Carla Fingerhut als neue Adelheid

Die ARD hat die Komikern Cordula Stratmann als eine Art inoffizielle Nachfolgerin der verstorbenen Evelyn Hamann entdeckt. Ein Glücksgriff. Stratmann lieferte mit der Krimikomödie "Ein Fall für Fingerhut: Mord im Mühlengrund" einen überzeugenden Film-Einstand. Dialogwitz und Charakterzeichnungen erinnern an Hamanns erfolgreiche ARD-Reihe "Adelheid und ihre Mörder". Auch die Figur der Carla Fingerhut taugt ohne Zweifel für eine Serie. Sender und Zuschauern wäre eine Fortsetzung zu wünschen.

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Das ist so wohl auch gedacht. Sollte der Film "Ein Fall für Fingerhut: Mord im Mühlengrund" genügend Zuschauer finden, wird Frau Stratmann als ermittelnde Floristin in Serie gehen. Evelyn Hamann war auch vor allem als Komikerin bekannt, bevor sie mit der dezent witzigen Krimireihe "Adelheid und ihre Mörder" einen großen Erfolg landete. Cordula Stratmann als Floristin Carla Fingerhut ist zwar ein bisschen weniger dezent, aber genau wie Evelyn Hamann als Adelheid ein Casting-Glücksfall.
Die Rolle wurde ihr auf den Leib geschrieben, so dass sie gar nicht groß schauspielern muss. Frau Fingerhut ist Frau Stratmann und das ist nicht das Schlechteste. Dazu kommen prima Dialoge und witzige Oneliner. Wann kann man das über einen hiesigen TV-Film schon mal sagen? Ein paar Fingerhut-O-Töne zur Kostprobe:
"Haben Sie nicht diese blauen Lichter, mit denen man die Spuren besser sehen kann?"
"Wenn eine Hand tot ist, ist der Rest auch tot."
"Dich hat der Graf betrogen mit dem impotenten Hengst."
Dass ausgerechnet eine Floristin vom Niederrhein beim Dekorieren für eine Hochzeitsfeier Mordzeugin wird ("Er: Mörder, Ich: Zeuge.") und anschließend die Ermittlungen in die eigene Hand nimmt, ist natürlich ganz und gar realitätsfern. Aber die Sendung will ja auch keine realistische Milieustudien liefern, sondern gut unterhalten. Und das gelingt sogar mit Niveau.
Auch die Besetzung neben der Hauptdarstellerin stimmte. Altstar Grit Boettcher war dabei als die Mutter von Carla Fingerhuts verstorbenem Gatten. Es gab einen platonischen Fingerhut-Freund: Philipp Moog in der wahrscheinlich undankbarsten Rolle, im Film wie im echten Leben. Und Ralph Herforth spielte mit Verve einen schmierigen Seminar-Guru. Dazu der erwähnte Dialogwitz, solide Qualität bei Drehbuch und Regie und vor allem einen endlich mal originellen Ansatz für eine eigenständige Geschichte.
"Carla Fingerhut" hat vieles, was man bei anderen deutschen Produktionen schmerzlich vermisst. Ein bisschen weniger Sendezeit (eine Stunde statt eineinhalb) und ein bisschen mehr Spannung, dann könnte aus "Carla Fingerhut" eine echte Dauerläuferin werden. Der ARD, dem TV-Publikum und der deutschen Serienlandschaft wäre das zu wünschen.

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