Spiegel-Chefs: Zweckbündnis statt Harmonie

Am Montag bringt der Branchendienst Kontakter eine brisante Story. In der Spiegel-Chefredaktion hat das Blatt "atmosphärische Spannungen" ausgemacht. Spekuliert wird, dass sich die Wege von Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron mittelfristig trennen könnten. Genauer: Mascolo könne den Spiegel zusammen mit Vize Martin Doerry leiten, Blumencron auf seinen früheren Job als Online-Chef zurückrotieren. Die Frage nach dem Wahrheitsgehalt könnte indes Radio Eriwan beantworten: Im Prinzip ja...

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Am Montag bringt der Branchendienst Kontakter eine brisante Story. In der Spiegel-Chefredaktion hat das Blatt "atmosphärische Spannungen" ausgemacht. Spekuliert wird, dass sich die Wege von Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron mittelfristig trennen könnten. Genauer: Mascolo könne den Spiegel zusammen mit Vize Martin Doerry leiten, Blumencron auf seinen früheren Job als Online-Chef zurückrotieren. Die Frage nach dem Wahrheitsgehalt könnte Radio Eriwan beantworten: Im Prinzip ja…
Tatsache ist: Die Gerüchte sind nicht neu, sondern kursierten bereits massiv Ende vergangenen Jahres. Damals hieß es intern, dass sich eine Reihe von führenden Redakteuren des Nachrichtenmagazins gegen Blumencron verschworen hätten. Genannt wurden die Namen von Auslandschef Gerhard Spoerl, der sozusagen Rädelsführer der Kampagne sein sollte, sowie Hauptstadt-Büroleiter Dirk Kurbjuweit, Kultur-Verantwortlicher Lothar Gorris sowie die Reportage-Köpfe Cordt Schnibben und Matthias Geyer.

Wer den Spiegel kennt, weiß, dass sich dieses Quintett angesichts solcher Spekulationen vor den Kollegen erklären musste. Und dabei beteuerten alle nach MEEDIA-Informationen, dass an den Verdächtigungen nichts, aber auch gar nichts dran sei. Wer den Spiegel kennt, weiß auch, dass dies nicht unbedingt die Wahrheit sein muss. Die Doppelspitze beim Spiegel agiert wenig homogen. Mascolo wird wegen seines autoritären Führungsstils (der Kontakter spricht von "Ellbogen-Mentalität") von den einen geschätzt, von anderen kritisiert. Blumencron geht es mit seinem kooperativen Umgang mit den Mitarbeitern genauso. Mit den Vorgängen betraute Personen berichten von einem wenigstens latent hakeligen Miteinander.
Würden die Spiegel-Chefs besser harmonieren, ergäbe sich eine interessante Chance zum Good Cop, Bad Cop-Szenario. Doch dafür sind sich die beiden offenbar nicht "grün" genug. Schon bei der Frage, wer von beiden in das Chefbüro des Vorgängers Stefan Aust einziehen würde, musste das Los entscheiden. Mascolo gewann. Das ist zwei Jahre her.
Zwar gibt es beim Spiegel inzwischen in fast allen Ressorts Doppelspitzen, aber in Chefredaktionen ist diese Konstruktion in der Branche eher selten ein Erfolgsmodell gewesen. So gut wie bei "Osterpetz", dem seit bald elf Jahren regierenden Duo von Thomas Osterkorn und Andreas Petzold an der Spitze des Stern, läuft es selten. Die erste Doppelspitze beim Spiegel endete bitterlich an fortgeschrittener Intriganz: Als der rabiate Co-Chef Werner Funk seinen gleichberechtigten Kollegen Hans-Werner Kilz mit "dirty tricks" schassen wollte, musste er selbst den Verlag verlassen.
Auf MEEDIA-Anfrage teilte die Sprecherin der Spiegel Gruppe, Anja zum Hingst, mit: "Eine Auflösung der Doppelspitze oder personelle Veränderungen in der Chefredaktion sind in keiner Weise auch nur angedacht. Wir können derartige Gerüchte voll und ganz dementieren."
Dass die vom Kontakter gehandelte Variante "Mascolo Spiegel, Blumencron Online" allerdings Hokuspokus sein dürfte, erklärt sich schon daraus, dass die Gesellschafter bei der Berufung des Duos in die Chefredaktion weitsichtig explizit klar gemacht hatten: Beide oder keiner. Damit sollte eine Rivalität, die in einen Machtkampf der beiden Chefredakteure mündet, ausgeschlossen werden. Für den Konfliktfall bedeutet dies: Wer immer seinen Kollegen rauszumobben versucht sein sollte, riskiert damit den eigenen Kopf.
Keine schlechte Regelung: hart, aber fair.

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