mit  276.4 Millionen im Drittkundengeschäft bei. Das Jahr war geprägt von starken Rückgängen im Anzeigenmarkt, die zu einem Umsatzrückgang von rund 60 Millionen Franken gegenüber 2008 führten.

Wie schwierig derzeit für die Schweizer das viele Jahre florierende Auslandsgeschäft geworden ist, zeigt das Beispiel Rumänien: Der dortige Zeitungs-Werbemarkt ist 2009 um rund 70 Prozent eingebrochen – mit entsprechenden Auswirkungen. Daran hat auch der Relaunch der Tageszeitung Libertatea und der Frauenzeitschrift Libertatea pentru femei nichts geändert. Ringier Rumänien hat sich ein rigides Sparprogramm auferlegt, in dessen Folge die Gratiszeitung Compact geschlossen wurde. Erst vor kurzem hatte Ringier bekanntgegeben, dass wesentliche Aktivitäten in Osteuropa mit dem Auslandsgeschäft von Axel Springer fusioniert werden.
Schlechte Nachrichten auch aus dem Wachstumsmarkt China: Aufgrund eines dramatischen Einbruchs im Print-Werbemarkt konnte Ringier das Frauenmagazin Xinmin Bella sowie das Bordmagazin Oriental Sky nicht weiterführen. Das englischsprachige Ausgehmagazin für Shanghai und Peking, City Weekend, vermochte dagegen während des Jahres Marktanteile dazuzugewinnen. Die digitale Plattform cityweekend.com.cn verzeichnete weiteres Wachstum und lancierte die Plattform cityfu.com. Trotzdem verspreche der chinesische Markt weiterhin zweistellige Wachstumsraten.

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