Intendant Gruber scheidet vorzeitig aus

Thomas Gruber macht den Weg frei: Der Intendant des Bayerischen Rundfunks hat am Donnerstag den Rundfunkrat darüber informiert, dass er vom vertraglichen Recht auf vorzeitige Kündigung Gebrauch macht. Er legt sein Amt zum 31. Januar 2011 nieder. Als Begründung gab der 67-Jährige an, dass der Sender vor einer "grundsätzlichen Weichenstellung" stehe, deren Konsequenzen tief in die Amtszeit seines Nachfolgers fallen würden. Dieser solle rechtzeitig in die anstehenden Entscheidungen eingebunden sein.

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"Das Amt des BR-Intendanten ist ein ganz besonderes Amt, ein besonders schönes und besonders verantwortungsvolles Amt, in dem man sich mit Herzblut für den Bayerischen Rundfunk einsetzen kann, aber auch muss", sagte Gruber in einer internen Information für die Mitarbeiter. "Die Entscheidung, einige Monate früher aufzuhören, trifft man nicht spontan aus dem Bauch heraus. Eine solche Entscheidung bahnt sich an und wird dann verbindlich getroffen. Und da gibt es dann einiges, was zusammenspielt, vieles, was man abwägt."
Alles habe seine Zeit, erklärte Gruber. "Entscheidend war und ist die Überlegung, wie ich am besten dazu beitragen kann, dass sich der Bayerische Rundfunk möglichst gut für die künftigen Aufgaben rüstet, um für die Menschen und für das Land seine Rolle als wichtigstes Medienunternehmen in Bayern zu behaupten", sagte der Intendant heute vor dem Rundfunkrat.
Bernd Lenze, Vorsitzender des Rundfunkrates, würdigte die Leistungen von Gruber: "So sehr wir Verständnis dafür haben, dass Sie die Rente mit 68 für sich in Anspruch nehmen, so sehr bedauern wir doch Ihre Entscheidung, ein Jahr früher als geplant aus dem Amt zu scheiden." Der BR habe Gruber viel zu verdanken, "umso mehr respektieren wir Ihre Entscheidung, jetzt einen Genera­tions­wechsel an der Spitze des Bayeri­schen Rundfunks einzuleiten."
Um einen reibungslosen Amtswechsel zu gewährleisten, will der Rundfunkrat zügig über die Nachfolge entscheiden. Vorschlagsberechtigt sind alle 47 Mitglieder des Rundfunkrats. Die Vorschlagsfrist endet am 15. April 2010. Abhängig von der Zahl der vorgeschlagenen Kandidatinnen und Kandidaten wird über das weitere Verfahren und den genauen Wahltermin entschieden. Unverbindlicher Leitfaden für den Auswahlprozess ist ein vom Erweiterten Ältestenrat erarbeitetes Anforderungsprofil. Die Kandidatinnen bzw. Kandidaten sollten für mindestens zwei Amtszeiten zur Verfügung stehen und deshalb möglichst nicht älter als 55 Jahre sein.
Laut Focus gilt der amtierende erste Regierungssprecher und Chef des Bundespresseamts Ulrich Wilhelm als aussichtsreichster Kandidat. Der 48-Jährige kenne den BR gut: Anfang der 90er-Jahre lieferte er für die Chefredaktion Beiträge zur Deutschen Einheit. 

Ein leichtes Erbe hat der Nachfolger nicht anzutreten. Der Sender geht 2010 wegen sinkender Gebühreneinnahmen und teurer Großereignisse wie der Fußball-WM von einem deutlichen Verlust aus. Der Rundfunkrat genehmigte im vergangenen Dezember den Wirtschaftsplan, der ein Minus von knapp 16 Millionen Euro vorsieht.
Die Differenz von zehn Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr wolle der BR im Rahmen der Vier-Jahres-Planung zwischen 2011 und 2012 wieder einsparen. "Es bleibt erklärtes Ziel des BR, mit den zuerkannten Gebühren auszukommen. Der BR ist deshalb gezwungen, seine Programmentscheidungen an die zur Verfügung stehenden Mittel anzupassen und seine Sparanstrengungen zu intensivieren", hieß es von Seiten des Senders. Die Schwerpunkte des Programms, wie zum Beispiel die regionale Berichterstattung, sollen dabei nicht geschwächt werden.

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