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Deutsche Medienaktien legen in der Krise zu

Was für ein Unterschied ein Jahr macht: Genau zwölf Monate ist es her, als die Aktienmärkte rund um den Globus den tiefsten Punkt ihrer beispiellosen Talfahrt erreicht hatten. Mittendrin: Deutsche Medienaktien, die, getrieben durch die Sorge vor der schwersten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg so stark einbrachen wie seit dem Platzen der Internetblase nicht mehr. Doch genauso dramatisch fällt nun die Wiederauferstehung aus – vor allem für einen TV-Konzern, der vierstellig zulegt!

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Was für ein Unterschied ein Jahr macht: Genau zwölf Monate ist es her, als die Aktienmärkte rund um den Globus den tiefsten Punkt ihrer beispiellosen Talfahrt erreicht hatten. Mittendrin: Deutsche Medienaktien, die, getrieben durch die Sorge vor der schwersten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg so stark einbrachen wie seit dem Platzen der Internetblase nicht mehr. Doch genauso dramatisch fällt nun die Wiederauferstehung aus – vor allem für einen TV-Konzern, der vierstellig zulegt!   

Der März ist ein bemerkenswerter Monat. Zehn Jahr auf den Tag ist es her, als die wahrscheinlich größte Hausse aller Zeiten ihr Ende fand. Binnen eines Jahres hatte Anleger der komplette Höhenrausch gepackt, der am 10. März 2000 seinen Gipfel fand – die Wachstumsmärkte Nasdaq und der Neue Markt in Frankfurt sollten ihre bis heute unerreichten Höchstkurse erreichen.

Was folgte, war eine beispiellose dreijährige Talfahrt, die wiederum ihr Ende im März 2003 wenige Tage vor Ausbruch des Irak-Krieges fand. Sechs Jahre und einen Bullen- und Bärenmarkt später, endete der dramatische Ausverkauf nach der Lehman-Pleite ebenfalls in der zweiten Märzwoche.

Für deutsche Medien- und Internetaktien schien es wie überhaupt für den deutschen Aktienmarkt kein Halten zu geben. Wer in der Spitze nur 50 Prozent an Wert verloren hatte, wie etwa das Online-Netzwerk Xing, schien im dramatischen Ausverkauf der Post-Lehman-Ära noch gut bedient. ProSiebenSat.1-Aktionäre sahen sich vom Allzeithoch im Sommer 2007 bis zum Allzeittief im März 2009 mit einem astronomischen Wertverlust von 97 Prozent konfrontiert. Doch dafür wurden Anteilseigner des Münchner Medienkonglomerats in den vergangenen zwölf Monaten gebührend entschädigt:

1. ProSiebenSat.1:  + 1195 Prozent

Es ist das Comeback des Jahres, wenn nicht des ganzen vergangenen Jahrzehnts: Fast 1200 Prozent Plus mit einer deutschen Medienaktie! Möglich gemacht hat es ein hoch verschuldeter TV-Konzern, der noch in der Hausse der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts zum Spielball von Private-Equity-Investoren wurde.

Nachdem die Münchner Senderkette ProSiebenSat.1 im März nach Bekanntgabe der Jahresbilanz für 2008 bis auf unglaubliche 90 Cent durchgereicht wurde,  notiert die Aktie zwölf Monate später wieder bei fast 12 Euro. Grund für das phänomenale Comeback: Ein besserer Geschäftsverlauf als erwartet. So stieg der bereinigte Gewinn vor Steuern 2009 im Vergleich zum Vorjahr immerhin wieder geringfügig, nämlich  um 3,3 Prozent auf 696,5 Millionen Euro an.
Zudem beflügelt die Hoffnung, dass die Anteilseigner KKR und Permira vielleicht doch die schwedische Tochter SBS versilbern könnten, um den weiter horrend hohen Schuldenstand abzubauen. Die Kursfantasie kehrte sprungartig zurück.

2. Freenet: + 184 Prozent

Eine positive Geschäftsentwicklung nach turbulenten Zeiten war auch bei der früheren Mobilcom-Tochter Freenet zu beobachten. Die Internetaktivitäten  wurden weitgehend veräußert:  Alle Aktien der Strato AG gingen im November vergangenen Jahres an die Deutsche Telekom, das DSL-Geschäft an United Internet. Dafür zog sich der Mitbewerber United Internet aus dem mit Drillisch 2007 gemeinsam gegründeten Unternehmen MSP zurück, das 2008 noch die Übernahme angestrebt hatte.

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Freenet wächst nun im Mobilfunkbereich weiter  – und zwar kräftig. In den ersten 9 Monaten des Jahres zogen Umsatz – und Gewinn um 58 bzw. 56 Prozent an.  Die Zahlen für das Gesamtjahr 2009 werden nächste Woche vorgestellt. Analysten rechnen vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen mit einem Reingewinn in Höhe von mindestens 390 Millionen Euro. Zudem soll die Dividende im laufenden Jahr auf 1,00 Euro fast verdoppelt werden. Für die Analysten der Commerzbank sind das schlagende Argumente: Sie empfahlen die Freenet-Aktie (aktuell: 11 Euro) gestern erst zum Kauf. Kursziel: 13 Euro.  

3. United Internet:  + 168 Prozent

Ebenfalls ein Kauf für Analysten ist der Internet Provider United Internet, der  seine Aktionäre in den letzten zwölf Monaten mit einem Plus von 168 Prozent  ebenfalls glücklich machte. Der frühere Neue Markt-Star konnte den Vergleichsindex TecDax, der seit März 2009 um rund 100 Prozent zulegte, damit deutlich hinter sich lassen.

Eine Erholung im DSL-Geschäft und einstelliges Anziehen bei Umsatz und Gewinn in den ersten neun Monaten belebten die Fantasie bei Anlegern wieder.  Die Volkswirte der Schweizer UBS stufen die United Internet-Aktie weiter mit „Buy“ ein und sehen ein Kursziel bei 16 Euro (aktuell 11,50 Euro).

4. Tomorrow Focus: + 129 Prozent

Nach einem extrem herausfordernden Jahrzehnt scheint einem führenden Content-Provider der deutschen Internet-Landschaft in den vergangenen Monaten endlich der Ausbruch nach oben gelungen zu sein. Das allerdings eben nicht durch redaktionelle Inhalte, sondern vor allem durch die Zuwächse seiner E-Commerce-Töchter HolidayCheck und ElitePartner. Das Geschäft mit redaktionellen Internet-Inhalten bleibt problematisch.

5. RTL Group: + 102 Prozent

Erholung der TV-Werbung, zweiter Teil: Auch die Bertelsmann-Tochter RTL Group ist gut durch die Krise gekommen und kann zufrieden auf das abgelaufene Geschäftsjahr blicken. Unterm Strich konnte der in Luxemburg ansässige TV-Konzern mit 298 Millionen Euro sogar hauchdünn ein Ergebnis über dem des Vorjahres (296) präsentieren.

Auch der mit einem Börsenwert von über 2,8 Milliarden Euro mit Abstand höchst bewertete Medienkonzern der Republik konnte seine Aktionäre – und damit vor allem Mehrheitsaktionärin Friede Springer -, mit einem beeindruckenden Comeback versöhnen: Nach einem Umsatzrückgang von nur 4 Prozent erholte sich die Axel Springer-Aktie seit März 2009 um 87 Prozent und schlug die Benchmark SDax (plus 60 Prozent) damit deutlich.  Von Kurszuwächsen in diesen Dimensionen können Xing– (plus 20 Prozent) und Sky-Aktionäre (plus 5 Prozent) indes nur träumen.

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