Das Presse-Echo zum Fall Kachelmann

Die deutsche Medien-Welt scheint sich von Jörg Kachelmann zu verabschieden. Die Tageszeitungen sind voll mit Beiträgen, die wie Nachrufe auf den Schweizer Wetter-Mann klingen. "Das Wetter, das Sie uns voraussagten, war wichtiger als die Tagesthemen", kommentiert Bild-Kolumnist Franz-Josef Wagner. Die Süddeutsche hält Kachelmann sogar für den "Guido Knopp des Wetters". Aber: "Die Staatsanwaltschaft Mannheim glaubt nun, dass es richtig dunkle Seiten gibt im Leben von Jörg Kachelmann."

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Bild (Franz-Josef Wagner):
"Es gibt Nachrichten, die man erst einmal nicht glaubt, weil sie nicht zum Bild passen, das man von einem Menschen hat. Ihr unbeschwertes lächelndes Äußeres und Ihr Beruf, die Vorhersage des Wetters, haben Sie zu einer Instanz gemacht. Sonne, Regen, Regenschirm, kurze Hosen, Schal. Das Wetter, das Sie uns voraussagten, war wichtiger als die Tagesthemen."
"Menschen sind vielschichtige Wesen, das ist nichts Neues. Jörg Kachelmann wird vielleicht niemals mehr das Wetter ansagen. Er hat, so der Vorwurf, das Wetter in sich nicht beherrscht. Er soll seine Ex-Freundin vergewaltigt haben. Die Enttäuschung darüber ist deshalb so groß, weil wir an seine Wettervorhersagen glaubten. Kann man sich nicht mal mehr auf das Wetter verlassen?"

Süddeutsche Zeitung (Bernd Dörries, Christopher Keil):
"Jörg Kachelmann ist immer sehr lebensbejahend, auch wenn das Wetter schlecht ist. Er hat aus den Wetternachrichten eine Unterhaltungsform gemacht, er hat die Vorhersagen privatisiert, die davor in der Hand der Beamten waren und ein schönes Geschäft daraus gemacht. Wenn es um Sonne oder Regen geht, ist man sofort bei ihm. Mit seiner Firma Meteomedia ist er eine Art Guido Knopp des Wetters geworden."
"Die Staatsanwaltschaft Mannheim glaubt nun, dass es richtig dunkle Seiten gibt im Leben von Jörg Kachelmann."

Frankfurter Rundschau (Cornelia Geissler, Rudolf Novotny):
"Die Meldung schockiert. Nicht nur wegen des Vorwurfs. Auch wegen der Person. Jörg Kachelmann war ein Sympathieträger – seit er Anfang der 90er Jahre schlecht rasiert im deutschen Fernsehen auftauchte. Der Schweizer sah nicht nur anders aus, als die Herren, die bis dahin monoton über Hoch- und Tiefdruckgebiete referiert hatten, er machte auch alles anders. Kachelmann hampelte in der ARD fröhlich vor den Wetterkarten herum, benannte Schäfchen- und Blumenkohlwolken und erklärte das Geschehen auf der Wetterkarte spannend und für jedermann verständlich. Irgendwann rasierte er sich nicht mehr, begann mit einer Diät und tauschte die alten, unförmigen Anzüge, gegen schickere Garderobe. Als er schließlich mit seiner Katze auf dem Arm in einer Wettersendung auftauchte, wurde der Ausschnitt zum Hit auf Youtube. Kachelmann war der Popstar unter den Wetter-Ansagern."

Focus (Frank Fleschner):
"Kachelmann, 51, ist mehr als ein TV-Wetteronkel. Er hat das deutsche Fernsehen revolutioniert und sich mit seiner Präsenz selbst zum Star gemacht. Deshalb ist es keine Randnotiz, wenn ihn die Mannheimer Staatsanwaltschaft in Untersuchungshaft nehmen lässt, weil er angeblich seine Lebensgefährtin vergewaltigt haben soll – was seine Anwälte als frei erfunden bezeichnen. Kachelmann ist scheinbar Vertrauter, ein ständiger Gast in unseren Wohnzimmern. Sein Privatleben hat er allerdings nie in die Öffentlichkeit getragen."

Tagesspiegel:
"Kachelmann, der bis heute mit spirreligem Bart und langen Haaren auftritt, hat sich in den letzten 20 Jahren ein regelrechtes Wetterimperium aufgebaut. Er gilt als einer der größten privaten Wetterdienste Europas. Seine meteorologischen Mitarbeiter gelten als hervorragend."

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