Kolumnist Zippert lästert über die Welt

TV-Auftritte von Redakteuren oder Mitarbeiter werden von Medienhäusern gern gesehen, bieten sie doch die Möglichkeit, der eigenen Marke zu mehr Aufmerksamkeit und Strahlkraft zu verhelfen. Im Prinzip gilt das natürlich auch für Springers Flaggschiff Welt. Doch das Blatt hatte gleich zwei Probleme: die Sendung hieß Harald Schmidt und der Gast Hans Zippert, Ex-Titanic-Macher und gefeierter Seite 1-Kolumnist. Kein Wunder, dass dabei auch die Welt schlecht wegkam. Bei Springer ist man konsterniert.

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TV-Auftritte von Redakteuren oder Mitarbeiter werden von Medienhäusern gern gesehen, bieten sie doch die Möglichkeit, der eigenen Marke zu mehr Aufmerksamkeit und Strahlkraft zu verhelfen. Im Prinzip gilt das natürlich auch für Springers Flaggschiff Welt. Doch das Blatt hatte gleich zwei Probleme: die Sendung hieß Harald Schmidt und der Gast Hans Zippert, Ex-Titanic-Macher und gefeierter Seite 1-Kolumnist. Kein Wunder, dass dabei auch die Welt schlecht wegkam. Bei Springer ist man konsterniert.
"Ich muss sagen, ich lese die Welt überhaupt nicht", eröffnete der Moderator das Gespräch, "ich glaube, das ist irgendwie das Schicksal dieser Zeitung." Zippert pflichtete ihm bei: "Das geht mir ähnlich." Damit nicht genug. Der Satiriker weiter: "Die meisten denken ja, die Welt gibt’s umsonst im Flugzeug oder im Hotel und sind dann entsetzt, wenn sie im Urlaub auf Mallorca erfahren müssen, dass sie dafür Geld bezahlen sollen."
Man hätte von Zippert ja keine Werbung erwartet, ist aus der Berliner Verlagszentrale zu hören, aber das einer, der auf der Honorarliste der Welt steht, sich vor einem Massenpublikum so rufschädigend über sein Blatt äußert, gehe entschieden zu weit. Immerhin 1,21 Millionen Menschen sahen und hörten den despektierlichen Auftritt. Man habe Zipperts Einlassungen zur Kenntnis genommen und sei verwundert, so ein leitender Angestellter des Medienhauses.
Es ist allerdings kaum davon auszugehen, dass Zippert, der für seine Welt-Kolumne "Zippert zappt" mehrfach ausgezeichnet wurde, Konsequenzen drohen. Der 52-Jährige, der seine 25 Zeilen-Manuskripte aus der hessischen Provinz nach Berlin liefert, ist für seine skurrilen Einfälle bekannt. So empfahl er diese Woche mit Blick auf die Tourismusmesse in Berlin seinen Lesern, doch Expeditionen aus Sicherheitsgründen lieber im heimischen Wohnzimmer oder im eigenen Kopf zu starten, wo es "herrliche Hohlwege zu erkunden" gebe.
Immerhin hatte Zippert bei Harald Schmidt auch Lob für seinen Auftraggeber übrig: So habe ihm die Welt sein Arbeitswerkzeug gestellt, "ein Set von 26 Buchstaben". Erkenntnis des 13-minütigen Fernsehauftritts: Satire darf alles, auch wenn es nicht allen gefällt. Bei der Welt, die gerade erst von SZ-Kulturautor Willi Winkler als "krawallliberales Käseblättchen" gebasht worden war, wird man hoffen, dass Zippert vorerst kein neues Buch veröffentlicht, mit dem er dann erneut durch Talkshows tingeln könnte.

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