dpa ruft Bundeskartellamt an

Nächste Runde im Wettstreit der News-Lieferanten: Nachdem die Deutsche Nachrichten-Agentur (dpa) im Kampf gegen ihren Erzfeind ddp/DAPD das Berliner Landgericht angerufen hat, wendet sie sich nun auch an die Fusionswächter - diesmal weil die neue Allianz ihren Zusammenschluss dort nicht angemeldet hat. Gerät da etwa der bisher eher mit vornehmer Zurückhaltung glänzende Marktführer in Panik? Die ddp-Manager geben sie sich jedenfalls äußerst gelassen.

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Die beiden Privatinvestoren Martin Vorderwülbecke und Peter Löw hatten Anfang Dezember vergangenen Jahres den deutschsprachigen Dienst der US-Agentur Associated Press übernommen und unter ein Dach mit ihrem ddp gesteckt. Die Bildung dieser Agentur-Allianz, mit der sie die dpa nach eigener Aussage "verzichtbar" machen wollen, meldeten sie allerdings nicht dem Bundeskartellamt. Das darf sich jetzt mit der Frage befassen, ob das zum einen überhaupt hätte geschehen müssen, und zum anderen, was daraus gegebenenfalls an Sanktionen folgt: Die dpa hat MEEDIA bestätigt, das Kartellamt in dieser Sache selbst alarmiert zu haben.

Wolfgang Zehrt, Sprecher von ddp und DAPD, beteuerte indes auf Anfrage, eine Meldung an das Kartellamt sei von Juristen ausgiebig geprüft und letztlich als nicht notwendig befunden worden. "Wir haben damit in dem vollen juristischen Bewusstsein gehandelt, das nicht tun zu müssen", sagte Zehrt. Er bemerkte auch: "Wirklich interessant an diesem Vorgang ist doch, dass die dpa innerhalb weniger Tage gleich zwei Mal zu juristischen Mitteln gegen uns greift." MEEDIA hatte keinen Tag zuvor öffentlich gemacht, dass die dpa vor dem Berliner Landgericht gegen den ddp und dessen Eigentümer Löw klagt, um die Behauptung verbieten zu lassen, der Marktführer arbeite mit sittenwidrigen Verträgen.

Auch im aktuellen Fall fühlt sich die dpa sicher. Sie beruft sich auf ihren Düsseldorfer Anwalt Thorsten Mäger. Seiner Ansicht nach reduziere der Zusammenschluss von AP (DAPD) und ddp "die Zahl der Wettbewerber bei Nachrichtenagenturen in Deutschland erheblich". Damit sei "erkennbar die Angebotsvielfalt im Bereich der Presse" berührt. Mäger habe im dpa-Auftrag dem Kartellamt außerdem mitgeteilt, "dass wir sowohl im Fall, dass das Zusammenschlussvorhaben beim Bundeskartellamt noch angemeldet werden oder das Bundeskartellamt von Amts wegen ein Entflechtungsverfahren einleiten sollte, beigeladen werden möchten".

Ob es dazu überhaupt kommt, wird sich zeigen. Tatsache ist hingegen: Während Vorderwülbecke und Löw lautstark auf dem Markt auftreten und für Irritationen sorgen, hielt sich dpa bisher elegant zurück. Jetzt aber greift auch sie zum Störfeuer. Die Branche der Nachrichtenagenturen ist damit genau das Gegenteil von dem was sie einmal war: ein ruhiger Markt, der sich allenfalls hinter den Kulissen mit sich beschäftigte, es aber tunlichst vermied, Aufsehen um sich selbst zu erregen. Vielleicht mag die dpa mit ihren aktuellen Ansinnen sogar Recht haben. Ihre Aktionen lassen aber bisweilen auch den Eindruck zurück, der Marktführer würde sich vor allem anschicken, im Kampf um seine Stellung nachzutreten, die ihm die neue Allianz ddp/DAPD streitig machen will.

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