AOL will Bebo und ICQ verkaufen

AOL macht ernst mit der Ankündigung, sich von Unternehmensteilen zu trennen, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Nach nur zwei Jahren will AOL seine Social Networking-Site Bebo verkaufen oder zu schließen. Die Konkurrenz durch Facebook ist zu übermächtig geworden. Außerdem steht der Instant-Messaging-Dienst ICQ vor dem Verkauf. Nach der Abspaltung von Time Warner soll AOL künftig als reiner Inhalte-Lieferant im Web positioniert werden. Für AOL könnte dies die letzte Chance sein.

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Laut US-Medienberichten hat AOL Mitarbeitern mitgeteilt, dass es zu teuer sei, Bebo profitabel zu machen. AOL hatte das Soziale Netzwerk vor zwei Jahren für sagenhafte 850 Mio. Dollar gekauft. Bebo war vor allem in Großbritannien populär, geriet in jüngster Zeit gegenüber dem weltweit größten Netzwerk Facebook aber immer stärker ins Hintertreffen.
"Die Social-Networking-Landschaft hat sich deutlich verändert in den letzten zwei Jahren. Die User konzentrieren sich sehr auf Facebook, was den Wettbewerb zu einer wachsenden Herausforderung macht", so Andrew Lipsman, Sprecher der Internet-Marktforschungsfirma comScore.
Bebo hatte im Februar 12.8 Millionen Unique Visitors auf seine Seite locken können. Zum Vergleich: Der größte Konkurrent Facebook hält mit 462 Millionen Unique Visitors dagegen. Ende Mai plant AOL, eine endgültige Entscheidung zu verkünden. Bebo soll verkauft oder geschlossen werden
Allein im vergangenen Jahr hat Bebo rund 45 Prozent seiner Nutzer verloren. Ursprünglich sollte Bebo zusammen mit den Instant-Messaging-Diensten ICQ und dem AOL Instant Messenger zu einem schlagkräftigen Social-Web-Angebot ausgebaut werden. ICQ steht nun aber auch zum Verkauf. Interessenten kommen aus Russland und China. In Russland interessiert sich offenbar die Firma Digital Sky Technologies für ICQ, die auch an Facebook beteiligt ist.  
Der neue AOL-Chef Tim Armstrong hat dem Unternehmen nach der Abspaltung von Time Warner aber einen radikalen Strategiewechsel verordnet. AOL soll nun nur noch Inhalte fürs Web liefern und mit Anzeigen Geld verdienen. Eine Strategie, die in der Branche als hoch riskant eingeschätzt wird. Für den einstigen Online-Primus AOL ist es wohl die letzte Chance.

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