Deutschland informiert sich im Fernsehen

Fernsehen bleibt in Deutschland das wichtigste Medium: 86 Prozent der Bevölkerung schaltet das TV-Gerät täglich ein, zwei Drittel um sich zu informieren. Damit liegt Fernsehen deutlich vor Radio, Tageszeitung, Internet und Zeitschrift. Das ist das Ergebnis einer Studie, die TNS Infratest im Auftrag der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) erstellt hat. Das "potenzielle Gewicht für Meinungsbildung" liege bei TV bei 39 Prozent. Die BLM fordert nun Gesetze, um den Einfluss einzelner Mediengattungen einzuschränken.

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Das Marktforschungsunternehmen TNS Infratest befragte im vergangenen Oktober 2.000 Personen aus unterschiedlichen Altersgruppen ab 14 Jahren und mit unterschiedlicher Bildung zu ihrer Mediennutzung. Die Testpersonen repräsentieren laut TNS Infratest 67 Millionen Menschen in Deutschland.

Bei der Befragung gaben 86 Prozent an, am vergangenen Tag ferngesehen zu haben. Auf den weiteren Plätzen folgen Radio mit 64 Prozent, die Tageszeitung mit 54 Prozent, Internet mit 51, Zeitschriften und Wochenzeitungen mit 24 Prozent. Bei der Nutzung der Medien zum Zweck der Information ändert sich das Gesamtbild nicht.

Auffallend: Um sich zu informieren, nutzen viele Jüngere das Internet (35 Prozent der 14- bis 29-Jährigen), aber nur sehr wenige Ältere (7 Prozent der Über-50-Jährigen). Diese bedienen sich zu diesem Zweck zu 54 Prozent der Tageszeitung – die für die Jüngeren nur eine untergeordnete Rolle spielt (24 Prozent). Insgesamt liegt bei der Information wiederum das Fernsehen mit 62 Prozent vorne. Dabei vertrauen fast doppelt so viele Zuschauer den öffentlich-rechtlichen Sendern als den privaten.

Der Bildungsgrad hat durchaus Auswirkungen auf die Mediennutzung, aber nicht für jedes Medium. Während es beim Fernsehkonsum praktisch keinen Unterschied macht, ob der Befragte einen Haupt-, Real- oder einen Hochschulabschluss hat, treten die Unterschiede bei den übrigen Medien deutlich zu Tage. Bei Radio, Tageszeitung und Zeitschrift steigt die Nutzung mit besserer Bildung. Besonders deutlich wird der Bildungsfaktor beim Internet: 10 Prozent mit Hauptschulabschluss informieren sich täglich im Internet, 19 Prozent mit mittlere Reife, 36 Prozent mit Hochschulabschluss. Bei der Suchmaschinen-Nutzung überrascht die überragende Vorherrschaft des Marktführers: Google kommt hier auf 98 Prozent, die beiden Microsoft-Dienster Msn und Bing auf 15 Prozent beziehungsweise 8 Prozent, Yahoo erreicht 5 Prozent.

Als "potenzielles Gewicht für Meinungsbildung" ermittelt TNS für das Medium Fernsehen einen Anteil von 39 Prozent. Die BLM will den Anteil eines Unternehmens am gesamten Meinungsmarkt auf ein Sechstel beschränken.
Es klingt drohend, wenn die BLM jetzt schreibt: "Einem Unternehmen könnte bei Überschreiten der Schwellenwerte ermöglicht werden, seine Marktstellung auf medienrelevanten Märkten durch Aufgabe von ihm zurechenbaren Beteilungen entsprechend zu vermindern." In seiner Forderung formuliert es der BLM deutlicher: Der Gesetzgeber solle "neben der Festlegung von Schwellenwerten für die verwandten Märkte im Rahmen der Novellierung des Rundfunkstaatsvertrags zusätzlich Regeln für die sonstigen relevanten Märkte (…), insbesondere für Netze/Plattformen sowie Suchmaschinen" erlassen.

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