„Dr. Hope“: Spannender Geschichtsunterricht

Das ZDF erzählt in seinem Zweiteiler "Dr. Hope - Eine Frau gibt nicht auf" aus dem Leben von Hope Bridges Adams. Heike Makatsch verkörpert die mutige Frau, die Ende des 19. Jahrhunderts gegen alle Widerstände und Konventionen Medizin studierte und Ärztin wurde. Zu sehen ist er am Montag und Mittwoch um 20.15 Uhr, die Vor-Premiere des Films findet bereits am Freitagabend bei arte statt - ebenfalls ab 20.15 Uhr. MEEDIA hat sich den Zweiteiler vorab angesehen und sagt, ob das Einschalten lohnt.

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Heike Makatsch hat bekanntermaßen bereits einige Erfahrung in historischen Rollen. So spielte sie zuletzt u.a. Stofftier-Erfinderin Margarete Steiff und Sängerin Hildegard Knef. "Dr. Hope" ist hingegen eine Person, die im 21. Jahrhundert weitgehend vergessen ist. Umso größer die Herausforderung, dem Zuschauer das Leben der Ärztin und Frauenrechtlerin nahe zu bringen.

Hope Bridges Adams wird 1855 in England geboren und kommt nach dem Tod ihres Vaters nach Leipzig. Dort beschließt sie, Medizin zu studieren, wird aber stark dabei behindert – u.a. von Professor Ludwig von Arnstetten (August Zirner), für den die Devise gilt: "Frauen pflegen, Männer heilen". Schließlich muss er Hope das Studium widerwillig doch gestatten und sie Jahre später sogar zum Staatsexamen zulassen. Fortan kämpft "Dr. Hope" vor allem für die Rechte und die gesundheitliche Aufklärung der Frauen und legt sich weiterhin mit Traditionalisten und Konservativen an.

"Dr. Hope" ist öffentlich-rechtliches Unterhaltungs-Fernsehen, wie man es sich wünscht. Anspruchsvoll und lehrreich, aber dennoch spannend und emotional. Zu Beginn dauert es zwar zehn oder 15 Minuten, um sich an die damalige Zeit zu gewöhnen, doch hat man sich auf den Film eingelassen, wird man mit der spannenden Geschichte der "Dr. Hope" belohnt. Aus dem insgesamt stark besetzten Cast ragt Heike Makatsch heraus, die wirklich brilliert. Von der jungen Frau bis zur durch ihre Krankheit gezeichneten 60-Jährigen wirkt sie in allen Lebensphasen glaubwürdig. Auch andere Darsteller wie August Zirner als zorniger Professor von Arnstetten und Martin Feifel als späterer Ehemann der Ärztin und engagierter Revolutionär überzeugen mit ihrem Spiel.

Zudem muss die dichte Atmosphäre genannt werden, mit der "Dr. Hope" erzählt wird. Alle Details aus der damaligen Zeit wirken authentisch, nie hat der Zuschauer den Eindruck, sich in einer künstlichen Welt zu befinden. Die Erzählweise ist sehr stringent, die wichtigsten Phasen der Ärztin werden in kleinen Episoden gezeigt, dazwischen gibt es immer wieder Zeitsprünge. So kommt zwar zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf, doch an einigen Stellen wäre etwas weniger Tempo sogar wünschenswert gewesen. Gerade im ersten Teil werden einige Lebensphasen der Studentin und jungen Ärztin zu schnell abgehakt.

Etwas irritierend ist zudem die ab und zu mangelhafte Darstellung des Alterungsprozesses einiger Figuren. Zwar wirkt Heike Makatsch immer glaubwürdig, doch ein Mann wie Professor von Arnstetten sieht am Ende des Films genau so aus wie zu Beginn, obwohl der Zweiteiler eine Epoche von über 40 Jahren umspannt und Heike Makatsch zur alten Frau geworden ist. Den Gesamteindruck trübt dieses Detail allerdings nur wenig. Von Minute zu Minute wächst beim Zuschauer der Respekt vor Dr. Hope – und damit erreicht der Film das, was vielleicht sein wichtigstes Anliegen war: eine bewundernswerte Frau wieder in das Gedächtnis der Menschen zurückzuholen.

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