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Suche aus Hongkong: Googles PR-Coup

Die Stunde Null im Zensur-Konflikt zwischen Google und China scheint angebrochen. Der wertvollste Internetkonzern der Welt hat ernst gemacht und auf Eskalation umgeschwenkt. Doch die erfolgt nun anders als seit Wochen erwartet: Seit gestern Abend deutscher Zeit hat Google die Zensur seiner chinesischen Suchmaschine gestoppt und leitet nun auf die Hongkonger Google-Website um. "Das ist vollkommen legal", betont ein Sprecher. Die chinesische Regierung dürfte die Zensur-Aufhebung indes kaum tolerieren.

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Die Stunde Null im Zensur-Konflikt zwischen Google und der China scheint angebrochen. Der wertvollste Internetkonzern der Welt hat ernst gemacht und auf Eskalation umgeschwenkt. Doch die erfolgt nun anders als seit Wochen erwartet: Seit gestern Abend deutscher Zeit hat Google die Zensur seiner chinesischen Suchmaschine gestoppt und leitet nun auf die Hongkonger Google-Website um. "Das ist vollkommen legal", betont ein Sprecher. Die chinesische Regierung dürfte die Zensur-Aufhebung indes kaum tolerieren.

Es ist so weit: Google hat im seit Anfang Januar schwelenden Zensur-Konflikt mit der chinesischen Regierung, der nach Hacker-Attacken auf Gmail-Konten entfacht worden war, gehandelt. Überraschenderweise jedoch anders als erwartet: Der wertvollste Internetkonzern der Welt hat die Zensur seiner Suchergebnisse nach den Vorgaben der chinesischen Regierung nun beendet – sich dabei jedoch eines Kunstgriffs bedient, der die Machthaber der kommunistischen Volkspartei ziemlich alt aussehen lässt.

Auf der offiziellen Google-Webseite google.cn sind nämlich weiter Suchergebnisse in chinesischer Sprache zu lesen – und zwar unzensiert. Möglich macht dies eine Umleitung auf die Server in der Sonderverwaltungszone Hongkong, in der Internet-Betreiber keine Filtersysteme einsetzen müssen.

"Willkommen in der neuen Heimat der Google-Suche in China", werden überraschte chinesische Nutzer seit gestern Abend bei Google.com.hk empfangen. Politisch bewusst zensierte Inhalte wie Bilder zu den Studenten-Unruhen auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 sind damit plötzlich in der Suche zugänglich geworden.  

Umleitung auf Google.com.hk: "Sinnvolle Lösung der Herausforderungen"

Nach mehreren Monaten der im Raume stehenden Eskalation zwischen dem Internet-Weltkonzern Google und der politischen Weltmacht China ist dem Dot.com-Riesen damit einer unerwarteter Befreiungsschlag gelungen – zumindest unter PR-Gesichtspunkten.

Die Website-Umstellung erklärt Google im firmeneigenen Blog so: "Wir glauben, dass dieser Weg (…) eine sinnvolle Lösung der Herausforderungen ist, die wir erfahren mussten – er ist komplett legal und wird den Informationszugang der chinesischen Bevölkerung bedeutsam erhöhen." So charmant kann man die Zuspitzung des Konflikts natürlich auch formulieren.  

China schlägt zurück: Googles Verhalten sei "unerhört"

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Dass die düpierte chinesische Regierung indes überhaupt kein Interesse am zensurfreien Kommunikationsfluss hat, stand natürlich bereits vorher fest – und wurde Minuten später bestätigt. "Unerhört" sei Googles Verhalten als auch die "Anschuldigungen". Vielmehr habe der wertvollste Internetkonzern der Welt "seine schriftlich gegebenen Zusagen" nicht eingehalten, wird ein Behördenvertreter von der regierungstreuen Nachrichtenagentur Xinhua zitiert.

Besonders viele Sympathien dürfte sich die inzwischen schon drittgrößte Wirtschaftsnation damit nicht gewonnen haben. Google nutzte unterdessen die Gunst der Stunde und ließ Firmengründer Sergey Brin gegenüber der "New York Times" seine guten Absichten und Kooperationsbereitschaft verkünden.

Vor und zurück: Googles Verhandlungen mit der chinesischer Regierung hatten "unklaren Ausgang"

"Die Geschichte ist noch nicht vorbei", hofft der Google-Co-Gründer, der in den ersten sechs Jahren seines Lebens die Zensur-Methoden in der früheren Sowjetunion kennen gelernt hatte. Die Erfahrung sei durchaus mitprägend für Googles Haltung gewesen, ließ Brin durchblicken: "Natürlich hat das meinen Blick geschärft".

Die Verhandlungen mit der chinesischen Regierung in den vergangenen Wochen sei dagegen ein "Vor und Zurück" gewesen – mit "unklarem Ausgang". Man hoffe nun, dass die Google-Version aus Hongkong auch in Festlandchina zugänglich sei.

Das ist natürlich PR-Geplänkel, doch der Coup ist Google gelungen. Um mehr dürfte es schließlich kaum noch gehen – die Eskalation des Zensur-Konflikts war längst vorweg genommen. Das Ende scheint vorgezeichnet: Die Such-Umleitung nach Hongkong dürfte kaum mehr als die Fußnote unter Googles ingesamt leidiges China-Abenteuer sein.   

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