Grosso-Streit: Bauer weiter unter Druck

Im Konflikt um die Grosso-Strategien der Verlage gerät Bauer unter Druck. Nach Informationen von MEEDIA ist Burda mit einer außergerichtlichen Abmahnung gegen die Bauer Vertriebs KG vorgegangen, um zu verhindern, dass Burda-Titel im Zusammenhang mit dem von Bauer promoteten "Top 100-Siegel" genannt werden. Zuvor erwirkte G+J eine einstweilige Verfügung gegen das Gütesiegel. Unterdessen kritisierten Grossisten bei einem MZV-Meeting in München Vertriebsforderungen seitens Bauer.

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Mit dem Top 100-Siegel will die Bauer Media Group besonders vertriebsstarke Zeitschrifen adeln und hat zur Kenntlichmachung eine Plakette entworfen, die Titel auf dem Cover als Top-Vertriebshefte ausweisen. Andere Verlage, die viele Magazine mit geringerer Einzelverkaufsbilanz im Portfolio haben, wehren sich gegen die Akzentuierung der Vertriebsstärke im Einzelhandel und sind der Auffassung, dass der Grosso keine Sonderbehandlung für hochauflagige Zeitschriften einführen sollte, da dies zu einem unausgewogenen Angebot in Kiosken und Supermärkten führen würde.
Die Vielfalt des Zeitschriftensortiments sei aber gerade die wichtigste Errungenschaft des deutschen Grossosystems. Nach der außergerichtliche Abmahnung von Burda und der Einstweiligen Verfügung, die Gruner + Jahr zuvor durchgesetzt hatte, ist nun unklar, ob und in welcher Form das Top 100-Siegel am Markt eine Zukunft hat. In der außergerichtliche Abmahnung wird die VKG zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungsklärung aufgefordert.
Harte Kritik an Bauer äußerten derweil Grossovorstände bei einem informellen Meeting in München. Dort hatte der durch die von Burda betriebene Fusion größte deutsche Zeitschriftenvertrieb MZV zum Antrittsbesuch geladen. Der MZV (das Kürzel steht für Moderner Zeitschriften Vertrieb) war aus dem bis dahin größten unabhängigen Vertriebshauses MZV mit Burda und WAZ hervorgegangen. Damit ist der neue Vertriebsriese, dessen Strukturaufbau und -integration offenbar kurz vor dem Abschluss steht, künftig einer der wichtigsten Marktpartner der Grossisten.
Offiziell gaben die Beteiligten im Anschluss an das Treffen keine Stellungnahme ab. Nach MEEDIA-Informationen waren aber MZV-Vertreter sowie Grossovorstände bei dem Treffen einig, dass zum deutschen Grossosystem keine Alternative gebe und dabei das geschlossene Vorgehen besonders wichtig sei. Die Vorstöße von Bauer seien, so der Konsens, "system- und branchenfeindlich". Der Hamburger Verlag dagegen sieht das anders und argumentiert, dass die hochauflagigen Titel aufgrund der Nachfrage und Umsatzstärke am Point of Sale auch bevorzugt behandelt werden sollten.
Auch beim MZV-Meeting gab es allerdings Forderungen nach Veränderungen. Größter Nachteil des aktuellen Systems seien die Gebietsmonopole, die eine Modernisierung erschwerten. Hier komme es aus Sicht des MZV darauf an, dass Grossounternehmen die Wirtschaftlichkeit ihrer Strukturen deutlich erhöhten und auch die angestrebten Effizienz- und Konsolidierungsprozesse vorantrieben.
Hier könnte aufgrund der Marktmacht des fusionierten MZV Bewegung in die Verhandlungen kommen, indem Grossisten ihre Dienstleistungen günstiger anbieten und so die Vertriebsspanne für die Verlage attraktiver gestalten.

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