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iPad-Medienecho: „faustischer Handel“

Seit Samstag wird in den USA das iPad verkauft. Im BamS-Interview fasst Zeitungs-Designer Mario Garcia die Aussagen vieler deutscher Medien treffend zusammen: "Das iPad wird eine Revolution auslösen. In den 40 Jahren, die ich für Zeitungen arbeite, gab es nur einmal eine vergleichbare Veränderung: Das war der Farbdruck." Erstaunlich: Die SZ macht eine Story über den ersten iPad-Käufer in New York, den Deutschen Richard Gutjahr, und verschweigt, dass er auch als SZ-Freelancer in der Warteschlange stand.

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Jordan Mejias, Frankfurter Allgemeine Zeiung
"Wie die Geschichte um den nahezu knopflosen iPad ausgeht, bestimmen die Leute, die den Bildschirm des Instruments, das durch Gedanken doch noch nicht zu steuern ist, mit Fingerabdrücken übersäen. Wie schnell sie abzuwischen sind, welche Folgen sie haben und wovon sie Spuren sind, darum geht es jetzt. Der iPad mag Bedürfnisse in uns wecken, von denen wir bisher nichts ahnten. Die grundlegende Frage aber heißt: Passt er in unser Leben? Dass wir nur darauf aus sind, es passend für ihn und sein Angebot von Internet und Email, von Büchern, Videos und Musik einzurichten, wird nicht einmal Steve Jobs sich auszumalen wagen. Die Revolution, die er ausgerufen hat, ist dennoch in vollem Gang."
Martin Eisenlauer, BamS
„Wie Apple die Zeitungswelt revolutionieren wird, zeigt die iPad-Ausgabe des „Time Magazine“: Bilder sind mit Videos oder zusätzlichen Informationen verknüpft. Wer auf die Anzeige eines Autoherstellers tippt, bekommt nicht nur alle Infos zum entsprechenden Modell, sondern kann mit dem iPad gleich eine virtuelle Testfahrt starten.“

BamS-Interview mit Zeitungs-Designer Mario Garcia
"Das iPad wird eine Revolution auslösen. In den 40 Jahren, die ich für Zeitungen arbeite, gab es nur einmal eine vergleichbare Veränderung: Das war der Farbdruck."

"Internet und Zeitungen haben nie richtig zusammengepasst. Das Internet hat Zeitungen quasi gekidnappt und ihre Inhalte ins Netz gestellt, ohne sie schön aufzubereiten. Das Web ist ein entfernter Verwandter der Zeitung, das iPad ihr Bruder: Man kann umblättern, Dinge überfliegen oder genau lesen. Es ist möglich, jedem Leser seine eigene Titelseite zu liefern. Das „Time Magazin“, das heute erstmals auf dem iPad erscheint, hat vier verschiedene Titelseiten, die es anhand der Benutzervorlieben automatisch für ihn auswählt." 
Nico Luchsinger, NZZ
"Der iPad repräsentiere einen ‚faustischen Handel‘, schrieb‘> in einer sehr intelligenten Analyse: Als Gegenleistung für ein problemlos funktionierendes Gerät und einfache Handhabung müssten die Konsumenten ihre Eigenständigkeit an Apple abgeben, das damit zu einer neuen «Zentralregierung» (Schirrmacher) aufsteigt. Mit dem Sirenengesang von Funktionalität, Einfachheit und Coolness lockt der iPad die Käufer gleichsam an, um sie dann auf immer und ewig in seinen Copyright-Schutz-Klauen festzuhalten."

Andreas Göldi fragt: „Ist das Tablet
das perfekte Medienkonsumgerät?
Sein Fazit:Das iPad ist ein exzellentes Gerät für den Medienkonsum, und einige der ersten Experimente der Medienkonzerne sehen vielversprechend aus. Aber der Webbrowser ist immer nur einen Tastendruck entfernt, und darum wird es wohl schwierig werden, die bisher angestrebten recht exorbitanten Preise für iPad-Versionen von Zeitungen und Magazinen aufrechtzuerhalten. Da müssen die Medienkonzerne schon nochmal erheblich mehr bieten.“
Ritsanarat Khunkham, Welt
"Was einen guten Nutzer früher ausmachte, war seine Fähigkeit, ein System zu optimieren – wir waren verbissene Bastler. Seit Apple macht den Nutzer etwas ganze Anderes aus: Spaß. Man muss lediglich ein bereits perfektes System für sich optimal nutzen. Es klingt wie der Wechsel von der Tragödie zur Romanze."
Michael Tibudd, Sueddeutsche Zeitung
Unter der Überschrift "Erstes iPad geht nach München" berichtet die SZ über Richard Gutjahr, der als "weltweit erster Kunde das neue Apple-Lesegerät" bekommen haben soll. Der Moderator des Bayerischen Rundfunks schreibt: "Ich kannte immer nur Fotos von diesen Wahnsinnigen, die wegen eines neuen Produkts irgendwo tagelang campieren. Das wollte ich mir jetzt mal genauer anschauen." Das tat Gutjahr mit viel Erfolg auch. Sein Warten dokumentierte er in seinem Blog und auch in Videos, die er unter anderem exklusiv für Sueddeutsche.de produzierte. Die SZ vergaß in ihrem Text darauf hinzuweisen.

Hier ist der Unboxing-Clip von Gutjahr für Süddeutsche.de

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