G+J erwirkt EV gegen Bauers Grosso-Aktion

Dass es Ärger geben würde, war klar. Dass es allerdings so schnell passiert, überrascht dann doch: Die G+J-Vertriebstochter Deutscher Pressevertrieb (DPV) hat eine Einstweilige Verfügung gegen Bauers "Top 100"-Vertriebsaktion im Einzelhandel erwirkt. Dies melden übereinstimmend die Mediendienst Horizont.net und dnv-online.net. In der EV beruft sich der DPV auf "wettbewerbsrechtliche Gründe". Die Hamburger argumentieren, dass das neue Bauer-Siegel Kiosk-Kunden in die Irre führen könnte.

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Dabei geht es darum, dass die Kennzeichnung nicht in jedem Fall der Umsatzbedeutung der Titel in der jeweiligen Presseverkaufsstelle entspreche. Bauer reagierte – und änderte sein Logo: Nun firmiert die Bauer Media Group als Absender, und die IVW taucht als Quelle des Einzelhandels-Umsatzes nicht mehr auf – sondern der Fachdienst „DNV", der vor ein paar Wochen ein entsprechendes Umsatzranking veröffentlicht hat. „Unsere Aktion geht mit Volldampf weiter", sagte Bauer-Vertriebschef Heribert Bertram zu Horizont.net. 
Der Hamburger Verlag führte das „Top 100“-Siegel vor knapp drei Wochen ein. Die Bauer Media Group will damit die Kiosk-Performance ihrer Hefte stärker vermarkten. Seitdem prangt auf 25 Heften ein grünes Güte-Siegel, das die jeweilige Zeitschrift als eine der 100 – damals noch laut IVW – umsatzstärksten im deutschen Einzelhandel identifiziert. "Für unsere Titel gilt die Maßgabe, dass nur diejenigen Produkte am Markt erfolgreich sein werden, die von der konsequenten Orientierung an den Bedürfnissen der Leser bestimmt sind", sagte Verlagschefin Yvonne Bauer gegenüber MEEDIA.
Die Hamburger akzentuieren mit dem neuen Siegel künftig noch stärker die Rolle der Vertriebserlöse. Hintergrund: Am Kiosk kämpfen die einzelnen Titel um jeden Zentimeter, zirka 3500 Magazine und Zeitungen sind es in größeren gut sortierten Läden. Daher sei es in Zeiten sinkender Zeitschriftenumsätze und einer nicht abebbenden Titelflut umso wichtiger, am Presseregal den Überblick zu behalten. Immerhin sorgen die Top 100 für 50 Prozent des gesamten Presse-Umsatzes.
"25 der Top 100 Titel kommen aus der Bauer Media Group. Entsprechend groß ist unser Interesse, diese zu kennzeichnen, um sowohl die Händler bei der Platzierung als auch die Leser bei ihrer Wahl am Presseregal zu unterstützen", sagte Bertram gegenüber MEEDIA.
Dass diese Argumentation bei der Konkurrenz auf wenig Gegenliebe stoßen würde, war abzusehen. Wie schnell und abgebrüht Bauer reagiert, zeigt, dass der Verlag offenbar mit einer Mitbewerber-Attacke gerechnet hatte und sich bereits gut vorbereitet hatte.

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