‚Tatort‘: Ermittlungen im Hartz IV-Milieu

Mord in der Sozialbausiedlung: Max (Klaus J. Behrend) und Freddy (Dietmar Bär) fahnden diesmal nicht nur nach einem Täter, sondern sie sind auch auf der Suche nach der kleinen Clara, die spurlos verschwunden ist. Im Spannungsfeld zwischen Jugendamt und alleinerziehender Mutter ermitteln die Kölner Kommissare im Hartz IV-Milieu und kratzen damit an einer tiefen Wunde in der deutschen Gesellschaft. "Kaltes Herz" fischt allerdings nur an der Oberfläche der traurigen Welt der Kölner Unterschicht.

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Stefanie Karstmann war feiern mit ihren Freundinnen. Um in Ruhe die ganze Nacht über Party machen zu können, hat sie ihrer vierjährigen Tochter ein Schlafmittel ins Essen gemischt und sie in ihr Zimmer eingeschlossen. Als die junge alleinerziehende Mutter früh morgens nach Hause kommt, ist die Polizei schon da. Ihr zuständiger Sozialarbeiter Marco Steinbrück vom Jugendamt liegt erstochen in ihrem Wohnzimmer, von ihrer Tochter fehlt jede Spur. Der Tote hatte das verwahrloste Kind mitnehmen und in ein Heim bringen wollen. Der Anfangsverdacht fällt auf Claras Vater, der das Kind schon einmal entführt hatte.
Bei ihren Ermittlungen stoßen Max und Freddy auch auf Tanja und Axel Küppers. Auf ihrem liebevoll renovierten Bauernhof am Stadtrand bietet das Ehepaar Pflegekindern ein neues Zuhause. Sie hatten vor Kurzem abgelehnt, die kleine Clara als Notfall aufzunehmen. Warum? Auf der Suche nach Antworten decken die beiden Kommissare einen Betrugsfall auf, der den Schlüssel zu dem Mord bildet.
Das Team Max Ballauf und Freddy Schenk ist eingespielt, seit 1997 gehen sie gemeinsam auf Verbrecherjagd. Ihre Rollen schaffen es immer wieder auch mal nicht ganz so gute Skripte zu einem trotzdem sehenswerten Tatort zu retten – so auch in "Kaltes Herz". Zwar ist für Spannung gesorgt, der Zuschauer tappt bis zuletzt im Dunkeln, doch die Darstellung des Hartz-IV-Milieus bleibt fad. Die schlimmen Lebensumstände werden angesprochen, aber der Blick in das Seelenleben der Charaktere bleibt verwehrt.
Dafür ist die Handlung auch zu komplex – zu Viele sind in den Fall verstrickt, als dass Platz wäre, Einzelne einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. Und somit schwankt "Kaltes Herz" zwischen verschachteltem Krimi, der den Zuschauer immer wieder auf falsche Fährten lockt und Sittenbild einer traurigen gesellschaftlichen deutschen Wahrheit.
MEEDIA-Fazit: "Kaltes Herz" ist sehenswert, denn das Ermittlungsduo Ballauf und Schenk schafft es wieder einmal die Zuschauer zu begeistern. Zudem sorgen einige gelungene Pointen für die nötige Auflockerung des Plots. Dass das Ende ein wenig gewollt spektakulär wirkt, nimmt man daher billigend in Kauf.

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