Facebook & Co. versagen bei Datenschutz

Stiftung Warentest hat über fünf Monate die großen Sozialen Netzwerke untersucht. Bei dem entscheidenden Punkt "Umgang mit den Nutzerdaten" schneidet neben MySpace ausgerechnet Facebook mit seinen 450 Millionen Kunden mangelhaft ab. Hinsichtlich der Datensicherheit versagen sogar sieben der zehn untersuchten Netzwerke. Fazit: Wenn die Nutzer sich nicht intensiv um ihre Sicherheit kümmern, droht der Verlust ihrer Privatsphäre im Internet und die unkontrollierte Weiterverwertung ihrer persönlichen Daten.

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Über fünf Monate, von September 2009 bis Januar 2010, haben die Warentester zehn Netzwerke auf Herz und Nieren geprüft. Dabei rutschten vier gleich zu Beginn ab: Facebook, Myspace, Linkedin und Xing lehnten es ab, die Sicherheit der Nutzerkonten durch gezielte Hackerangriffe testen zu lassen. Die anderen stimmten dem Hacker-Test zu. Kein einziges der untersuchten Netzwerke kam bei der Datensicherheit über ein "ausreichend" hinaus.

Beim Umgang mit den Daten ihrer Nutzer geben vor allem die US-Netzwerke Facebook und Myspace kein gutes Bild ab: Die Stiftung bemängelte die Datenverarbeitung und die Weitergabe an Dritte, insbesondere eine Klausel in den Facebook-Geschäftsbedingungen, die es dem Unternehmen gestattet, ohne Ausnahme sämtliche Daten des Nutzers weiterzuverkaufen – also alle Aktivitäten des Kunden. Die deutschen Netzwerke studiVZ, Jappy, wer-kennt-wen, Xing und Stayfriends schnitten in diesem Punkt gut ab, schülerVZ sogar sehr gut, da die Nutzer eine umfassende Kontrolle über ihre Daten behalten.

Als Sonderpunkt untersuchte Warentest die Verträge, die der Nutzer mit dem Netzwerkanbieter schließt. Während sich in den AGBs der deutschen Firmen keine bis geringe Mängel fanden, fielen die drei US-Unternehmen "sehr deutlich" durch. Besonders bemängelte Stiftung Warentest eine Klausel in den Geschäftsbedingungen von Linkedin. Darin heißt es: "LinkedIn kann die Vereinbarung mit oder ohne Grund, jederzeit, mit oder ohne Mitteilung kündigen."

Das Fazit: "Ein Netzwerk, das Informationsaustausch und Datenschutz in Einklang bringt, ist also noch nicht gefunden", schreiben die Warentester. Sie warnen indirekt vor den US-Unternehmen, da in den Vereinigten Staaten der Datenschutz "traditionell eine untergeordnete Rolle" spiele.

Wer Soziale Netzwerke trotz deren eklatanten Unzulänglichkeiten nutzen will, dem rät Warentest zu einigen Sicherheitsvorkehrungen: Die Nutzer sollten so wenig Informationen wie möglich über sich mitteilen, möglichst Pseudonyme nutzen sowie Berufliches und Privates strikt trennen.

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