Ein Lead Award für Bauers Bravo?

Die beste Nachricht vorweg: Die Lead Awards finden diesmal statt. Nach den Turbulenzen und Querelen der Vergangenheit präsentierte Academy-Chef Markus Peichl am Freitag den "Fahrplan" für das Event am 25. März, bei dem die "Visual Leader 2010" gekürt werden. Bereits ab heute sind die ausgewählten und ausgezeichneten Werke im Rahmen einer Ausstellung in den Hamburger Deichtorhallen zu besichtigen. Interessant ist das Fazit Peichls über die Jury-Arbeit: In der Krise sind die Medien kreativer geworden.

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"Der Unterschied zum vergangenen Jahr ist", so der 51-Jährige, "dass wir viel mehr Arbeiten haben, die die Jury für auszeichnungswürdig befunden hat." Die Tendenz sei "gegenläufig zur Marktlage", die durch Spar- und Sanierungsmaßnahmen der Medienhäuser sowie durch geringe Heftumfänge infolge der Anzeigenkrise gekennzeichnet gewesen ist: "Erstaunlicherweise waren die Beiträge insgesamt so gut, dass die Jury mehr Preise vergeben hat." Peichl hatte dafür auch eine psychologische Erklärung parat: "Wenn es im Geschäft schwierig wird, legen sich die großen Haudegen besonders ins Zeug." Der Lead Academy-Chef zeigte sich zudem überzeugt, dass "die Medienbranche viel leistungsfähiger ist, als man geglaubt hat".
Auch inhaltlich sieht Peichl einen neuen Trend: die "immer stärkere Kontextualisierung von Kunst und Medien, also von Kunst und Kommerz". Dabei fokussiere sich der Blick der Jury zunehmend auf den Mainstream und weniger auf die "Gettos im Mediengeschäft". So verwies er darauf, dass neben einer Magazinstrecke des Berliner Street Culture-Magazins Lodown in der Ausstellung das überaus umfangreiche Feature der Bravo zum Tod von Michael Jackson hänge. Ein Lead Award für Bauers Jugendmagazin – 2010 ist auch das möglich.
Ein weiterer Trend, so Peichl, sei, dass zunehmend Kunstfotos den Weg in die News-Berichterstattung der Magazine finden. Für die Lead Awards wurden insgesamt 420 in Deutschland erscheinende Zeitschriften über ein Jahr lang ausgewertet und daraus 12.000 Seiten herausgefiltert. Diese Aufgabe erledigte eine 20-köpfige Vorjury über vier Monate. Die endgültige Entscheidung über die Preisvergabe fiel 120 Fachjuoren zu, darunter die Printchefredakteure Giovanni di Lorenzo (Zeit), Mathias Müller von Blumencron (Spiegel) und Dominik Wichmann (SZ Magazin).
Ein Novum ist, dass die Veranstaltung diesmal im Rahmen der international renommierten Foto-Fachmesse Connections (23. und 24. März) stattfindet. Die Nominierungen in den Zeitschriftenkategorien sowie in den Bereichen Werbung und Online werden erst eine Woche vor der Veranstaltung bekannt gegeben. Die Lead Awards werden von vielen großen Medienhäusern unterstützt, erstmals im Kreis der Förderer ist die Verlagsgruppe Klambt. Anders als im vergangenen Jahr, als die Finanzierung am seidenen Faden hing und erst durch zusätzliche Unterstützungsleistungen praktisch in letzter Minute gesichert werden konnte, ist es diesmal um dieses Thema ruhig.
Am Freitag wurden bereits die Nominierungen für die Fotopreise bekannt gegeben. Bei den Fotos, so der mehrfach preisgekrönte Porträtfotograf Andreas Mühe, zeige sich "ein Trend, alles etwas ruhiger anzugehen. Es geht wieder mehr um echte Fotografie und weniger um Photoshop-Kompositionen." Fazit von Academy-Chef Markus Peichl: "Mir hat die Ausstellung in diesem Jahr Spaß gemacht, sogar mehr als in allen Jahren zuvor." Das hat er 2009 nicht von sich behaupten können.
Hier die bislang bekannten Nominierungen, die Sie auch in der MEEDIA Bildergalerie finden:
Foto des Jahres:
Chris Jordan "Toter Vogel", Stern Nr. 27
Pete Souza "Die Obamas", Gala Nr. 6
Zoreh Soleimani "Where is my Vote / Oppositionelle im Iran", Stern Nr. 47
Mood- und Modefotografie des Jahres:
Roe Etheridge und Miranda July "Dear Julie / Filmstills", Vice Nr. 9
Alasdair McLellan "Fort Benning", 032c Winter 2009
Peter Lindbergh "Liebe, Hass, Wahnsinn / 30 Jahre Vogue", Vogue Nr. 10
Porträtfotografie des Jahres:
Axel Hoedt "Furchtbar komisch / Allemannische Fastnachtsverkleidungen", Zeit Magazin Nr. 9
Hendrik Kerstens "Paula / Die Tochter des Künstlers", Die Nacht Nr. 5
Stephan Vanfleteren"Mach ein Bild von mir bevor es zu spät ist / Fischer in Flandern", Mare Nr. 77
Reportagefotografie des Jahres:
Pep bonet "Never Walk Alone / Fußballer in Sierra Leone", Mare Nr. 75
Armin Smailovic "Er hat überlebt / Sebrenica", Zeit Magazin Nr. 33
Olaf Unverzart "Deutsche Szenen", Zeit Magazin Nr. 1 – 34
Achitektur- und Still-Life-Fotografie:
lee Friedlander "America by Car", Monopol Nr. 8
Peter Granser "I’ve Lost my mind / Ansichten aus der Psychiatrie", Magazin über Orte Nr. 6
Sarah Pickering "Explosionen" Magazin über Orte Nr. 6

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