Kann das iPad den iPhone-Erfolg wiederholen?

Noch einmal die Luft anhalten, in sich gehen und reflektieren, was heute ist – denn so, wie es war, wird es nie wieder sein: So denken Mac-Freaks und Apple-Enthusiasten, die überzeugt sind, dass sich mit dem Marktstart des iPad am Ostersamstag in den USA die Technologiewelt, so wie wir sie kennen, grundlegend verändern wird. Und sie sind überzeugt, dass sich die Erfolgsgeschichte des iPhone wiederholt, dem beim Launch viele einen wirtschaftlichen Flop prognostizierten. Vieles spricht in der Tat dafür.

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Noch einmal die Luft anhalten, in sich gehen und reflektieren, was heute ist – denn so, wie es war, wird es nie wieder sein: So denken Mac-Freaks und Apple-Enthusiasten, die überzeugt sind, dass sich mit dem Marktstart des iPad am Ostersamstag in den USA die Technologiewelt, so wie wir sie kennen, grundlegend verändern wird. Und sie sind überzeugt, dass sich die Erfolgsgeschichte des iPhone wiederholt, dem beim Launch viele einen wirtschaftlichen Flop prognostizierten. Vieles spricht in der Tat dafür.

Wir haben den Film schon einmal gesehen. Zwei dreiviertel Jahre ist er her, als sich die Technologiebranche für das größte Spektakel des Jahres wappnete, das längst die Massenmedien elektrisierte: Der dank des iPods und der genialen Intel-Switchstrategie enorm wieder erstarkte Technologiepionier Apple würde  als Nächstes etwas tun, was noch Jahre zuvor undenkbar erschien – ein Mobiltelefon einführen, das auf den seltsam ambitionierten Namen iPhone hörte.

Es brodelt an allen Ecken und Enden, die treusten der Treuen nächtigten seit Tagen vor dem  Flagship-Store an der Fitfh Avenue und warteten auf die Ankunft des "Jesus Phones". Die Mainstream-Medien waren indes kritischer. Apple und der scheinbar gesättigte Mobilfunkmarkt – das klang nach einer problematischen  Kombination.

Riese Apple: Bereits drittwertvollstes Unternehmen der USA

Der kritische Reflex ist nichts Neues beim Traditionscomputerhersteller aus Cupertino, der polarisiert wie wohl kein zweites Unternehmen auf dem Planeten – die einen lieben es, die anderen verachten vor allem den Kult, der sich um Apple rankt. Sechs Jahre zuvor wurde der MP3-Player iPod zunächst fast belächelt, wieder drei Jahre zuvor die bunten iMacs fast belustigt aufgenommen. Der Mut der Verzweiflung wurde beim 1997 fast bankrotten Computerpionier ausgemacht.

Zwölf Jahre später ist der Mut der Gleiche geblieben, doch er entspringt einer Position der Stärke, die auf das vermutlich spektakulärste Comeback in der Wirtschaftsgeschichte zurückzuführen ist.  214 Milliarden Dollar ist Apple inzwischen an der Börse wert – nur Microsoft und Exxon Mobil sind noch wertvoller. Das Unternehmen ist längst zum Goldstandard des digitalen Lifestyles geworden – es ist die begehrteste Marke der Welt, gerade weil es sich immer wieder neu erfindet und sich nicht wie Microsoft auf seinen Lorbeeren ausruht.

Apple geht volles Risiko: Nicht mal drei Jahre nach dem iPhone der nächste große Launch
 
Nach einer Dekade der fantastischen Produkteinführungen in der Geschichte der Technologiebranche liegt die Latte nun wieder ziemlich hoch. Das sehnlichst erwartete Mac-Tablet wird morgen auf dem US-Markt debütieren – es ist die erste ganz große Neueinführung seit eben dem iPhone-Debüt.

Wenn man Apple-CEO Steve Jobs – bei aller für manchen problematischen Konzernführung – eines lassen muss, dann dies: Er geht volles Risiko. Wir erleben die Geburtsstunde einer neuen Produktkategorie, wie es sie alle ein, zwei Jahrzehnte gibt. Es gab auch vor Apple Handys und MP3-Player, und es gibt auch seit Jahren TabletPC. Was also ist das Besondere daran?

Es ist die Revolution selbst. Wieder einmal erfindet Apple etwas neu. Den Tablet in dieser Leistungsfähkeit, in dieser Einfachheit und Intuitivität gibt es bis heute nicht. Doch das ist noch nicht mal das Wichtigste. Das Wichtigste ist: Das Internet, das nach 15 Jahren der Massennutzung endlich so selbstverständlich geworden ist wie Strom oder Wasser, wird aus dem Gefängnis des Schreibtisches befreit. Das wurde es das erste Mal mit dem iPhone zwar auch schon ansatzweise, doch selbst mit 320 x 480 Pixeln ist das große Display für vieles noch zu klein – gerade bei längeren Texten. 7000-Zeichen-Artikel liest man schlicht nicht gerne auf dem  iPhone.

Das iPad reißt die gewohnten Denkstrukturen ein

Man wird es aber auf dem iPad tun – und zwar so gerne wie nie zuvor! Eine Grundabwehrhaltung gegen das Internet wird damit überflüssig. Es gibt ja Menschen, die behaupten ernsthaft, sie würden zu Hause nicht mehr den Rechner einschalten. Sie wollen Job und Privates trennen. Rechner heißt Job. Das ist zwar Blödsinn, aber mancher denkt so.

Mit dem iPad werden diese gewohnheitsmäßigen Denkstrukturen eingerissen. Das iPad verbindet mich konstant mit dem Internet, mit  dem echten, greifbaren, fühlbaren, von mir interagierbaren Internet. Ich BIN das Internet – eben nicht nur mit seinem passiven Konsummodus mit Texten, Bildern und Videos, sondern im Zeitalter der Social Networks, der  unbegrenzten  Interaktion.

Das iPad wird so zum ultimativen Ausdrucksgerät des Social Media-Zeitalters – es wird der verlängerte Arm der Generation Facebook & Twitter werden, die während des HSV-Matches auf dem Sofa gleichzeitig twittern und auf der UEFA.com-App recherchieren kann, während das Spiel läuft. Das iPad wird also Einzug ins Wohn- und Schlafzimmer und sogar die Küche halten. Es wird so sein, wie Stephen Fry schreibt: Man will es nie, nie, nie wieder weglegen, sich nicht mehr davon trennen wollen. Es wird zum Teil des eigenen Lebens.

Attraktion der Popkultur: "Das iPhone, das iPhone! Kann ich mal schauen?"

Wie gesagt: Wir haben den Film schon einmal gesehen. Rückblende Winter 2007/08: Eine brodelnde Party im Hamburger Schanzenviertel, in die ich eher durch Zufall reingeraten bin. Bis auf einen Freund kenne ich niemand dort, seltsam ist es hier – und noch seltsamer, was dann passiert. Plötzlich nähert sich mir eine gut aussehende  junge Frau, sie grinst. Das freut mich, ich versuche mich zu erinnern, ob wir uns nicht doch irgendwoher kennen könnten – keine Chance, ich weiß es nicht.

Dann passiert es: Sie ist einen Schritt vor mir und brüllt mich mit weit aufgerissenen Augen an: "Das iPhone, das iPhone! Kann ich mal schauen?" Das ist kein Scherz – es ist im ersten halben Jahr mindestens zehnmal  geschehen: in der U-Bahn, im Restaurant, auf Reisen. Das iPhone ist der Star, eine regelrechte Ikone der Popkultur. So etwas gab es noch nie. Heute, rund 50 Millionen verkaufte iPhones später, ist Apples Smartphone der Goldstandard der Mobilfunkbranche und so selbstverständlich wie der Frühlingsbeginn. Man mag das unwürdig finden, doch so funktionieren die Gesetze des Mainstreams.

Das iPad wird die Mediennutzung verändern

Im Jahr 2012, wenn die Welt nicht untergegangen ist, wird es mit dem iPad genauso sein. Es wird auf Ihrer Coach liegen, ebenso wie im Garten oder wie, nun ja, bei McDonalds. Es wird selbstverständlich sein, die Zeitung auf dem iPad zu blättern, wir werden über die 70 Cent für "weltkompakt"  lächeln, aber wahrscheinlich gibt es sie dann gar nicht – drei Jahre weiter bestimmt nicht mehr.

So wird es kommen, das ist meine Prognose am Vorabend der größten technologischen Revolution dieses Jahrzehnts. "Das iPad verändert alles", sagen Apple-Evangelisten. Ich könnte kaum anderer Meinung sein.

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