Springers Angst vor eigener Paid-Courage

Viele reden davon, doch der Springer Verlag tut es auch. Als eines der ersten deutschen Medienhäuser brachte Springer mit Bild und Welt kostenpflichtige Abo-Apps auf das iPhone und in den iTunes-Store. Doch nach anfänglichen Erfolgen beim Paid Content, zögern die Berliner mit der Umsetzung der eigener Ankündigungen. Denn noch immer gibt es die Bild-Applikation zum Einführungspreis. Dabei sollte die App eigentlich schon längst knapp vier Euro pro Monat kosten.

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Nach der Einführungsphase für 0,79 Euro, sollte die Bild-App eigentlich monatlich 3,99 Euro kosten. Seit Anfang Januar müssten die Leser auf dem iPhone für die PDF-Version am Vorabend, das „schüttel-mich-nackig-Mädel“ und Eilmeldungen eigentlich knapp vier Euro berappen. Doch das ist nicht der Fall. „Ich nutze es seit Dezember und das nur für 79 Cent“, schreibt SirPeoples in den iTunes-Bewertungen. Diese Aussage lässt sich dort mehrfach finden, auch ein Kommentator in meinem Blog iPhone-Fan.de bestätigt die kostenlose Verlängerung des Abos.
Hat Springer Angst vor der eigenen Courage? „Nein, wir halten am Abo-Modell fest“, sagt Springer-Sprecherin Tanja Schlinck auf MEEDIA-Anfrage. Der Verlag wollte erst einige Updates abwarten, bis die App stabil läuft. In der aktuellen Version kann man die PDF-Ausgabe auch auf dem iPhone speichern und ohne Datenverbindung lesen. In wenigen Wochen, ganz genau kann es der Verlag nicht sagen, soll die Abo-Gebühr von den Nutzern erhoben werden.
Keine Abkehr von der Strategie also. Doch bei einem anderen Vorhaben hat Springer schnell eingelenkt. Mit dem Start der Bezahl-Apps sollte der Zugriff auf die Webseiten vom iPhone gesperrt werden. Dann wären Welt und Bild nicht mehr über den Safari-Browser auf dem Smartphone aufrufbar gewesen. Der heftige Aufschrei der Blogger-Szene führte dazu, dass man bis heute unter wap.bild.de und mobil.bild.de eine iPhone-optimierte Seite der Boulevard-Zeitung kostenfrei lesen kann.
Spannend wird, wie viele Nutzer tatsächlich dabei bleiben, wenn das Abo knapp vier Euro kostet. Der Start mit dem Preis von 0,79 Euro war ein Erfolg. Innerhalb eines Monats wurden 100.000 Apps verkauft. Bild führte damit über Tage die App-Charts an. Das lässt auch einen großen wirtschaftlichen Erfolg vermuten, doch der ist relativ. Bei Springer dürften rund 55.300 Euro von Apple angekommen sein. Im Vergleich zum klassischen Geschäft des Verlages nur eine Kleinigkeit, denn allein eine zweispaltige Kopfanzeige auf der Rückseite der Bild-Zeitung kostet laut Liste 59.953 Euro.

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