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Skurriler Web-Trend um den Trololo-Song

Brauner Anzug, cremefarbenes Hemd, eine olivgrüne Krawatte und ein psychedelisches Bühnenbild - fertig ist der Hype. Derzeit macht ein mehr als 30 Jahre alter Sowjet-Song das Web unsicher. Der überraschte Star: Eduard Anatolyevich Khil, seines Zeichens russischer Bariton und mittlerweile besser bekannt als der Trololo-Mann. Auf YouTube wurde der Clip schon millionenfach angeklickt, nachdem ihn sogar Oscar-Preisträger Christoph Waltz persiflierte.

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Das Netz ist schnelllebig. Nach Chatroulette schickt sich nun ein Video aus der Sowjetzeit an, einen Hype auszulösen – genauer: aus dem Jahr 1976. Eduard Anatolyevich Khil sang zu diesem Zeitpunkt seine Version von I Am Glad To Finally Be Home (Я очень рад, ведь я, наконец, возвращаюсь домой). Allerdings völlig ohne Text. Die Erklärung des Künstlers: "Wir hatten einen Text für diesen Song. Aber der war schwach. Er enthielt Passagen wie: Ich reite auf meinem Pferd durch die Prairie…mein Weib ist tausende Meilen von mir entfernt und strickt Socken. Also vokalisierten wir." Vokalisieren bedeutete in diesem Fall: Eduard Khil besang die Idylle der russischen Steppe mit Trolololoooos, AIEEEEES und Jujujuuuuus. So skurril das auch klingen mag – damals interessierte sich kaum jemand für das Eastern-Gejaule. Dafür dürften auch die Oberen der UdSSR gesorgt haben. Cowboy-Idyll war während des Kalten Krieges kein Verkaufsargument.

Doch nachdem dem russischen Bariton 2009 der russische Orden für die Verdienste am Vaterland verliehen wurde, tauchte das Video Anfang dieses Jahres auf immer mehr Seiten auf. Für den endgültigen Durchbruch sorgte ein Beitrag in der US-TV-Sendung "The Colbert Report" und ein Sketch des Anfang März frischgebackenen Oscar-Preisträgers Christoph Waltz. In der US-Late-Night-Show von Jimmy Kimmel präsentierte dieser in einer Persiflage einen fiktiven Film aus der Zeit vor seinem Ruhm mit Tarantinos "Inglourious Basterds". Laut Waltz sei "Der Humpink" ein "weniger bekannter Film", von dem er glaube, er definierte ihn als Schauspieler. "Es könnte die Rolle meines Lebens sein", sagt der Schauspieler selbst.

Der Humpink lässt die Hüften kreisen
"Ein vergnüglich tragischer Film von und mit Christoph Waltz" wird "Der Humpink" betitelt. Waltz parodiert darin das "Trololo"-Video und spricht zwischendurch über den "Humpink", während er im braunen 70er-Jahre-Dress Sex mit einem Lampenschirm sowie einem Telefon andeutet und eine Ukulele auf seinem Gemächt kreisen lässt.

Seit Waltz’s tragisch-komischem Auftritt mausert sich das russische Original zum YouTube-Hype. User rund um den Globus geben ihre Version des Trololo-Songs zum Besten. In einem Interview mit der russischen Webseite "Life News" erzählt der Sänger, er habe von dem Hype erst gar nichts mitbekommen, freue sich aber sehr darüber.

Eduard Khil ist der neue Rick Astley
Es bleibt abzuwarten, ob auch der Trololo-Mann eine neue Welle des "RickRolling" auslöst. Rickrolling heißt: Mit Hinweisen wie "Klick hier, um Megan Fox‘ neues Video anzuschauen" werden User gelockt. Zu sehen gibt es dann aber kein Hollywood-Starlet, sondern ein völlig anderes Video. 2008 wurde Rick Astley mit seiner Powerlocke, den Buntfaltenhosen und einem exzentrischen Tanzstil zu "dem Ding" auf YouTube. Mehr als 31 Millionen Mal wurde der Song "Never gonna give you up" aus dem Jahr 1987 angeschaut.


So verschmolz der Trololo-Song längst mit dem Zweitliebsten der YouTubianer: Katzen. Im Trololo-Look-alike-Contest geben User rund um den Globus ihre Version zum Besten, und im "ultimativen Trololo-Mashup" wird die Sowjet-Hymne mit den aktuellen Charts zusammengemixt. Wem das noch nicht reicht, der kann sich ab sofort die Trololo-App für’s iPhone herunterladen. Ein russisches Sprichtwort lautet: "Auch Moskau wurde nicht an einem Tag erbaut". Vielleicht hat also Eduard Khil über 30 Jahre später die Chance, mit seinem Song den Sommerhit des Jahres zu landen.

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