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Springers Ost-Mathematik: 1+1 = 1

Über lange Zeit hat es Gerüchte über eine engere Zusammenarbeit zwischen Springer und dem Schweizer Medienkonzern Ringier gegeben. Sogar von einer Übernahme des in Zürich beheimateten Medienhauses war die Rede. Nun ist der Deal da, allerdings in Ost-Europa. Für beide beteiligten Verlage hat die Fusion der verlegerischen Aktivitäten zwischen Ostsee und Balkan unübersehbare Vorteile. Ringier kann seine krisengebeutelte Kriegskasse auffüllen, Springer dagegen alle künftigen Gewinne komplett bilanzieren.

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Über lange Zeit hat es Gerüchte über eine engere Zusammenarbeit zwischen Springer und dem Schweizer Medienkonzern Ringier gegeben. Sogar von einer Übernahme des in Zürich beheimateten Medienhauses war die Rede. Nun ist der Deal da, allerdings in Ost-Europa. Für beide beteiligten Verlage hat die Fusion der verlegerischen Aktivitäten zwischen Ostsee und Balkan unübersehbare Vorteile. Ringier kann seine krisengebeutelte Kriegskasse auffüllen, Springer dagegen alle künftigen Gewinne komplett bilanzieren.
So läuft’s Business: Zwar ist das noch zu gründende neue Ost-Unternehmen formal ein 50:50-Joint Venture. Doch Umsatz und Gewinne werden künftig bei Axel Springer konsolidiert. Im Gegenzug erhält Ringier eine Einmalzahlung von 125 Millionen Euro. Damit steigert der Berliner Medienkonzern nebenbei den Anteil des Auslandsgeschäfts am Gesamtumsatz von derzeit 21 auf rund 27 Prozent und sichert sich die Marktführerschaft bei Boulevardzeitungen in fünf nationalen Märkten. Ein Deal unter gleichen Partnern, von denen einer deutlich gleicher ist und seine Bilanz kräftig auffrischen kann: eins und eins macht eins, was den Cashflow anbetrifft.
Die Zeit war reif für einen derartigen Befreiungsschlag im Osteuropa-Geschäft. Nach dem immensen Wachstum der frühen Investitionsjahre, die den westlichen Medienhäusern Rekordrenditen in Serie bescherten, sind die Märkte satter und nicht zuletzt durch die Konjunkturkrise schwieriger geworden. Gute Gründe, Synergien zu suchen und gemeinsam von den Erfahrungen der einzelnen Verlage zu profitieren. Gleichzeitig können die Verwaltungsstrukturen durch länderübergreifende Einheiten verschlankt, die nationalen Märkte besser kontrolliert werden.
Eine nur zehn Köpfe starke Holding wird alle Aktivitäten von Zürich aus steuern. Der bisherige CEO Central Europe bei Ringier, Florian Fels, leitet dabei das operative Geschäft. Den Vorsitz des Verwaltungsrats jedoch hat Springer mit Ralph Büchi inne. Der President Axel Springer International fungiert quasi als Aufsichtsrat.
So attraktiv die Millionenofferte aus Deutschland für Verleger Michael Ringier auch war, so wird er den Deal dennoch insgeheim auch bedauern. Die Ost-Unternehmungen waren lange ein Profitcenter und trugen maßgeblich zum Konzerngewinn bei. In der Schweiz hat Ringier zwar wichtige Magazintitel und mit dem Blick auch das traditionsreichste Boulevardblatt im Angebot, doch alle Objekte stehen unter Druck. Der Blick wurde in den letzten Jahren von der jungen Gratiszeitung 20 Minuten förmlich überrannt, der Sonntags-Blick schwächelt ebenso wie die Zeitschriften. Gut möglich, dass Ringier jetzt weiter ostwärts zieht: Auf dem asiatischen Markt ist man inzwischen ebenfalls präsent.
Kluges Management mit Gespür für die jeweiligen nationalen und regionalen Bedürfnisse und Gegebenheiten vorausgesetzt kann Springer die Fünf-Staaten-Achse zum langfristigen Cash-Bringer entwickeln. Und die neuen Märkte haben noch einen Vorteil, denn Springer und der Schweizer Partner können diese auch als Spielwiese für digitale Experimente vor allem für Paid Content-Modelle nutzen, die wiederum im Idealfall zur Blaupause für die deutschen Titel würden.

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