Die neuesten Zahlen der Radio-MA

Der Ausstoß an Jubel-Pressemitteilungen dürfte am Mittwoch in der Radiobranche auf neue Rekordwerte schnellen. Denn: Fast alle von der Radio-MA ausgewiesenen Sender konnten sich im Vergleich zur MA 2009-II verbessern. 88 Gewinnern stehen nur 12 Verlierer gegenüber. Was so mancher Sender dabei verschweigen wird, ist aber die Tatsache, dass die Grundgesamtheit der Studie um rund 3,8 Mio. deutschsprachige ausländische Mitbürger erweitert wurde, ein Plus von 5% ist also in etwa normal.

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Blicken wir also zunächst auf die ungewöhnlichen Fälle, auf die Sender, die trotz der größeren Grundgesamtheit der Radio-MA Höhrer verloren haben. Zum zweiten Mal führt WDR 4 dieses Verlierer-Ranking an. Diesmal gingen dem NRW-Sender 12.000 Hörer verloren, ein Minus von 1,5%. Prozentual gesehen noch deutlich mehr büßten die Anbieter auf den Plätzen 2 bis 5 des Absteiger-Rankings ein: Energy Sachsen rauchte um 22,7% nach unten, Rock Antenne um 11,7%, radioBerlin 88,8 und Hitradio RTL Sachsen um 7,8% bzw. 8,9%:

Bei den größten Gewinnern tut sich unterdessen Erstaunliches: 1Live, in der MA 2009 II noch zweitgrößter Verlierer, schießt mit einem Plus von 20,6% auf eine Hörerzahl von 947.000, überholt damit WDR 4 und beinahe auch noch WDR 2. Offenbar hat 1Live besonders von der Erweiterung der Grundgesamtheit profitiert. Allein dadurch ist der Boom des Senders aber nicht zu erklären, auch ohne die erstmals ausgewiesenen ausländischen Mitbürger verzeichnet 1Live ein Plus von 13,6%. Man hat in Köln in den vergangenen Monaten offenbar also vieles richtig gemacht. Ergänzt wird die Gewinner-Top-5 durch Antenne Bayern, WDR 2, radio NRW und SWR 3:

Erwartungsgemäß konnten also besonders Sender aus Nordrhein-Westfalen zulegen. Zwar liegen keine Einzelzahlen für die deutschsprachigen Ausländer vor, die nun erstmals in der Radio-MA auftauchen, doch die Vermutung liegt nahe, dass besonders Sender in Ballungsräumen von der Erweiterung profitiert haben, Sender, die vornehmlich auf dem flachen Land senden, dagegen unterdurchschnittlich stark. Obwohl die Grundgesamtheit um 5,4% von 69,86 Mio. auf 73.66 Mio. Menschen ab zehn Jahren gestiegen ist, lässt sich daher auch nicht verallgemeinern, dass ein Sender mit einem Plus von weniger als 5,4% automatisch zu den Verlierern gehört.

Das Gesamt-Ranking der Radio-MA wird natürlich weiterhin von der Lokalsenderkette Radio NRW angeführt. Mit 1,544 Mio. Hörern pro Durchschnittsstunde verbesserte man sich um 6,0%. Antenne Bayern überholte dahinter den Konkurrenten Bayern 1 – mit 1,211 Mio. zu 1,145 Mio. Hörern. Deutlichste prozentuale Gewinner auf den ersten 25 Plätzen unserer Tabelle sind neben 1Live vor allem R.SH und WDR 2, verloren haben lediglich WDR 4 und SWR4 RP:

Auf den Plätzen 26 bis 50 folgen drei weitere Verlierer, doch auch hier dominieren die Sender, die ihre Zahlen verbessern konnten. Verloren haben lediglich Radio Regenbogen, Antenne Thüringen und Bremen Eins, besonders stark verbessern konnten sich – wiederum prozentual gesehen – bigFM Der neue Beat (+39,8%), radioeins (+37,9%), hr1 (+25,3%) und Klassik Radio (+23,4%):

Insgesamt gewannen die Privaten diesmal etwas mehr als die Öffentlich-Rechtlichen. Während das Hörerplus bei den Privaten 9,9% beträgt, verzeichneten die ARD-Sender 8,0% Hörer mehr. Ohne die erstmals ausgewiesenen deutschsprachigen ausländischen Mitbürger würde der Anstieg bei 5,4% (Private) bzw. 4,8% (ARD) liegen.

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